Wien (OTS) – Der 17-jährige David F. ist am Wiener AKH wegen
Epilepsie und einer
Autismus-Spektrum-Störung in Behandlung. In Wien hat er auch bei
seinem Onkel seinen Hauptwohnsitz gemeldet. Und in Wien wollte er
eine Ausbildung bei der Berufsqualifizierung „On the Job“ von Wien
Work machen. In Niederösterreich, wo seine Eltern leben, gibt es
dafür laut Davids Eltern keine passende und mit öffentlichen
Verkehrsmitteln erreichbare Möglichkeit. „Weil aber für Menschen mit
Behinderungen die Bundesländer zuständig sind, und weil die
Regelungen aus Wien und Niederösterreich nicht zusammenpassen, fühlte
sich niemand für die Finanzierung von Davids Ausbildung zuständig –
und er sitzt schon seit einem Jahr zuhause und wartet“, kritisiert
Volksanwalt Bernhard Achitz. Das hat bei David bereits zu einer
Depression geführt, sagen seine Eltern.
Wien und Niederösterreich hätten schneller Lösung finden müssen
Erst jetzt, nachdem sich die Volksanwaltschaft eingeschaltet hat
und auch die ORF-Sendung „Bürgeranwalt“ zu recherchieren begonnen
hat, zeichnet sich eine Lösung ab: Niederösterreich übernimmt die
Kosten bis zur Volljährigkeit Davids, ab dann trägt sie der Fonds
Soziales Wien (FSW). Volksanwalt Achitz: „Es freut mich, dass Wien
und Niederösterreich Davids Weg in die Berufstätigkeit nicht länger
versperren. Er hat vielfältige Begabungen, etwa technisches
Verständnis und ein absolutes Gehör. Ich kritisiere aber, dass diese
Lösung nicht gleich von Anfang an möglich war. So hat David ein Jahr
seines Lebens mit Warten verbracht.“
Länder sollen sich abstimmen, damit Betroffene nicht zwischen den
Stühlen sitzen
Hintergrund ist, dass Niederösterreich einen Hautwohnsitz in
Niederösterreich als Förderbedingung vorsieht – den hat David aber
nicht. Nach dem Wiener Gesetz ist aber nicht Davids Hauptwohnsitz
ausschlaggebend, sondern derjenige der Eltern – weil die in
Niederösterreich leben, gibt es keine Wiener Förderung. „Wie auch
beim Thema Pflegeheimfinanzierung zeigt sich an diesem Beispiel, dass
die Länder ihre eigenen Gesetze machen, und die passen nicht
zusammen. Hier ist dringend mehr Abstimmung notwendig, damit die
Betroffenen nicht zwischen den Stühlen zu sitzen kommen“, sagt
Volksanwalt Achitz.
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