Wien (OTS) – Die Anzahl der von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen
Betroffenen
ist so hoch wie nie. Um sie zu senken und auch, um den nicht
invasiven Formen Einhalt zu gebieten, steht die Pneumokokken-Impfung
seit knapp einem Jahr allen Personen über 60 Jahre sowie Menschen mit
bestimmten Risikofaktoren kostenfrei zur Verfügung. Vielen ist diese
Möglichkeit jedoch nicht bekannt, wie eine Erhebung von Integral im
Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH)
zu verschiedenen Impfungen zeigt. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zu
ergreifen, damit sich die Akzeptanz und das Wissen über die
Pneumokokken-Impfung für Erwachsene denen der Kinderimpfung
angleichen. Ein Impfpasscheck bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung
bei Hausärzt:innen oder Erinnerungen über den e-Impfpass könnten
dabei helfen.
Zwtl.: Alles andere als eine harmlose Erkältung
Pneumokokken-Erkrankungen können das ganze Jahr über auftreten.
In der kühlen Jahreszeit werden sie jedoch öfter beobachtet. Bei
Erwachsenen verursachen die Bakterien am häufigsten eine
Lungenentzündung (Pneumokokken-Pneumonie). In manchen Fällen können
sie jedoch auch andere Körperregionen befallen und schwere
Erkrankungen auslösen. Dazu zählen unter anderem Entzündungen der
Gelenke (Arthritis), der Herzinnenhaut beziehungsweise der
Herzklappen (Endokarditis) sowie des Bauchfells (Peritonitis). 1
Zwtl.: Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen steigt
Besonders schwer verlaufen sogenannte invasive Pneumokokken-
Erkrankungen. Dabei überwinden die Bakterien die natürlichen
Schutzbarrieren des Körpers und gelangen in normalerweise keimfreie
Bereiche wie das Blut oder die Hirnhaut. Die Folge können
lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Blutvergiftung (Sepsis), eine
Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine schwere Lungenentzündung
sein, bei der die Bakterien zusätzlich im Blut nachweisbar sind (
Bakteriämie). In Österreich sind invasive Pneumokokken-Erkrankungen
seit 2006 meldepflichtig. 1 Ihre Anzahl steigt seit Jahren an:
Zuletzt lag sie bei 944 Erkrankungen und 64 Todesfällen. 2
„ Da Pneumokokken Bakterien sind, sind sie grundsätzlich mit
Antibiotika behandelbar. Doch nicht immer erfolgt die Therapie
rechtzeitig beziehungsweise wirkt das Antibiotikum so, wie wir uns
das wünschen “, erläutert Dr. in Stephanie Poggenburg, erste
Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und
Familienmedizin (ÖGAM) und Hausärztin in der Primärversorgungseinheit
HärZ für Hart in Hart bei Graz. „ Es ist sinnvoller, eine Erkrankung
zu verhindern, als sie nach ihrem Ausbruch zu behandeln. “
Zwtl.: Wissen über Impfmöglichkeiten zu wenig bekannt
Damit Antibiotika gar nicht erst notwendig sind, kann man sich
schon viele Jahre lang gegen die häufigsten Serotypen der
Pneumokokken impfen lassen. Seit Ende 2025 steht eine solche Impfung
auch Personen über 60 sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen
kostenfrei zur Verfügung.
Laut einer zu Beginn des Jahres durchgeführten Marktforschung
wissen allerdings nur etwa 44 Prozent der Personen zwischen 60 und 69
sowie die Hälfte aller Menschen über 70 über die kostenfreie
Pneumokokken-Impfung Bescheid. 3 „ Wer unter 60 Jahre alt ist, aber
zum Beispiel an chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen
Lungenerkrankungen (COPD oder schwerem Asthma) oder an Diabetes
mellitus leidet, eine Niereninsuffizienz hat oder durch die
medikamentöse Therapie einer anderen Erkrankung immunsupprimiert ist,
kann sich die Pneumokokken-Impfung ebenfalls gratis verabreichen
lassen “, betont Hausärztin Poggenburg. „ Hausärzt:innen sind die
wichtigsten Ansprechpartner:innen auch für alle Impffragen. Ihr
Vorteil ist, dass sie ihre Patient:innen über eine lange Zeit hinweg
kontinuierlich begleiten und einen Gesamtüberblick über alle
Erkrankungen haben. “
Was viele außerdem nicht wissen: Gegen Pneumokokken kann man sich
das ganze Jahr über impfen lassen, eine Wiederholung beziehungsweise
Auffrischung der Immunisierung ist in den meisten Fällen nicht
notwendig. 4
Erhältlich ist die Pneumokokken-Impfung am einfachsten In
hausärztlichen Praxen und auch bei öffentlichen Impfstellen.
Zwtl.: Kommunikation verbessern
Aus der Marktforschung geht ebenfalls hervor, dass sich die
Österreicher:innen mehr Kommunikation rund um die Impfmöglichkeiten
wünschen. 3 Hausärztin Poggenburg kann das gut nachvollziehen. „
Glücklicherweise kann man sich heute gegen viel mehr Krankheiten
impfen lassen als früher. Daher ist es wichtig, sich immer auf dem
aktuellsten Stand zu halten und die Impfempfehlungen des aktuellen
Nationalen Impfplans zu kennen. Es sollte in unseren hausärztlichen
Ordinationen jeder Patientenkontakt genutzt werden, um über die
notwendigen Impfungen zu informieren. Es ist evident, dass
Hausärzt:innen die wichtigsten Motivatoren für die Impfbereitschaft
der Patient:innen sind. Es sollte das Bewusstsein dafür bestehen,
dass Impfen eine der wichtigsten und vor allem eine der wirksamsten
primärpräventiven Maßnahmen ist. “
Eine Möglichkeit aus ihrer Sicht wäre, den Impfpasscheck in die
jährliche Vorsorgeuntersuchung, die idealerweise bei den
Hausärzt:innen stattfinden sollte, einfließen zu lassen. „ Das würde
sich perfekt anbieten, da wir in diesem Fall mit den Patient:innen
sowieso schon über Prävention sprechen “, meint Poggenburg. Zudem
kann über das Thema auch beim nächsten Kontakt noch einmal gesprochen
werden, da Hausärzt:innen die kontinuierliche Patient:innenversorgung
obliegt. Aber auch diejenigen, die nicht jedes Jahr zur
Vorsorgeuntersuchung gingen, könnten z. B. über den e-Impfpass auf
empfohlene Impfungen aufmerksam gemacht werden. Generell wünscht sie
sich mehr zielgerichtete Kommunikation rund um die Präventionswirkung
von Impfungen. „ Da liegt noch viel Potenzial. Bis wir zu ähnlichen
Pneumokokken-Durchimpfungsraten wie bei Kindern kommen, ist es noch
ein weiter, aber sehr lohnenswerter Weg. “
Weitere Informationen zu Pneumokokken finden Sie auf der Website
des ÖVIH unter www.oevih.at und im neu aufgelegten, beigestellten
Factsheet.
Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen,
Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im
österreichischen Gesundheitswesen.
1. https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-
z/pneumokokken, zuletzt abgerufen am 20. Juli 2026.
2. Nationale Referenzzentrale für Pneumokokken, Jahresbericht 2025,
11.02.2026.
3. Integral, Marktforschung „Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken,
RSV“, März 2026.
4. BMASGPK, Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10.
Oktober 2025.