Wien (OTS) – Das diesjährige Motto des Welttags der psychischen
Gesundheit lautet
„Lived Experiences Heard: Real Voices, Real Change“. Zuhören in der
Politik ist wichtig, aber es muss auch etwas daraus folgen.
„Seit 2022 haben über 57.000 Kinder und Jugendliche bei ‚Gesund
aus der Krise‘ schnell und kostenlos Hilfe bekommen, und die
Evaluierung der Universität Innsbruck belegt, dass das Programm
wirkt. Trotzdem hat diese Regierung im Vorjahr eine monatelange
Versorgungslücke zugelassen. Schon ab Jänner 2025 gab es in einzelnen
Bundesländern Aufnahmestopps samt langer Wartelisten. Ab 17. Juni
waren dann österreichweit gar keine Behandlungsplätze mehr verfügbar,
fast vier Monate lang, bis die Verlängerung endlich im Oktober kam.
Während Staatssekretärin Königsberger-Ludwig im September auf Ö1
erklärte, es gehe selbstverständlich weiter, stand auf der Website
des Projekts Tag für Tag: keine Kapazitäten. Junge Menschen in akuten
Krisen standen vor verschlossenen Türen. Ein zweites Mal darf das
nicht passieren. Im Juni 2027 läuft das Projekt erneut aus, und
diesmal darf die Regierung nicht wieder bis zur letzten Minute
warten“, sagt Ralph Schallmeiner, Gesundheitssprecher der Grünen. Das
Programm wurde 2022 unter Grüner Regierungsbeteiligung gestartet und
ist längst eine unverzichtbare Säule der psychosozialen Versorgung
junger Menschen.
Schallmeiner fordert, wie bereits 2025, das Programm aus dem
Projektstatus in eine dauerhafte, gesetzlich verankerte und gemeinsam
von Bund und Sozialversicherung getragene Regelfinanzierung zu
überführen. „Die klinisch-psychologische Behandlung als
Kassenleistung und der Ausbau der Psychotherapie sind richtige
Schritte. Sie ersetzen aber nicht, was ‚Gesund aus der Krise‘ so
wertvoll macht: Hilfe innerhalb weniger Tage, ohne Diagnose, ab 14
auch ohne Zustimmung der Eltern und in 27 Sprachen. Genau so
erreichen wir jene Jugendlichen, die sonst durch alle Raster fallen“,
betont Schallmeiner. Die mehr als 1.800 Behandler:innen im Programm
brauchen Planungssicherheit statt jährlichem Zittern, und die
Familien müssen sich darauf verlassen können, dass das Angebot 2027
nicht wieder wegbricht. „Ministerin Schumann und Staatssekretärin
Königsberger-Ludwig haben noch heuer vorzulegen, wie ‚Gesund aus der
Krise‘ über Juni 2027 hinaus mit ausreichend Kapazitäten weitergeht,
mit gesicherter Finanzierung und ohne einen einzigen Tag
Unterbrechung. Beteuerungen hatten wir im Vorjahr genug. Was zählt,
ist eine verbindliche Zusage, schwarz auf weiß“, stellt Schallmeiner
klar.
Mit dieser Forderung stehen die Grünen nicht allein da. Der
Psychotherapieverband ÖBVP fordert einen zeitnahen und leistbaren
Zugang zur Behandlung. Die Bundesjugendvertretung verlangt bis
Jahresende Klarheit über die dauerhafte Absicherung, und die
psychiatrische Fachgesellschaft warnt davor, bei befristeten
Pilotprojekten stehen zu bleiben. „Die Expert:innen sind sich einig,
die Evaluierung liegt vor, und der Bedarf ist ungebrochen hoch.
Psychische Erkrankungen, die im Jugendalter nicht rechtzeitig
behandelt werden, werden oft chronisch. Wer hier spart oder zögert,
zahlt später ein Vielfaches, menschlich wie finanziell. Eine Lücke
wie 2025 wäre diesmal kein Versehen mehr, sondern ein Versagen mit
Ansage. Wir Grüne werden genau hinschauen und so lange Druck machen,
bis die Zukunft von ‚Gesund aus der Krise‘ langfristig abgesichert
ist“, so Schallmeiner abschließend.