Wien (OTS) – Jänner 2008, Regau in Oberösterreich: In einem Fluss
wird die Leiche
der 29-jährigen slowakischen Pflegerin Denisa Soltísová gefunden.
Zehn Tage zuvor war sie verschwunden. Zuletzt wurde sie in einer
Winternacht bei Minusgraden barfuß und nur leicht bekleidet in der
Nähe ihres Arbeitsplatzes – dem Haus eines pensionierten Arztes –
gesehen. Ihre Familie glaubt bis heute, dass sie ermordet wurde.
Widersprüche, Geheimniskrämerei, schlampige Ermittlungen – ein Fall,
der bis heute viele Fragen aufwirft. Die von Metafilm für den ORF
produzierte Doku „Tod am Fluss – Der Fall Denisa Šoltísová“ von
Biljana Petrović – zu sehen am Donnerstag, dem 17. September 2026, um
20.15 Uhr in ORF 1 und auf ORF ON – ist eine packende „True Story“
über widersprüchliche Gutachten, offene Fragen im Kontext eines
brisanten gesellschaftlichen Themas und den langen Kampf einer
Familie um Wahrheit und Gewissheit.
In München wird 2006 die Millionärin Charlotte Böhringer
ermordet. Ihr Neffe Benedikt Toth gerät unter Verdacht und wird 2008
zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute beteuert er jedoch seine
Unschuld. Die Doku „Der Parkhausmord – Wer tötete Charlotte
Böhringer?“ beleuchtet um 21.05 Uhr im Rahmen der „True Stories“-
Leiste den Mordfall nach aktuellen Erkenntnissen und lässt sowohl
Skeptiker des Urteils als auch Fürsprecher zu Wort kommen, ebenso
Benedikt Toth selbst. Als Autor und Regisseur fungierte der
preisgekrönte Filmemacher Gunther Scholz.
True Stories: „Tod am Fluss – Der Fall Denisa Šoltísová“ (20.15
Uhr)
Bereits wenige Stunden nach dem Fund der Leiche wird Denisa
Šoltísovás Tod in Österreich als Suizid durch Ertrinken eingestuft –
ohne Obduktion. Andere gerichtsmedizinische Bewertungen kommen zu
abweichenden Schlüssen – ein Konflikt der Expertisen, der den Fall
bis heute prägt. Für die österreichischen Behörden ist der Fall rasch
abgeschlossen, doch Denisa Soltísovás Familie, die in der Slowakei
lebt, zweifelt an der Theorie eines Suizids. Nach der Überstellung
des Leichnams in die Slowakei veranlassen Denisas Eltern eine
Obduktion. Dabei werden Blutergüsse an Unterarmen und Oberschenkeln
sowie fragwürdige Medikamente im Körper der jungen Frau festgestellt.
Die Befunde führen zu unterschiedlichen Interpretationen: Während ein
Teil der Gutachten einen Suizid für wahrscheinlich hält, sehen andere
Expertinnen und Experten Hinweise auf eine mögliche Beteiligung
Dritter. Außerdem soll Denisa laut Aussagen der Eltern sowie von
Zeuginnen und Zeugen in den Tagen vor ihrem Verschwinden zunehmend
verwirrt und geschwächt gewirkt haben – obwohl sie psychisch und
physisch kerngesund gewesen sei. Auch den österreichischen
Journalisten Martin Leidenfrost, der zu der Zeit in der Slowakei
lebt, lässt Denisa Šoltísovás Schicksal nicht los. Er macht es sich
zur Aufgabe, Denisas Familie bei der Suche nach einem möglichen Täter
zu unterstützen und der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Auch er
stößt auf Widersprüche, Geheimniskrämerei und Schlampereien in den
Ermittlungen.
Die Dokumentation zeichnet das tragische Schicksal einer jungen
Frau nach, die voller Zukunftspläne nach Österreich kam und als 24-
Stunden-Pflegekraft ihren Lebensunterhalt verdiente. Ihre Geschichte
erzählt von der zumeist unsichtbaren Lebensrealität tausender
osteuropäischer Pflegekräfte, die seit der EU-Osterweiterung die
Betreuung alter Menschen in Österreich sichern – isoliert und fern
ihrer Heimat. Die Spurensuche führt von Oberösterreich bis in die
Slowakei. Journalistinnen und Journalisten, Gerichtsmediziner,
Juristen und Angehörige sprechen über die widersprüchlichen
Gutachten, mögliche Ermittlungsfehler und die Frage, ob Herkunft und
sozialer Status Einfluss auf die Wahrnehmung und Aufklärung des Falls
hatten. 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Wels die Ermittlungen
ein. Denisas Fall ist jedoch nicht verjährt. Sollten neue Spuren
auftauchen, könnten die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Fast
zwei Jahrzehnte später hofft Denisas Mutter noch immer auf Gewissheit
– und darauf, dass jemand den entscheidenden Hinweis gibt.
True Stories: „Der Parkhausmord – Wer tötete Charlotte
Böhringer?“ (21.05 Uhr)
Im Mai 2006 wird die Millionärin Charlotte Böhringer im Penthouse
ihres Münchner Parkhauses tot aufgefunden. Rasch gerät ihr Neffe
Benedikt Toth unter Tatverdacht. Nach einem Indizienprozess wird er
als schuldig verurteilt. 17 Jahre später kommt er am 24. April 2023
vorzeitig auf Bewährung nach verbüßter Haft wieder frei. Bis heute
beteuert er seine Schuldlosigkeit und kämpft mit Familie und Freunden
für die restlose Aufklärung des Mordfalls. Das Urteil war von Beginn
an umstritten, da es ausschließlich auf einer Indizienkette beruhte.
Das Tatwerkzeug konnte nicht ermittelt werden. In der Doku von
Gunther Scholz kommen neben Benedikt Toth auch sein Verteidiger Peter
Witting, sein Bruder Mate sowie enge Freunde zu Wort. Zudem geben
Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, der Kriminalist Axel
Petermann sowie der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian
Ude ihre Einschätzung zu dem Fall ab.