Wien (OTS) – Beim Thema Fleisch gehen die Emotionen hoch: Für die
einen ist es als
Nahrungsmittel und Kulturgut unverzichtbar. Für die anderen machen
Haltungs- und Schlachtbedingungen, Tiertransporte und Klimawandel das
Essen von Tieren unvertretbar. Fleisch bewegt die Gesellschaft aber
nicht erst seit heute. Es war nie nur ein Lebensmittel, sondern immer
auch Ausdruck von Identität und Status.
„Indem wir die Vergangenheit des Fleischkonsums in Wien
verstehen, können wir auch Antworten auf die Zukunft finden: Wie wir
essen wollen, wie wir mit Tieren umgehen – und welche Verantwortung
wir für Umwelt und Gesundheit tragen. Eine wichtige Ausstellung für
die Stadt und für unsere Gesellschaft“, bestärkt Kulturstadträtin
Veronica Kaup-Hasler
Besser als in Wien lässt sich diese Geschichte kaum erzählen.
Schon im Mittelalter wird am zentralen Umschlagplatz der Rinder-
Handelsrouten mehr Fleisch gegessen als anderswo, später prägen die
großen Schlachthallen von St. Marx und eine schier unendliche Zahl
von Fleischhauereien die Stadt. Doch gleichzeitig ist Wien ein Ort
großer sozialer Unterschiede beim Fleischkonsum und schon im 19.
Jahrhundert eine frühe Hochburg des Tierschutzes und vegetarischer
Bewegungen.
„Zum Thema Fleisch haben fast alle eine Meinung. Doch
wahrscheinlich ist vielen nicht bewusst, wie sehr die Entwicklungen
der Vergangenheit heutige Diskussionen prägen. Die Ausstellung lädt
dazu ein, die Wiener Fleischgeschichte zu erkunden und damit
vielleicht auch neue Perspektiven auf die Gegenwart zu gewinnen“, so
Kuratorin Sarah Pichlkastner
Die Ausstellung verfolgt die Geschichte des Wiener Fleisches vom
Stall bis zum Teller und darüber hinaus, berichtet über verschwundene
Berufe und Gerichte und beleuchtet Werbung und Geschlechterrollen.
Sie verknüpft dabei die Vergangenheit mit den Herausforderungen der
Gegenwart und stellt die Frage: Wie wird es mit dem Fleischessen
weitergehen?
„Fleisch war immer mehr als nur ein Nahrungsmittel. Es ist bis
heute ein Gradmesser von Identität, Status und gesellschaftlichem
Wandel. Die Ausstellung erzählt die Kulturgeschichte Wiens aus einer
für viele sicher ungewohnten Perspektive und verknüpft dabei Objekte
aus ganz unterschiedlichen Kontexten miteinander“, ergänzt Kurator
Jakob Lehne.
Zur heutigen Eröffnung singt der Männergesangsverein der Wiener
Fleischer. Auf der Speisekarte des Museumsrestaurants trude finden
sich zusätzliche fleischlose Angebote, darunter gebackene Wiener
Austernpilze und ein veganes Blunzngröstl. Ab Donnerstag, 02.
Oktober, ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Wien Museums
zu sehen.
Zwtl.: Fleisch
02. Oktober 2025 bis 22. Februar 2026
Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien
Kurator:innen Jakob Lehne, Sarah Pichlkastner
Ausstellungsarchitektur Robert Rüf
Ausstellungsgrafik Nofrontiere Design
Ausstellungsproduktion Karina Karadensky
Hauptsponsor Wiener Stadtwerke
Zwtl.: Publikation
Jakob Lehne, Sarah Pichlkastner: 40 dag Fleisch
Ausgehend von Objekten und ihren Geschichten verknüpft „40 dag
Fleisch“ die Debatten der Gegenwart mit den Entwicklungen der
Vergangenheit.
144 Seiten, mit zahlr. Abb., 170 × 240 mm, Broschur, Ꞓ 28,–
Residenz Verlag, ISBN 9783701736447
Zwtl.: Begleitprogramm
Stadterkundungen führen zu früheren Fleischproduktionsstätten. Im
Atelier am Donnerstag sind Experten wie Roman Thum, Hersteller des
traditionellen Wiener Beinschinkens, Thomas Wittmann, der Küchenchef
von trude & töchter, Prof. Wolfgang Adler, ehemaliger Inhaber der
Fleischwaren-Industrie Josef Adler oder Petra Lehner,
Lebensmittelexpertin der Arbeiterkammer, zu Gast. Es gibt
Tastführungen, Führungen in Einfacher Sprache u.v.m. Das gesamte
Begleitprogramm finden Sie hier .
Zwtl.: Kooperation
Film Food for Profit mit anschließendem Gespräch im Stadtkino mit
Jakob Lehne und Sarah Pichlkastner, Kurator:innen der Ausstellung
Fleisch , am 03.11., 20:00
Pressefotos und -Information finden Sie hier