Wien (OTS) – Die OECD präsentiert heute mit „Education at a Glance
2026“ ihren
jährlichen internationalen Bildungsbericht. Der Bericht vergleicht
die Bildungssysteme der OECD- und EU-Mitgliedstaaten und gibt einen
umfassenden Überblick über Bildungsbeteiligung, Bildungsabschlüsse,
Investitionen und die Situation der Lehrkräfte. Ein Schwerpunkt der
diesjährigen Ausgabe liegt auf dem Thema Lehrkräftemangel und der
Attraktivität des Lehrberufs.
Österreich bei Lehrkräfteversorgung vergleichsweise gut
aufgestellt
Die OECD-Daten zeigen, dass Österreich bei der Versorgung mit
Lehrkräften vergleichsweise gut aufgestellt ist. Der Anteil
unbesetzter Lehrstellen in der Primar- und Sekundarstufe liegt bei
rund einem Prozent. Auch bei der Abwanderung aus dem Lehrberuf liegt
Österreich mit einer Abgangsquote von 5,8 Prozent unter dem OECD-
Schnitt von 6,4 Prozent und dem EU-Schnitt von 6,9 Prozent.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Österreich bei der Bindung
junger Lehrkräfte genauer hinschauen muss: Von jenen voll
ausgebildeten Lehrkräften, die den Beruf verlassen, tun dies 69,2
Prozent innerhalb der ersten fünf Jahre. Der OECD-Schnitt liegt bei
37,5 Prozent. Allerdings liegen für diesen Indikator nur Daten aus 14
OECD- bzw. EU-Ländern vor.
„Die OECD bestätigt: Österreich hat bei der Lehrkräfteversorgung
eine gute Ausgangslage. Das ist gerade angesichts des internationalen
Lehrkräftemangels eine wichtige Nachricht. Gleichzeitig müssen wir
dafür sorgen, dass junge Lehrerinnen und Lehrer langfristig im Beruf
bleiben. Deshalb müssen wir die Arbeitsbedingungen weiter verbessern
und den Lehrberuf attraktiv halten“, sagt Bildungsminister Christoph
Wiederkehr .
Auch bei der Zufriedenheit zeigen sich positive Werte: 81,6
Prozent der Lehrkräfte in der Sekundarstufe I geben an, mit ihren
Beschäftigungsbedingungen zufrieden zu sein, 71,9 Prozent sind mit
ihrer Bezahlung zufrieden. Der Anteil der Quereinsteiger/innen auf
der Sekundarstufe I liegt in Österreich laut der OECD-Studie
„Teaching and Learning International Survey“ (TALIS) 2024 bei 6,8
Prozent, und damit unter dem OECD-Durchschnitt von 8,4 Prozent.
Hohes Bildungsniveau und gute Betreuungsverhältnisse
Auch beim Bildungsniveau liegt Österreich über den
internationalen Vergleichswerten: 86,8 Prozent der 25- bis 64-
Jährigen verfügen über zumindest einen Abschluss der Sekundarstufe
II. Im OECD-Schnitt sind es 81,3 Prozent, in der EU 84,8 Prozent.
Positiv entwickeln sich auch die Betreuungsquoten im
Elementarbereich. 93,4 Prozent der Vierjährigen und 97,2 Prozent der
Fünfjährigen besuchen eine frühkindliche Bil dungseinrichtung. Auch
bei den Dreijährigen liegt Österreich mit 81,3 Prozent über dem OECD-
Schnitt von 77,1 Prozent.
„Wir sehen bei der frühkindlichen Bildung und beim Bildungsniveau
klare Stärken. Gleichzeitig zeigt uns die OECD, wo wir genauer
hinschauen müssen. Unser Ziel ist klar: Jedes Kind soll unabhängig
von seiner Herkunft die bestmöglichen Bildungschancen bekommen – und
dafür setzen wir dort an, wo Unterstützung besonders notwendig ist“,
so Wiederkehr.
Überdurchschnittliche Investitionen in Bildung
Auch bei den Ausgaben pro Schülerin und Schüler liegt Österreich
international weit vorne. Für einen Schüler bzw. eine Schülerin in
der Primar- und Sekundarstufe werden jährlich durchschnittlich 19.508
US-Dollar ausgegeben. Der OECD-Schnitt liegt bei 14.432 US-Dollar,
der EU-Schnitt bei 14.004 US-Dollar. Damit liegt Österreich bei den
jährlichen Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler auf Rang vier
im OECD-Vergleich und auf Rang zwei innerhalb der EU. Auch im
Elementarbereich sind die Ausgaben hoch: Pro Kind werden jährlich
durchschnittlich 16.403 US-Dollar aufgewendet. Österreich liegt damit
auf Rang fünf innerhalb der EU.
Gute Betreuungsverhältnisse in den Schulen
Die Investitionen zeigen sich auch bei den
Betreuungsverhältnissen an den Schulen. In der Primarstufe kommen
durchschnittlich zwölf Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft,
in der Sekundarstufe I und II jeweils neun. Auch die Klassengrößen
sind vergleichsweise klein: In der Primarstufe besuchen
durchschnittlich rund 19 Kinder eine Klasse, in der Sekundarstufe I
sind es rund 21 Schülerinnen und Schüler.
OECD zeigt auch klare Handlungsfelder
Neben den positiven Entwicklungen benennt der OECD-Bericht auch
Bereiche, in denen weiterer Handlungsbedarf besteht. So ist der
Anteil der 18- bis 24-Jährigen, die weder in Beschäftigung noch in
Ausbildung sind, von 12,6 auf 13,2 Prozent gestiegen. Damit liegt
Österreich auf dem Niveau des EU-Schnitts von 13,2 Prozent, aber
unter dem OECD-Schnitt von 14 Prozent.
Auch beim erfolgreichen Abschluss der Sekundarstufe II gibt es
Verbesserungspotenzial: 59,4 Prozent der Jugendlichen schließen die
Ausbildung innerhalb der theoretischen Mindestdauer ab. Nach zwei
zusätzlichen Jahren steigt der Anteil auf 77,6 Prozent – liegt damit
aber weiterhin unter dem internationalen Vergleichswert von 84,9
Prozent.
„Education at a Glance zeigt, dass Österreichs Bildungssystem auf
einem guten Weg ist und der noch vor einigen Jahren gravierende
landesweite Lehrkräftemangel zurückgedrängt werden konnte. Österreich
verfügt über viele Stärken und investiert auf hohem Niveau in
Bildung. Gleichzeitig dürfen wir uns darauf nicht ausruhen. Unser
Anspruch muss sein, dass Investitionen und Reformen bei den
Schülerinnen und Schülern ankommen – insbesondere bei jenen, die am
meisten Unterstützung brauchen“, betont Wiederkehr.
Der OECD-Bericht „Education at a Glance“ erscheint jährlich und
liefert international vergleichbare Daten zu den Bildungssystemen der
OECD- und EU-Mitgliedstaaten. Die Ausgabe 2026 legt einen besonderen
Schwerpunkt auf die Situation der Lehrkräfte und die Attraktivität
des Lehrberufs.