Wien (OTS) – Gemeinsam mit einem breiten Bündnis
zivilgesellschaftlicher
Organisationen fordert Südwind die EU-Kommission dazu auf, Leder
nicht aus dem Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)
auszuschließen. „Die Integrität des globalen Waldschutzes darf nicht
durch politische Ausnahmen untergraben werden – schon gar nicht als
Reaktion auf Industrie-Lobbying“, so Gudrun Glocker, Südwind-
Sprecherin für Lieferketten und verweist auf klare Widersprüche, die
eine von der Lederindustrie geforderte Ausnahme zur Folge hätte.
„Rinderprodukte zählen zu den wichtigsten Treibern für Entwaldung.
Daher wäre es absurd, wenn das Fleisch einer auf abgeholztem Land
aufgezogenen Kuh verboten ist, ihre Haut aber problemlos in der EU
verkauft werden darf”, erklärt Südwind-Expertin Glocker und hält
fest: „Eine Ausnahme für Leder entbehrt jeder Grundlage. Die EUDR
muss faktenbasiert und konsequent bleiben!“
Zwtl.: Forderungen an die EU-Kommission
Südwind und die unterzeichnenden Organisationen fordern die
Kommission auf:
– Leder im Anwendungsbereich der EUDR zu belassen – als Teil einer
kohärenten, wissenschaftlich fundierten Politik.
– Industrie-Lobbying zu widerstehen und die Verordnung als Instrument
für Klimagerechtigkeit und Menschenrechte zu stärken.
– Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Lederlieferkette
durchzusetzen, um Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen zu
bekämpfen.
Zwtl.: Klare ökologische Grundlage
Die Aufnahme von Rinderprodukten in die EUDR basiert auf klaren
ökologischen Fakten: Allein die Ausweitung von Weideland für Rinder
war zwischen 2010 und 2022 für 2 Prozent der globalen Entwaldung
verantwortlich. Zwischen 2010 und 2022 ging eine Waldfläche in der
Größe Spaniens verloren. Die Rohstoffgewinnung für Rinderprodukte
macht die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen aus Landnutzung aus.
Besonders problematisch ist die Situation in Brasilien. Dort ist
die Lederindustrie nicht nur ein wirtschaftlicher Schlüsselsektor,
sondern auch eng mit Menschenrechtsverletzungen , illegaler Abholzung
und Gewalt gegen indigene Gemeinschaften verknüpft. Gleichzeitig ist
die Europäische Union ein zentraler Absatzmarkt für Leder: 2020 wurde
Leder aus Brasilien im Wert von 2,5 Milliarden Euro in die EU
importiert.
Zwtl.: Nachhaltige EU-Vorgaben sind Anreiz für Veränderung
„Der Zugang zum EU-Markt ist ein entscheidender Anreiz für
Brasilien, nachhaltigere Praktiken umzusetzen“, so Gudrun Glocker.
Tatsächlich haben brasilianische Entscheidungsträger:innen die EUDR
bereits als Katalysator für neue Rückverfolgbarkeitssysteme
bezeichnet. Diese Systeme, die bereits in einigen Bundesstaaten und
bei großen Produzenten wie JBS und Durlicouros existieren, beweisen:
Die Rückverfolgung von Leder ist technisch machbar.
„Die Entwaldungsverordung ist ein Meilenstein im Kampf gegen die
weltweite Entwaldung. Jetzt gilt es, sie vor faulen Kompromissen und
Zugeständnissen an Lobbyisten zu schützen“, so Gudrun Glocker.
Weiterführendes Material:
– Link: Recherche von Human Rights Watch zu illegaler Landnahme für
Rinderzucht in Brasilien
– Download: Forderungspapier des International Council of Tanners,
der Interessensvertretung der Lederproduzierenden Industrie
– Download: Südwind-Bericht über die Folgen der Abschwächungen der EU
Entwaldungsverordnung
– Link: Südwind-Petition “Hände weg vom Waldschutz!”