Wien (OTS) – Der nächste Hitzesommer kommt bestimmt. Wenn die
Temperaturen 2027
wieder über 30 Grad steigen, ist es für neue Regeln zu spät. Deshalb
zieht die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) jetzt die Konsequenzen aus den
Erfahrungen des Sommers 2026. +++
Der Bundesvorstand der GBH hat sich auf ein konkretes
Maßnahmenpaket für einen besseren Hitzeschutz geeinigt. Dieses soll
nun gemeinsam mit Politik, Sozialpartnern, Auftraggebern und den
zuständigen Stellen umgesetzt werden.
„Wir wissen heute, was bei der nächsten Hitzewelle auf unseren
Baustellen passieren wird. Deshalb dürfen wir nicht warten, bis das
Thermometer wieder 30 oder 35 Grad zeigt. Die notwendigen
Entscheidungen müssen jetzt fallen, damit die Regeln 2027 stehen“,
sagt GBH-Bundesvorsitzender Abg. z. NR Josef Muchitsch.
Arbeitsalltag an die Hitze anpassen
Extreme Hitze ist längst Teil des Arbeitsalltags. Besonders
betroffen sind Beschäftigte, die schwere körperliche Arbeit im Freien
leisten. Rückmeldungen aus dem Sommer 2026 haben gezeigt: Frühere
Arbeitsbeginne allein lösen das Problem nicht. Der GBH wurden Fälle
gemeldet, in denen Beschäftigte bereits um 5 Uhr begonnen haben und
trotzdem bis in den späten Nachmittag arbeiten mussten. In
Einzelfällen wurden Arbeitstage von bis zu 16 Stunden gemeldet.
Für die GBH ist daher klar: Arbeitnehmerschutz, Arbeitszeiten,
Bauzeitpläne und öffentliche Vergaben müssen gemeinsam an die
veränderten Bedingungen angepasst werden.
„Der Klimawandel verändert unsere Arbeitswelt. Darauf müssen auch
unsere Regeln reagieren. Wer bei mehr als 30 Grad schwere körperliche
Arbeit leistet, braucht besonderen Schutz. Gesundheit muss Vorrang
vor Bauzeit und Fertigstellungstermin haben“, so Muchitsch.
Studie im Auftrag der AK zeigt: Schwere Arbeit braucht mehr
Pausen
Wie notwendig diese Anpassungen sind, zeigt auch eine aktuelle
Studie der Medizinischen Universität Wien im Auftrag der
Arbeiterkammer. Sie untersucht, wie lange bei Hitze sicher gearbeitet
werden kann und welche Erholungspausen notwendig sind.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Temperatur. Auch
Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Kleidung und vor allem die
körperliche Belastung spielen eine Rolle. Je schwerer die Arbeit,
desto kürzer wird die Zeit, die bei Hitze ohne gesundheitliches
Risiko durchgehend gearbeitet werden kann.
Ein Beispiel aus der Studie macht die Belastung deutlich: Bei
schwerer körperlicher Arbeit eines Bauarbeiters und Hitzewarnstufe 2
mit rund 30 Grad gefühlter Temperatur stehen rund 29 Minuten Arbeit
bereits 28 Minuten notwendiger Pause gegenüber.
Hinzu kommt ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko: Ab 30 Grad steigt
das Risiko für Arbeitsunfälle. Je großer ums o höher steigt das
Unfallrisiko! Hitze ist damit nicht nur eine Belastung für den
Körper, sondern wird auch zu einer Frage der Sicherheit am
Arbeitsplatz.
Für die GBH bestätigt das die Erfahrungen aus der Praxis: Ein
normaler Arbeitstag kann bei großer Hitze nicht einfach unverändert
weitergeführt werden.
Diese Maßnahmen müssen jetzt umgesetzt werden
1. Arbeitszeit bei Hitze begrenzen
Ab 30 Grad soll eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden
gelten. Ab 32,5 Grad soll die Tageshöchstarbeitszeit auf sieben
Stunden begrenzt werden. Ab 35 Grad fordert die GBH einen
Rechtsanspruch auf Hitzefrei.
2. Hitzefrei planbarer machen
Die bestehende Hitzefrei-Regelung ab 32,5 Grad muss stärker
genutzt werden. Wetterprognosen sollen eine bessere Planung
ermöglichen. So können Arbeitsbeginn, Arbeitszeit und notwendige
Unterbrechungen rechtzeitig angepasst werden.
3. Betriebe dürfen für Hitzeschutz nicht bestraft werden
Unternehmen, die ihre Beschäftigten schützen und Arbeiten bei
extremer Hitze verkürzen oder unterbrechen, dürfen dadurch keinen
wirtschaftlichen Nachteil haben. Vertragsstrafen wegen hitzebedingter
Verzögerungen müssen ausgeschlossen werden.
4. Hitzeschutz bereits bei der Vergabe mitplanen
Vor allem die öffentliche Hand muss Hitzeschutz schon bei
Ausschreibungen, Bauzeiten und Fertigstellungsterminen
berücksichtigen. Wer Bauzeiten vorgibt, muss auch einplanen, dass
extreme Hitze Arbeiten verlangsamen oder zeitweise unmöglich machen
kann.
„2027 ist es zu spät, darüber zu diskutieren“
Die Beschlüsse des GBH-Bundesvorstands sind der nächste Schritt.
Jetzt geht es darum, daraus konkrete Regelungen zu machen.
„Wir können die nächste Hitzewelle nicht verhindern. Wenn im
Sommer 2027 die nächste extreme Hitze da ist, ist es zu spät, über
neue Regeln zu diskutieren. Wir alle – Politik, Sozialpartner und
Auftraggeber sind deshalb jetzt gefordert. Wir müssen die kommenden
Monate nutzen und unsere Arbeitswelt rechtzeitig hitzefit machen“,
sagt Muchitsch.
Für die GBH geht es dabei um zwei Seiten derselben Verantwortung:
Beschäftigte müssen vor gesundheitlichen Gefahren geschützt werden.
Gleichzeitig brauchen jene Betriebe faire Bedingungen, die diesen
Schutz ernst nehmen.
Gesundheit schützen. Faire Betriebe stärken. Arbeitswelt hitzefit
machen.
Wer ist die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH)?
Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist die österreichische Gewerkschaft
für rund 240.000 Beschäftigte in der Bau-, Holz- und Steinbranche.
Sie verhandelt Kollektivverträge und setzt sich für faire Löhne,
sichere Arbeitsbedingungen, soziale Gerechtigkeit und faire
öffentliche Vergaben ein.
Bundesvorsitzender der GBH ist Josef Muchitsch.