PVÖ: Arbeitsmarkt nicht bereit für höheres Pensionsalter – Bonus-Malus-System jetzt

Wien (OTS) – Die aktuellen Arbeitsmarktdaten zeigen nach Ansicht des
Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), dass eine weitere Anhebung
des gesetzlichen Pensionsantrittsalters an der Realität vorbeigeht.
Ende August waren 311.448 Menschen arbeitslos gemeldet – um 3,3
Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark stieg die
Arbeitslosigkeit bei Frauen mit 6,3 Prozent; bei Männern betrug der
Anstieg lediglich 0,7 Prozent. „Diese Zahlen sind ein unübersehbares
Warnsignal. Der Arbeitsmarkt ist nicht bereit für ein höheres
gesetzliches Pensionsalter. Wer Menschen länger arbeiten lassen will,
muss zuerst sicherstellen, dass sie bis zur Pension tatsächlich
beschäftigt werden“, erklärt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. ****

Ältere Frauen besonders betroffen

Wie problematisch die Situation ist, zeigt das
Älterenbeschäftigungsmonitoring des Sozialministeriums: Im ersten
Quartal 2026 waren rund 73.000 Menschen ab 55 Jahren arbeitslos. Die
Arbeitslosenquote steigt mit dem Alter deutlich – von 7,5 Prozent bei
den 50- bis 54-Jährigen auf 11,2 Prozent bei den 60- bis 64-Jährigen.
Bei Frauen zwischen 60 und 64 Jahren hat sich die Arbeitslosenquote
innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt: von 3,1 Prozent im
ersten Quartal 2023 auf 7,4 Prozent im ersten Quartal 2026. Im März
2026 waren bereits 4.670 Frauen im Alter von 60 Jahren und rund 1.900
Frauen im Alter von 61 Jahren arbeitslos. „Die Anhebung des
Frauenpensionsalters darf nicht dazu führen, dass Frauen statt länger
beschäftigt einfach länger arbeitslos sind. Hier muss entsprechend
gegengesteuert werden. Diese Zahlen zeigen auch: Eine weitere
Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters würde die Kosten nur vom
Pensionssystem in die Arbeitslosenversicherung verschieben“, warnt
Gerstorfer.

Betriebe mit Bonus-Malus-System in die Pflicht nehmen

Der PVÖ fordert daher ein österreichweites Bonus-Malus-System:
Unternehmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einstellen
und bis zum gesetzlichen Pensionsalter beschäftigen, sollen
finanziell belohnt werden. Betriebe, deren Anteil älterer
Beschäftigter deutlich unter einer branchenspezifischen Zielquote
liegt, sollen einen finanziellen Beitrag leisten. Ausnahmen soll es
für körperlich besonders belastende Berufe, Kleinbetriebe und Start-
ups geben. „Nicht das Pensionsalter muss erhöht werden, sondern die
Beschäftigung älterer Menschen. Unser Bonus-Malus-System setzt dort
an, wo darüber entschieden wird: in den Betrieben“, so Gerstorfer
abschließend. (Schluss)