Haarentfernung

Dänemark macht Hülsenfrüchte zur Chefsache. Und Österreich?

Wien, 9. Oktober 2026 (OTS) – Kaum ein Land produziert pro Kopf so
viel Fleisch wie Dänemark.
Trotzdem fließen dort 170 Millionen Euro in die Förderung von
Produktion und Konsum von pflanzlichen Lebensmittel. Wie passt das
zusammen? Beim Runden Tisch des Vereins für Proteinvielfalt in
Österreich, Donau Soja und der Dänischen Botschaft gab es die Antwort
aus erster Hand.

Ausgerechnet im Schweine- und Milchland Dänemark sitzen heute
Bauernverband, die dänische vegetarische Gesellschaft und
Lebensmittelindustrie an einem Tisch, um pflanzliche Lebensmittel
voranzubringen. Wie Dänemarks Strategie aussieht und was Österreich
daraus mitnehmen kann, darüber diskutierten am 6. Oktober rund 50
Gäste in der Residenz des dänischen Botschafters in Wien.
Landwirt:innen, Verarbeitungsbetriebe und Lebensmittelhandel waren
ebenso vertreten, wie Landwirtschafts-, Gesundheits- und
Verteidigungsministerium, AGES, Landwirtschaftskammer, AMA Marketing,
Bio Austria und die Forschung.

Zwtl.: 170 Millionen Euro und ein ungewöhnliches Bündnis

Marie-Louise Boisen Lendal kennt beide Seiten: Sie ist auf einem
dänischen Hof aufgewachsen, der Futtermittel für die Tierhaltung
produzierte und leitet heute als Vorsitzende den mit 170 Millionen
Euro ausgestatteten Dänischen Förderfonds zur Entwicklung des
pflanzlichen Lebensmittelsektors (Plantefonden). Gemeinsam mit dem
nationalen Aktionsplan für pflanzliche Lebensmittel bildet der Fonds
das Herzstück des dänischen Modells.

Das Besondere daran: Gefördert wird nicht nur auf dem Acker,
sondern vor allem dort, wo Lebensmittel gegessen werden. Zu den
größten Förderbereichen zählen Schulungen für Köch:innen, etwa in der
kommunalen Gemeinschaftsverpflegung sowie die Entwicklung neuer
pflanzlicher Produkte. Auf die Frage, was Österreich als Erstes
übernehmen sollte, antwortete Boisen Lendal mit zwei Punkten: Die
Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette
institutionalisieren und ein eigenes Budget für Förderung von
Angebot, Nachfrage und Zusammenarbeit bereitstellen.

Zwtl.: Die Nachfrage wächst kontinuierlich

Die Voraussetzungen für den Erfolg pflanzlicher Produkte in
Österreich sind marktseitig vielversprechend: Laut aktuellen
Verkaufszahlen des Marktforschers NielsenIQ legen klassische
Hülsenfrüchte leicht zu, während pflanzliche Alternativen zu Fleisch
und Milchprodukten stark wachsen. Bei Fleischalternativen stieg der
Absatz im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel zuletzt um 11
Prozent, bei Milchalternativen um mehr als 8 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr.

Zwtl.: Österreich hat die Bohne, aber zu wenig
Verarbeitungskapazitäten

Die Herkunft der Rohstoffe bleibt für Konsument:innen ein
wichtiges Kaufargument, genau hier tun sich aber Lücken auf. In Bezug
auf Soja ist Österreich bereits gut aufgestellt, darin war man sich
auf beiden Podien im Rahmen der Veranstaltung einig: Österreich zählt
zu den wichtigsten Sojaproduzenten Europas, mit hohem Bio-Anteil. Bei
anderen Hülsenfrüchten ist die Wertschöpfungskette jedoch noch
lückenhaft. Gerade angesichts zunehmender Herausforderungen durch
Trockenheit und Hitze sowie bestehender Importabhängigkeiten gewinnt
die Diversifizierung der heimischen Proteinversorgung an Bedeutung.
Sie kann einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten
und zur Resilienz der Lebensmittelsysteme beitragen. Dafür müssen
alle Glieder der Wertschöpfungskette zusammengedacht werden – vom
Saatgut über Anbau und Verarbeitung bis hin zum Konsum, und das unter
verlässlichen und förderlichen Rahmenbedingungen. Die größte Chance
sehen die Teilnehmer:innen neben dem Anbau in der Verarbeitung im
Inland: von Reinigung, Trocknung und Vermahlung bis zur
Weiterverarbeitung beispielsweise zu Tofu, Pflanzendrinks und
Fleischalternativen. Zwar stehen Fördermöglichkeiten zur Verfügung,
jedoch für kleinere Verarbeiter sind die Einstiegshürden häufig zu
hoch, für größere Unternehmen die Förderanreize zu gering.

Als Hebel für einen stabilen Absatz für den Aufbau einer solchen
Wertschöpfungskette wurden die öffentliche Beschaffung und die
Gemeinschaftsverpflegung genannt. Gleichzeitig fehlt es dort oft noch
an Wissen und Routinen für die Zubereitung von Hülsenfrüchten. Zwar
treiben zahlreiche engagierte Akteur:innen die Offenheit für
pflanzliche Produkte voran, doch bleiben diese Initiativen oft
punktuell. Gefragt sind daher stärker koordinierte Anstrengungen, um
bestehende Aktivitäten zu bündeln, großflächig auszubauen und
Synergien zu nutzen.

Zwtl.: Die Pioniere vom Feld

Wie wichtig es ist, das Ganze im Blick zu haben, zeigt sich auf
dem Feld: Fabian Poinstingl (Hummushof Bindermayr) baut seit sechs
Jahren Kichererbsen in Oberösterreich an und vermarktet sie direkt
als Hummus. Sein Rat: dranbleiben, denn neue Kulturen brauchen Zeit.
Erdnussbauer Stefan Romstorfer (Neuland.bio) betont, dass von Anfang
an die gesamte Wertschöpfungskette mitgedacht werden muss, und
gezielte Förderung genau dabei helfen kann. Schweine- und Bio-
Tofubauer Christoph Knittelfelder (Schmankerl vom Knittelfelder)
macht Mut zu Neuem, fordert aber klare Pfade und Unterstützung für
die Umstellung.

Das Fazit der Veranstaltung: Österreich hat das Potenzial, die
Innovationskraft und engagierte Pionierbetriebe. Damit aus vielen
einzelnen Initiativen ein schlagkräftiges Ökosystem entsteht, braucht
es drei Dinge: eine umfassende politische Strategie, eine
institutionalisierte Koordinationsstelle, die Landwirtschaft,
Verarbeitung, Handel, Interessenvertretung, Verwaltung und
Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt, und ein eigenes Budget, um
Angebot, Nachfrage und Kooperation entlang der Wertschöpfungskette
gezielt zu fördern.

Zwtl.: Stimmen der Veranstalter

“ Der große Andrang zeigt, wie groß das Interesse ist, gemeinsam
an einem resilienten, nachhaltigen Lebensmittelsystem zu arbeiten.
Das dänische Modell hat uns dafür wertvolle Inspiration gegeben.
Jetzt gilt es, die Kräfte zu bündeln, am besten durch eine
koordinierende Plattform mit fachlicher Kompetenz, etwa bei der AGES
”, so Verena Wiederkehr, Vorständin des Vereins für Proteinvielfalt
in Österreich und Leiterin pflanzliche Geschäftsentwicklung bei
BILLA.

„ Europa kann seinen Sojabedarf für. Futter- und Lebensmittel nur
zu 8% selbst decken. Versorgungssicherheit ist in Zeiten
geopolitischer Instabilität und des Klimawandels zur Priorität
geworden. Regionale und nachhaltige pflanzliche Wertschöpfungsketten
sind ein zentraler Beitrag dazu “, so Aurélie Tournan,
Geschäftsführerin von Donau Soja.

„ Unsere Erfahrung mit der Zusammenarbeit von Landwirtschaft und
Zivilgesellschaft in Dänemark ist: Auch wenn wir unterschiedliche
Ausgangspunkte haben, lohnt es sich, zusammenzukommen und Probleme
gemeinsam anzugehen, denn die besten Lösungen entstehen durch breiten
Dialog “, so Gesandter Mathias Vaa, Botschaft und Ständige Vertretung
Dänemarks.

Zwtl.: Nächste Schritte

Der Verein für Proteinvielfalt in Österreich wird sich weiter für
die Vernetzung entlang der pflanzlichen Wertschöpfungskette einsetzen
und lädt alle Beteiligten herzlich ein, diesen Weg gemeinsam
weiterzugehen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie unter http://bild.ots.at