Wien (OTS) – Vom kalten, ozeanisch geprägten Klima Feuerlands, der
Tierra del
Fuego, bis zu den feuchtwarmen subtropischen Regionen an den Grenzen
zu Paraguay und Brasilien – Argentinien ist ein weites Land. Seine
Nord-Süd-Ausdehnung von fast 3.700 Kilometern entspricht der Strecke
vom norwegischen Oslo bis nach Marokko und ermöglicht eine Vielzahl
unterschiedlichster Landschaften und Lebensräume. Am Dienstag, dem
15. Juli, präsentiert die „Universum“-Dokumentation „Wildes
Argentinien“ von Christian Baumeister und Moritz Mayerle (ORF-
Bearbeitung: Wolfgang Stickler) um 20.15 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
beeindruckende Hotspots der Artenvielfalt im Norden des Landes. Die
einzigartigen Naturparadiese haben eines gemeinsam: Hier gibt es
Wasser im Überfluss.
Die Iguazú-Fälle zählen zu den sieben Weltwundern der Natur: Im
Schnitt donnern hier unvorstellbare zwei Millionen Liter Wasser pro
Sekunde 60 Meter in die Tiefe – der Jahresverbrauch von zehn
Familienhaushalten in Österreich. Die Felswände hinter den mächtigen
Kaskaden sind Heimat des Rußseglers: ein immerfeuchter Lebensraum,
der nur über ein kräftiges Duschbad zu erreichen ist und deshalb dem
kleinen Vogel von keiner anderen Tierart streitig gemacht wird. Der
angrenzende Regenwald hingegen ist ein Schlaraffenland für zahlreiche
Spezies. Junge Nasenbären nutzen ihn als Klettergarten und naschen
mit Vorliebe an Palmfrüchten, paarungswillige Schwanzbindenpipras
betören ihre Weibchen mit ihrem prächtigem Federkleid in Rot und Gold
und einem anmutigen „Vogerltanz“.
Iberá bietet Sümpfe, Moore und Lagunen soweit das Auge reicht. Das
zweitgrößte Feuchtgebiet Südamerikas ist größer als Oberösterreich.
Ein mehr als üppiges Biotop für Amphibien und Reptilien mit
faszinierenden Verhaltensweisen. Der Warzige Makifrosch legt seine
Eier nicht im Wasser ab, sondern umwickelt sie zum Schutz vor
Austrocknung mit Blättern. Tupfenlaubfrösche kommunizieren
miteinander über ihre fluoreszierende Haut, Kaimane tümpeln den
ganzen Tag im sumpfigen Gewässer vor sich hin – wenn sie nicht gerade
nach Piranhas schnappen. Auch überdimensionierte Meerschweinchen
tummeln sich im flachen Wasser – Capybaras. Mit einer Länge von über
einem Meter und dem Gewicht eines Menschen sind sie die größten
Nagetiere der Erde. Im ersten Stock der Wasserwelt leben
stimmgewaltige Brüllaffen. Sie lieben Trompetenbäume und sind dem
Geschmack von deren rosa Blüten völlig erlegen.
Durch regelmäßige Überschwemmungen des Río Pilcomayo entstand in der
Provinz Formosa eine 4.000 Quadratkilometer große Sumpflandschaft –
Bañado la Estrella. Das bedeutende Vogelschutzgebiet besticht mit
einer einzigartigen Szenerie: Wie Gespenster ragen die Skelette
abgestorbener und von Schlingpflanzen überwucherter Johannisbrotbäume
aus dem Wasser. Auf ihren Ästen schlängeln sich Anakondas in der
warmen Sonne, bevor sie lautlos auf die Jagd gleiten. Vorsicht ist
dabei für das Rotstirn-Blatthühnchen geboten. Dank seiner übergroßen
Füße mit weit gespreizten Zehen läuft es mühelos über den Blatt-
Teppich auf dem Wasser, bleibt dadurch aber immer in Reichweite der
Schlange. Unter den zahlreichen Vogelarten finden sich auch Jabirus,
amerikanische Storchenvögel mit zweieinhalb Metern Flügelspannweite.
Sie nisten ungefährdet in luftiger Höhe ganz oben auf Palmen.
Das Schicksal der Wasserparadiese im Norden Argentiniens ist
ungewiss. Durch den Klimawandel nahmen Dürreperioden in den
vergangenen Jahrzehnten zu und verwandeln die Vegetation in trockenes
Stroh. Im Jahr 2022 zerstörten verheerende Brände mehr als die Hälfte
des Nationalparks Iberá. Unzählige Tiere verendeten in den Flammen.
Das Lebenselixier Wasser kann viele der Schäden beheben – aber nicht
alle. Die überragende Rolle, die die „Kraft des Wassers“ für den
Reichtum der Arten spielt, hat die „Universum“-Dokumentation auf
eindrucksvolle Weise festgehalten.