Wien (OTS) – Wasser ist Lebensgrundlage, Lebensmittel,
Produktionsfaktor und
unverzichtbarer Bestandteil funktionierender Ökosysteme. Doch der
Klimawandel verändert die zeitliche und regionale Verfügbarkeit und
Nutzungskonflikte, Schadstoffeinträge und der Wasserbedarf
internationaler Lieferketten erhöhen den Handlungsdruck. Diesen
Faktoren und möglichen Lösungen sowie der Frage nach der
Verantwortung widmete sich das Symposium „Wasser unter Druck: Über
Klima, Konsum und Kreisläufe“ des forum. ernährung heute (f.eh). „Das
f.eh beschäftigt sich schon lange mit der Komplexität der Ernährung
und dem Wandel des Ernährungssystems. Wasser ist eine zentrale
Grundlage, aber knapper werdende Ressource unseres Ernährungssystems.
Umso wichtiger war es uns, mit dem Symposium Brücken zwischen
Politik, Wissenschaft, Industrie, Landwirtschaft und Gesellschaft zu
bauen. Wir bringen renommierte Expertinnen und Experten
unterschiedlicher Fachrichtungen für einen intensiven Austausch mit
einem hochkarätigen Publikum zusammen“, betont Marlies Gruber,
Geschäftsführerin des f.eh. Die Herausforderungen lassen sich nämlich
nur gemeinsam bewältigen und Verantwortung für eine sichere
Wasserversorgung tragen alle gemeinsam. Politik und Verwaltung durch
klare Regeln, Vorsorge und Infrastruktur, Industrie und
Landwirtschaft durch effiziente Nutzung, transparente Daten und
geschlossene Kreisläufe sowie Konsumenten durch bewussten Konsum und
weniger weggeworfene Lebensmittel.
Das Jahr 2026 hat verdeutlicht, dass der Klimawandel den
Wasserhaushalt in Österreich verändert und auch in einem
wasserreichen Land wie Österreich Wasser nicht immer überall im
gleichen Ausmaß verfügbar ist. „Wir müssen daher noch besser über
Ressourcen Bescheid wissen und sie vorausschauend bewirtschaften“, so
Umweltminister Norbert Totschnig . Das Wasserentnahmeregister, die
Studie „Wasser im Klimawandel“, der Trinkwassersicherungsplan und die
geplante Nationale Wasserstrategie schaffen dafür wichtige
Grundlagen.
Gemeinsam ganzheitlich Lösungen diskutieren
Steigende Temperaturen haben in Österreich die Verdunstung
innerhalb von rund vier Jahrzehnten um etwa 17 Prozent erhöht,
erläuterte der Hydrologe Günter Blöschl (TU Wien) die Auswirkungen
des Klimawandels. „Das verändert das Verhältnis zwischen
Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasserneubildung und Abfluss. Dabei
sind die Menge, die Zeit und der Ort des Niederschlags
ausschlaggebend. Längere Trockenperioden erhöhen den Wasserbedarf von
Pflanzen. Aber Starkregen fließt häufig rasch ab, anstatt in den
Boden einzudringen.“ Seine Lösungsansätze sind eine verbesserte
hydrologische Datengrundlage, eine vorausschauende Raum- und
Wasserwirtschaftsplanung sowie Maßnahmen, die Wasser länger in Böden
halten. Hermine Mitter (Universität Graz) nannte weiters eine
geeignete Sortenwahl, veränderte Anbauverfahren und wassersparende
Bewässerungstechniken. Sonst drohen durch die veränderte
Wasserverfügbarkeit um bis zu 30 Prozent geringere Erträge bestimmter
Kulturen in den trockeneren Regionen Ostösterreichs.
Roman Neunteufel (BOKU University) ging auf den Wasserfußabdruck
und den virtuellen Wasserverbrauch ein, der zu einem wesentlichen
Teil außerhalb Österreichs anfällt. Wichtig sind daher transparente
Lieferketten seitens der Unternehmen. Verbraucher können durch
bewusste Kaufentscheidungen sowie die Vermeidung von
Lebensmittelabfällen einen Beitrag leisten, so Gudrun Obersteiner (
BOKU University) : Werden Lebensmittel entlang der
Wertschöpfungskette weggeworfen, gehen die Lebensmittel und mit ihnen
auch sämtliche eingesetzten Ressourcen wie Wasser verloren.
In der anschließenden Podiumsdiskussion betonten Emmerich Haimer
(FH Wiener Neustadt) , Manfred Weinhappel (LK NÖ) und Theresa
Fleischberger (Coca-Cola Hellenic) die gemeinsame Verantwortung für
regional begrenzte Wasserressourcen. Eine wesentliche Herausforderung
ist dabei, den Bedarf von Landwirtschaft, Industrie,
Energieversorgung und Trinkwasserwirtschaft zu balancieren. Zugleich
brauchen Flüsse, Böden und Ökosysteme ausreichend Wasser, um ihre
Funktionen zu erfüllen, so Sabrina Peer (WWF Österreich) .
Wasserqualität zu erhalten, ist oberstes Gebot
Wasser muss nicht nur in ausreichender Menge vorhanden, sondern
auch gesundheitlich unbedenklich sein, erläuterte Andreas Farnleitner
(TU Wien und KL Krems) . Österreich profitiert von hochwertigen
Grundwasserressourcen und etablierten Versorgungsstrukturen. Dennoch
können Schadstoffeinträge, Krankheitserreger und Veränderungen der
Umweltbedingungen neue Risiken schaffen. Eine verlässliche
Trinkwasserqualität verlangt neben Kontrollen am Ende der
Versorgungskette auch einen vorsorgenden Schutz der Einzugsgebiete,
eine systematische Gefährdungsanalyse, geeignete
Aufbereitungsverfahren und ein kontinuierliches Monitoring.
Petra Rust (Universität Wien) verdeutlichte, dass der
Flüssigkeitsbedarf von individuellen und äußeren Faktoren abhängt und
eine ausreichende Wasserversorgung v.a. bei Hitze, körperlicher
Aktivität sowie für die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
wesentlich ist. Manuel Schätzer (SIPCAN) zeigte, dass
gesundheitsförderliches Trinkverhalten durch Ernährungsbildung und
attraktive Wasserangebote unterstützt wird. Sie leiteten damit zur
Podiumsdiskussion zur Trinkwasserqualität und den ökologischen
Auswirkungen unterschiedlicher Getränkeangebote mit Roland Fehringer
(c7-consult e.U.) , Daniela Kornberger (Vöslauer Mineralwasser) und
Susanne Haase (Abg. z. Wr. Landtag und Gemeinderat) über.
Leitungswasser hat ökologische Vorteile, wenn es wie bei der Wiener
Hochquellwasserversorgung über eine gut ausgebaute, energieeffiziente
Infrastruktur bereitgestellt wird. Bei abgefülltem Mineralwasser
entscheiden mehrere Faktoren wie Verpackungsmaterial, Mehrweg- oder
Einwegsystem, Transport und Recyclingquoten.
Wer trägt Verantwortung?
Die abschließende Podiumsdiskussion stellte sich der Frage, wer
bei zunehmender Knappheit Verantwortung übernimmt. Ein einheitlicher
globaler Maßnahmenkatalog reicht dabei nicht aus, da
Wasserverfügbarkeit, Nutzungskonkurrenz und regulatorische
Bedingungen regional unterschiedlich sind, stellte Charlotte Eberl (
AGRANA) klar. Wichtig sind belastbare Primärdaten, transparente
Wasserbilanzen und Standort-spezifische Risikomanagementpläne, so
Jakob Schrittwieser (BMLUK) . Anna Selitsch (ÖVGW) betonte, dass
darüber hinaus die Infrastruktur laufend instandgehalten und neue
Infrastrukturprojekte vorbereitet werden müssen. Verena Winiwarter (
Österreichische Akademie der Wissenschaften) warnte davor, Österreich
als „Insel der Seligen“ zu betrachten, denn Wasserknappheit und
Nutzungskonflikte in anderen Weltregionen wirken sich über globale
Lieferketten auch auf Österreich aus. Daher müssen die
Trinkwasserversorgung und Ökosysteme geschützt sowie Nutzen und
Verteilung geregelt werden, zudem muss in Infrastruktur und Forschung
investiert werden.
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