Haarentfernung

Schallmeiner/Grüne: Steinhart schimpft über den Boten statt über die Botschaft

Wien (OTS) – „Wenn der Ärztekammer-Präsident auf die einfache Frage,
ob
Privatpatient:innen schneller operiert werden, auch nach mehrmaligem
Nachfragen keine Antwort gibt, dann ist das auch eine Antwort.“, so
Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen, zum gestrigen
ZIB2-Auftritt von Johannes Steinhart. Die Antwort, die Steinhart
schuldig geblieben ist, liefert die Studie des Instituts für Höhere
Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ)
gleich selbst: Wer eine private Krankenzusatzversicherung nutzte,
wartete im Median acht statt 20 Wochen auf die Operation. Auch wenn
man Art des Eingriffs, Bildung und Einkommen herausrechnet, bleibt es
bei rund halb so langer Wartezeit. 17,3 Prozent der Befragten wurde
angeboten, die Wartezeit über eine Privatordination oder eine private
Zuzahlung zwischen 200 und 8.600 Euro abzukürzen. 2019 waren es noch
10,9 Prozent. „Das ist kein Generalverdacht gegen 50.000 Ärzt:innen.
Das ist der Befund eines Systems, in dem man sich mit Geld einen
Platz in der Warteschlange kaufen kann. Genau das verbietet das
Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz (KAKuG), das eine Behandlung
ausschließlich nach medizinischen Gesichtspunkten vorschreibt“,
kritisiert Schallmeiner.

Steinharts Versuch, die Studie wegen ihrer 810 Befragten
kleinzureden, lässt Schallmeiner nicht gelten: „Das IHS untersucht
diese Frage seit fast 20 Jahren und die Ergebnisse zeigen einmal mehr
in dieselbe Richtung. Wer jetzt die Methodik zerpflückt und von der
Arbeiterkammer eine Entschuldigung verlangt, schimpft über den Boten,
weil ihm die Botschaft nicht passt.“ Besonders unangenehm für die
Kammer: Laut Studie kommt rund ein Drittel der Hinweise auf private
Zuzahlungen ausgerechnet von operierenden Fachärzt:innen. „Die
überwältigende Mehrheit der Ärzt:innen arbeitet korrekt und dabei oft
am Limit. Genau die schützt man aber nicht, indem man eine Wagenburg
um jene baut, die den OP-Termin im öffentlichen Spital an das Honorar
in der eigenen Privatordination koppeln. Eine Standesvertretung, die
das nicht anspricht, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des
Problems.“

In einem Punkt gibt Schallmeiner Steinhart recht: Die Wartezeiten
sind dramatisch gestiegen, bei Hüftoperationen von neun Wochen im
Median 2019 auf heute 30 Wochen, bei Knieoperationen auf 36 Wochen.
„Aber Knappheit ist keine Ausrede für Vorreihung. Sie ist der Grund,
warum es endlich klare Regeln braucht. Wenn OP-Plätze knapp sind,
entscheidet sonst eben die Brieftasche, wer zuerst drankommt.“
Abschließend fordert Schallmeiner Gesundheitsministerium und Länder
auf, bundesweit einheitliche, verbindliche, monatlich aktualisierte
Online-Wartelisten in allen Bundesländern umzusetzen. Diese sollen
wie gesetzlich vorgesehen die Sonderklasse-Patient:innen ausweisen
und nach Dringlichkeit unterscheiden. Dazu braucht es eine
unabhängige Beschwerdestelle samt anonymer Meldeplattform. „Wer krank
ist, kommt nach medizinischer Dringlichkeit dran. Nicht nach
Kontostand. Punkt.“