Haarentfernung

LIFE VienNATURA – neues Leben für ein altes Bahnareal

Wien (OTS) – In der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde mit dem Bau des
Verschiebebahnhofs in Breitenlee begonnen. Das Projekt wurde jedoch
im Jahr 1926 eingestellt und das Gelände anderweitig verwendet, etwa
als Lagerplatz. 100 Jahre später ist es Zeit, dem Gebiet neues Leben
einzuhauchen, was mit dem EU-Life-Projekt namens „LIFE VienNATURA“ in
Angriff genommen wird. Das Areal, das inzwischen Natura 2000-
Schutzstatus genießt, wird umfassend renaturiert, das bedeutet, dass
wertvolle Lebensräume für dort vorkommende seltene und geschützte
Tier- und Pflanzenarten erhalten und wiederhergestellt werden.

Am Projekt beteiligt sind die Stadt Wien mit den Abteilungen für
Umweltschutz, dem Forst- und Landwirtschaftsbetrieb, der Abteilung
für Abfallwirtschaft und die Partner-Organisationen Birdlife, das
Naturhistorische Museum Wien, das internationale Städtenetzwerk ICLEI
Europe sowie die auf EU-Projekte spezialisierte Agentur EuroVienna.

„Wien ist eine lebenswerte Stadt, nicht zuletzt durch ihren hohen
Grünanteil. Lebensräume wie jener, der hier geschützt und gefördert
wird, sind wertvoll für die Artenvielfalt und gut für die Seele der
Wiener*innen, die hier ein wunderbares Stück Stadtnatur erhalten“,
betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.

„Dieses Gebiet der Natur zurückzugeben, die ursprünglichen
pannonischen Trockenrasen für die vielen hier lebenden seltenen Tier-
und Pflanzenarten zu erhalten, ist ein großer Schritt, um die
Biodiversität in Wien für die nächsten Generationen zu sichern“,
ergänzt Ferdinand Schmeller, LIFE VienNATURA-Projektleiter der Wiener
Umweltschutzabteilung.

Zwtl.: Informationen für Anrainer*innen und Interessierte vor Ort

Am 14. Oktober 2026 luden die Projektverantwortlichen zur
Informationsveranstaltung ein. Bei einer von Expert*innen begleiteten
Führung auf dem Areal und in einer Präsentation wurde den zahlreich
erschienenen Anwohner*innen die aktuellen und zukünftigen
Pflegemaßnahmen für das Areal vorgestellt. Im Fokus standen dabei die
Besonderheiten des Gebiets und die vorherrschende Artenvielfalt. Bei
einer gemeinsamen Pflanzaktion wurden dem Standort angepasste
heimische Pflanzen gesetzt, die den Lebensraum weiter aufwerten
werden.

Fragen zum Projekt LIFE VienNATURA und der weiteren Entwicklung
des Areals wurden abends in gemütlicher Heurigen-Atmosphäre von den
am Projekt mitwirkenden Expert*innen beantwortet. Dabei konnten
Unklarheiten und Vorbehalte beseitigt werden, die etwa die
Wegeleitung oder naturschutzfachliche Arbeiten am Areal betrafen.

Zwtl.: Standorttypische Pflanzen statt invasive Arten

Renaturierung bedeutet, dass stark von menschlicher Kultur
geprägte Landschaftsteile wieder zu naturnahen Lebensräumen werden
sollen. Das Areal sich selbst zu überlassen, erscheint nur auf den
ersten Blick als eine Möglichkeit für die Natur, sich die Gegend
zurückzuerobern. Von brachliegenden Flächen profitieren nicht zuletzt
invasive Arten. Diese vermehren sich rasch und verdrängen die
standorttypischen Pflanzen, was den Standort auch als Lebensraum für
viele heimische Arten unwirtlich macht.

Um diesen Schwund der Biodiversität zu verhindern, werden in
Breitenlee invasive Arten wie die Goldrute oder der Götterbaum
gezielt bekämpft und gegen standorttypische Pflanzen, etwa Eichen,
ersetzt. Das bedeutet auch, dass kurzfristig die etablierten Gstätten
bearbeitet und gerodet werden, langfristig aber naturschutzfachlich
wertvoller Naturraum neu entstehen bzw. wiederhergestellt werden
kann.

In Zukunft wird es hier wieder pannonisches Flair geben,
blütenreiche Trockenrasen und Lebensraum für Neuntöter, Zauneidechse,
Riemenzunge oder Helmknabenkraut. Damit die Wiesenlebensräume
ungestört gedeihen können, wird es ein sanftes Wegeleitsystem geben.
In Schutzgebieten dürfen die ausgewiesenen Wege grundsätzlich nicht
verlassen werden, damit geschützte Pflanzen und Tiere unbeschadet
bleiben. Auskunft zur Fauna und Flora auf dem Gebiet werden demnächst
ein Lehrpfad und ein in einem ausgedienten Eisenbahnwagon
eingerichteter Informations-Hub geben.

Zwtl.: Vom Bahnhof zum Naturjuwel

Das alte Bahnhofsareal umfasst etwa 90 Hektar, das ist
vergleichbar mit der Größe des Bezirks Josefstadt. Im weitgehend der
Natur überlassenen Bereich haben zahlreiche besondere Arten, wie der
Neuntöter, der Wiedehopf, die Zauneidechse, diverse Orchideen und
über 140 Wildbienenarten einen Lebensraum gefunden.

Das Areal wurde von der Stadt Wien, unterstützt vom
Biodiversitätsfonds des Bundes angekauft und wird im Rahmen des
Projekts LIFE VienNATURA zum bisher größten Renaturierungs-Gebiet der
Stadt Wien entwickelt. Das Projekt plant die Wiederherstellung einer
pannonischen Landschaftsstruktur, die den etablierten Arten den
Lebensraum erhält. Darüber hinaus entsteht wertvoller Raum für
Erholung und Naturerlebnis für alle Wiener*innen.

Zwtl.: Biodiversität ist lebensnotwendig

Wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind in einer
Großstadt wie Wien nicht selbstverständlich, aber durchaus wichtig.
Viele Tiere erfüllen bedeutsame Aufgaben im Ökosystem, nicht zuletzt
Insekten, die durch die Bestäubung unserer Kulturpflanzen unsere Obst
– und Gemüseversorgung sichern. Und wie wäre es, in einer Stadt ohne
naturnahe Erholungsräume, ohne Naturerlebnisse, wie Vogelgezwitscher,
Igelgetrappel, blühenden Wiesen oder bunten Schmetterlingen zu leben?
Biodiversität bedeutet auch Lebensqualität.

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter
https://presse.wien.gv.at/bilder abrufbar. (Schluss)