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Genomdaten bestätigen: eurasische und amerikanische Habichte sind verschiedene Arten

Wien (OTS) – Im Naturhistorischen Museum Wien wurde in einer
systematischen
Analyse eine lang diskutierte taxonomische Frage beantwortet: Der
Eurasische Habicht (Astur gentilis) und der Amerikanische Habicht (
Astur atricapillus) sind zwei eigenständige Arten.

Untersucht wurden genomweite Daten – mehrere zehntausend
genetische Merkmale, sogenannte SNPs (single nucleotide polymorphisms
) – von mehr als 50 geografisch und taxonomisch ausgewählten Vögeln.
Die DNA stammte überwiegend aus historischen Präparaten
naturkundlicher Sammlungen. Dieser Forschungsansatz wird als
Museomics bezeichnet.

Die Analyse zeigt überraschend, dass der Eurasische Habicht mit
zwei untersuchten Arten aus Afrika und Madagaskar enger verwandt ist
als mit dem morphologisch und ökologisch viel ähnlicheren
Amerikanischen Habicht. Damit werden frühere Ergebnisse basierend auf
mitochondrialer DNA sowie bioakustische Befunde bestätigt und
erheblich erweitert.

In der biologischen Systematik und Taxonomie wird die
Biodiversität unseres Planeten untersucht und klassifiziert. Die Art
nimmt im biologischen System dabei eine Schlüsselstellung ein. Sie
dient als Einheit vieler anderer Disziplinen, wie etwa der Ökologie
oder der Naturschutzbiologie. Die Erforschung von Artgrenzen ist
deshalb von großer Relevanz, auch wenn diese Grenzen oft fließend
sind.

Eine neue Studie des Naturhistorischen Museums Wien und der
Universität für Bodenkultur Wien hat nun mithilfe modernster
genetischer Methoden zeigen können, dass der Eurasische Habicht (
Astur gentilis), der mit über 1000 Brutpaaren auch in Österreich weit
verbreitet ist, und der Amerikanische Habicht (Astur atricapillus)
eindeutig als zwei eigenständige Arten anzusehen sind. Die Studie
nutzt erstmals genomweite Daten (sogenannte SNPs) aus historischen
Museumsexemplaren über das gesamte Verbreitungsgebiet des Habichts
hinweg und schließt damit eine zentrale Wissenslücke in der
Greifvogel-Taxonomie.

Die neuen Ergebnisse bestätigen und erweitern jene Erkenntnisse,
die bereits 2019 in einer ebenfalls am Naturhistorischen Museum Wien
entstandenen Studie auf Basis von mitochondrialer DNA gewonnen wurden
( https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jzs.12285 ). Gemeinsam
mit bioakustischen Analysen anderer Wissenschaftler*innen waren es
diese Arbeiten, die maßgeblich dazu beitrugen, dass internationale
Fachgremien den weltweiten Artstatus der Habichte überarbeiteten und
„den“ Habicht nun in zwei unterschiedliche Arten aufteilten.

Die Frage, ob amerikanische und eurasische Habichte als eine oder
zwei Arten zu behandeln sind, beschäftigt die Wissenschaft seit
Jahrzehnten. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden
die beiden Arten teils getrennt, teils gemeinsam geführt; durchsetzen
konnte sich letztlich die Auffassung einer einzigen über weite Teile
der Nordhalbkugel verbreiteten Art. In den vergangenen Jahren wurde
die alte Frage mit neuen Methoden erneut aufgegriffen – und nun mit
klaren Daten basierend auf mehreren zehntausend Merkmalen aus dem
gesamten Erbgut beantwortet. Hierfür wurden von Habichtpräparaten aus
dem NHM Wien und anderen Sammlungen Proben genommen, aus denen dann
DNA extrahiert und analysiert wurde.

Dieser als Museomics bezeichnete Ansatz ist einer der
Forschungsschwerpunkte am NHM Wien und zeigt, wie wichtig
naturkundliche Sammlungen für die biologische Grundlagenforschung
sind. Ohne sie wäre diese Studie nicht möglich gewesen, bei der nicht
nur die beiden erwähnten Habichtarten über die gesamte Nordhalbkugel
hinweg beprobt wurden, sondern zum Vergleich auch zwei ihrer
nächstverwandten Arten aus Afrika und Madagaskar, so dass
letztendlich über 50 taxonomisch und geografisch ausgewählte Vögel in
die Auswertung eingingen.

Die genetische Verwandtschaftsanalyse ergab, dass die beiden
bisher als eine gemeinsame Art geführten und äußerlich sowie
ökologisch sehr ähnlichen Habichtlinien sich innerhalb der Gruppe der
Habichte nicht einmal besonders nahestehen: Tatsächlich ist unser
Eurasischer Habicht mit den beiden afrikanischen Arten trotz vieler
Unterschiede näher verwandt als mit seinem nordamerikanischen Vetter.

„Unsere genomischen Analysen zeigen, dass Eurasischer und
Amerikanischer Habicht nicht nur geographisch, sondern auch genetisch
klar getrennte Linien darstellen“, sagt Studienerstautor Florian
Kunz. „Die deutliche genetische Divergenz, die wir im gesamten Genom
nachweisen, bestätigt, dass es sich um zwei eigenständige Arten
handelt – mit unmittelbaren Konsequenzen für Taxonomie, Naturschutz
und Rechtslage.“

„Wie wir Arten abgrenzen, ist keine rein akademische Frage“,
betont Min Chai, gemeinsam mit Kunz Ko-Erstautorin der Arbeit.
„Artkonzepte haben direkte Auswirkungen darauf, wie wir Biodiversität
erfassen, wie wir Populationen schützen und welche rechtlichen
Instrumente greifen.“

Die Neubewertung betrifft nicht nur die wissenschaftliche
Benennung. Rote Listen, Naturschutzgesetze und andere rechtliche
Regelwerke, in denen beide Habichte teilweise noch als eine Art
geführt werden, müssen entsprechend angepasst werden. Für
Vogelbeobachter bedeutet die Aufteilung außerdem, dass nun zwei
getrennt zu dokumentierende Arten anerkannt sind.

Originalpublikation: Kunz, F., Chai, M., Schwentner, M., Zachos,
F. E., Kapun, M., Haring, E., “ Goshawk genomics: Genome-wide single
nucleotide polymorphisms (SNPs) confirm species status of Astur
gentilis and Astur atricapillus ” (Zoologica Scripta 2026) DOI:
10.1111/zsc.70083

Hochauflösendes Bildmaterial finden Sie hier .

Zwtl.: Allgemeine Info

Weltweit werden gegenwärtig rund 11.000 Vogelarten in knapp
20.000 Unterarten unterschieden. Die Vogelsammlung des NHM Wien
beherbergt davon etwa 75 Prozent aller Arten. Insgesamt werden im NHM
Wien über 130.000 Vogelbelege aus aller Welt aufbewahrt. Seit 29.
September 2026 präsentieren sich die Vogelschausäle 29 und 30 des
Naturhistorischen Museums Wien in neuem Glanz! Mehr als 1.000
Vogelpräparate wurden entstaubt, frisiert und zum Teil neu
präpariert. Böden wurden saniert, die Elektrik erneuert und die
historischen Deckengemälde sowie denkmalgeschützte Vitrinen
fachgerecht restauriert.

Wissenschaftlicher Rückfragehinweis

Dr. nat. techn. Florian Kunz, MSc
Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie und
Jagdwirtschaft
Tel.: +43 1 47654-83220 I [email protected]

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