Wien (OTS) – Fünf atemberaubend schöne Täler in den Südtiroler
Dolomiten bilden
gemeinsam die Region Ladinien. Die von Gegensätzen geprägte Natur hat
auf die Menschen abgefärbt: Die Ladinerinnen und Ladiner sprechen
eine eigene Sprache, leben besondere Traditionen und sind
überdurchschnittlich oft künstlerisch produktiv. Am Sonntag, dem 28.
September 2025, um 23.05 in ORF 2 und auf ORF ON fängt Regisseur
Wolfgang Moser in der „dokFilm“-Premiere „Sagenhaftes Ladinien –
Kleine Heimat, große Welt“ die bezaubernde Natur und die spannende
Kultur der Einwohner:innen des italienischen Landstrichs ein.
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Die Region war jahrhundertelang von außen nur schwer erreichbar
und hat sich daher autonom entwickelt. Die melodische, ladinische
Sprache und die uralten Sagen und Mythen, die bis heute innerfamiliär
weitergegeben werden, machen das Gebiet im Norden der Dolomiten
einzigartig.
Zu den berühmtesten Bewohnern Ladiniens zählt die Musikerfamilie
Schuen: Die Töchter Elisabeth und Marlene sind als Pop-Band „Ganes“
mit Liedern in ladinischer Sprache im gesamten deutschen Sprachraum
erfolgreich. Sohn Andrè Schuen ist weltberühmter Opernsänger
geworden. Bei den seltenen Familientreffen am elterlichen Bauernhof
wird gemeinsam musiziert, gekocht und die „ladinische
Erzähltradition“ gepflegt, die womöglich bald von der UNESCO zum
immateriellen Weltkulturerbe erklärt wird.
In einem anderen Teil Ladiniens, dem Grödnertal, hat das Handwerk
eine besondere Bedeutung: Hier begannen Bauern bereits im 16.
Jahrhundert mit dem Schnitzen von kleinen Holzfiguren, die bald als
Spielzeug, aber auch als sakrale Skulpturen zu richtigen
Exportschlagern wurden. Wandernde Holzschnitzer gelangten bis an die
Küsten Portugals sowie der Ostsee und sogar an die Höfe der
französischen und spanischen Könige.
Sara und Fabio Desilvestri widmen sich einer anderen uralten
Tradition: Seitdem sie von einer alten Bäuerin einen historischen
Gerstensamen erhalten haben, versuchen sich die beiden in der
Wiederbelebung dieser fast vergessenen Getreidesorte. In ihrem
kleinen Labor entstehen Naturprodukte verschiedenster Art, die sie
mit ihrem Unternehmen „N’Outa“ – was so viel bedeutet wie „wie
damals“ – vertreiben.
Bergbauern waren auch die Vorfahren Robert Palfraders, der in
seinem Buch „Ein paar Leben später“ von seiner Kindheit in Ladinien
erzählt: „Sie machen sich keine Vorstellung davon, wie oft ich die
Unwahrheit erzählen werde müssen, um die Geschichte der Familie
meines Vaters glaubhaft erscheinen lassen zu können. Denn die ganze
Wahrheit kann ich niemandem zumuten, dafür ist sie zu absurd.“
Heute ist die größte Herausforderung der landschaftlich
malerischen wie rauen Region der Braindrain, die Abwanderung von
Fachkräften und Intellektuellen aus den ladinischen Tälern. Der
Tourismus, der vielen von Armut bedrohten Familien einst zu Wohlstand
verholfen hat, nimmt überhand und droht althergebrachte Traditionen
zu verdrängen. Die Protagonistinnen und Protagonisten in Wolfgang
Mosers Film kämpfen mit unterschiedlichen Initiativen dagegen an, um
die einzigartige Magie Ladiniens zu erhalten.