Wien (OTS) – Anlässlich des Internationalen Tages der älteren
Menschen am 1.
Oktober fordert Birgit Gerstorfer, Präsidentin des
Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), mehr Mitsprache und Respekt
für die ältere Generation. „Seniorinnen und Senioren dürfen bei
politischen Entscheidungen nicht nur mitgedacht werden. Sie müssen
von Anfang an mitreden und mitgestalten können“, so Gerstorfer. Der
Österreichische Seniorenrat müsse daher als echter Sozialpartner auf
Augenhöhe eingebunden werden. ****
9 Milliarden Euro Lohnsteuer: Ältere sind ein Wirtschaftsfaktor
Dass Pensionistinnen und Pensionisten keineswegs ein
„Kostenfaktor“ sind, wie es in der öffentlichen Debatte leider oft
dargestellt wird, zeigen die Zahlen. Allein die einbehaltene
Lohnsteuer betrug im Jahr 2024 rund 9 Milliarden Euro. Dazu fließt
ein Großteil der Pensionen wieder direkt über den Konsum in die
Wirtschaft. „Wer ständig nur darüber spricht, was Pensionen kosten,
erzählt nur die halbe Wahrheit. Pensionistinnen und Pensionisten
zahlen Milliarden an Steuern, verfügen über Kaufkraft und sichern
damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze“, betont Gerstorfer.
Sichere Pensionen statt Pensionsbashing
Gerstorfer fordert daher einen sachlichen Umgang mit der
Pensionsdebatte. „Die oft genannten 34,2 Milliarden Euro sind kein
einheitlicher ‚Pensionszuschuss‘: Rund 20,3 Milliarden Euro entfallen
auf die gesetzliche Pensionsversicherung, rund 13,9 Milliarden Euro
auf Beamtenpensionen; in den Mitteln für die gesetzliche
Pensionsversicherung sind zudem unter anderem Kindererziehungs- und
Arbeitslosigkeitszeiten, Leistungen für Selbständige sowie rund 1,33
Milliarden Euro an Ausgleichszulagen gegen Altersarmut enthalten.“
Auch die offiziellen Langfristberechnungen rechtfertigten keine
Dramatisierung: Laut Alterssicherungskommission steigen die
Bundesmittel für gesetzliche Pensionen und die Ausgaben für
Beamtenpensionen bis 2070 zusammen um 1,1 Prozentpunkte des BIP. „Das
Pensionssystem muss selbstverständlich langfristig abgesichert
werden. Aber daraus eine angebliche Kostenexplosion zu konstruieren
und Pensionistinnen und Pensionisten zum Budgetproblem zu erklären,
ist nicht nur falsch, es ist bewusst unehrlich. Wer jahrzehntelang
gearbeitet und Beiträge geleistet hat, hat Anspruch auf eine sichere
und verlässliche Pension“, so Gerstorfer.
Millionen Stunden freiwillige und unbezahlte Arbeit
Auch jenseits von Steuern und Konsum leisten ältere Menschen
einen enormen Beitrag. In Österreich engagieren sich rund 48 Prozent
der Bevölkerung freiwillig. Gerade Ältere investieren besonders viel
Zeit: Freiwillig Tätige ab 60 Jahren leisten im Median 3,46 Stunden
pro Woche – deutlich mehr als jüngere Altersgruppen. Hinzu kommt die
Pflegearbeit in den Familien: Rund 950.000 Menschen in Österreich
betreuen oder pflegen Angehörige oder Bekannte; die Mehrheit der
pflegenden Angehörigen ist über 60 Jahre alt. „Ehrenamt,
Kinderbetreuung, Nachbarschaftshilfe und die Pflege von Angehörigen
haben einen enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert.
Würden diese Leistungen wegfallen, müsste vieles davon teuer durch
öffentliche oder professionelle Angebote ersetzt werden“, sagt
Gerstorfer.
Recht auf ein analoges Leben
Mehr Respekt bedeute auch, ältere Menschen in allen
Gesellschafsbereichen Teilhabe zu garantieren und bei der
Digitalisierung nicht zurückzulassen. „Es muss ein Recht auf analoges
Leben geben. Behördenwege, Bankgeschäfte, Tickets und wesentliche
Dienstleistungen müssen auch ohne Smartphone, App und Internet
möglich bleiben. Digitalisierung soll Möglichkeiten schaffen und
keine Menschen ausschließen“, fordert die PVÖ-Präsidentin.
„Nicht nur mitdenken – mitentscheiden lassen“
Gerstorfer abschließend: „Die ältere Generation zahlt Milliarden
an Steuern, leistet freiwillige Arbeit und hält mit ihrer Pflege- und
Betreuungsarbeit Familien und Gesellschaft am Laufen. Sie verdient
Respekt statt Pensionsbashing. Sichere Pensionen, ein starker
Seniorenrat als echter Sozialpartner und das Recht auf analoge
Teilhabe sind zentrale Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben
im Alter. Ältere Menschen müssen bei allen politischen Entscheidungen
mitgedacht – und vor allem mitentscheiden dürfen.“ (Schluss)