St. Pölten (OTS) – Die verheerenden Hochwasserereignisse im September
2024 haben
Niederösterreich erneut vor Augen geführt, wie verwundbar Regionen
entlang von Flüssen trotz moderner Schutzmaßnahmen sind. Vor diesem
Hintergrund startet nun ein Forschungsprojekt, das den Blick weit
über die jüngste Katastrophe hinaus richtet: die systematische
Dokumentation historischer Hochwässer in Niederösterreich vor Beginn
instrumenteller Messungen. „Die Hochwasserkatastrophe im September
2024 hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass Extremereignisse
keine abstrakte Gefahr sind, sondern reale Bedrohungen für unsere
Gemeinden. Umso wichtiger ist es, aus der Vergangenheit und für die
Zukunft zu lernen. Die Dokumentation historischer Hochwässer liefert
uns dabei wertvolle Erkenntnisse, die helfen, Niederösterreich noch
besser auf zukünftige Hochwasser vorzubereiten. Besonders begrüße
ich, dass die Bevölkerung aktiv in dieses Projekt eingebunden wird –
denn die Verbindung aus wissenschaftlicher Expertise und der
Erfahrung der Menschen vor Ort liefert bessere Ergebnisse und damit
besseren Schutz“, so Wissenschaftslandesrat LH-Stellvertreter Stephan
Pernkopf.
Unter der Leitung von Gertrud Haidvogl vom Institut für
Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur
Wien untersucht das Projekt historische Hochwasserereignisse über
mehrere Jahrhunderte hinweg. Ziel ist es, langfristige Entwicklungen,
Häufigkeiten und Intensitäten extremer Hochwässer besser zu verstehen
– eine zentrale Grundlage für zukunftsorientierten Hochwasserschutz
in Zeiten des Klimawandels. Da systematische Pegelaufzeichnungen erst
seit dem späten 19. Jahrhundert existieren, greift das Projekt auf
historische Quellen zurück: Hochwassermarken an Gebäuden und Brücken,
Chroniken, Pfarr- und Gemeindeaufzeichnungen sowie private Dokumente.
Diese oft übersehenen Zeugnisse liefern wertvolle Hinweise darauf,
wie häufig und wie stark Flüsse in früheren Jahrhunderten über die
Ufer traten. Ein besonderer Fokus liegt auf jenen Flüssen und
Gemeinden, die vom Hochwasser im September 2024 betroffen waren. Die
jüngsten Ereignisse sollen so in einen historischen Kontext
eingeordnet werden – eine wichtige Frage für viele Betroffene lautet
schließlich: War das wirklich ein einmaliges Extrem oder Teil eines
längerfristigen Musters?
Ein zentrales Element des Projekts, für das das Land
Niederösterreich 54.500 Euro bereitstellt, ist die aktive Einbindung
von Bürgerinnen und Bürgern. Als sogenannte „Citizen Scientists“ sind
sie eingeladen, in ihren Gemeinden nach Hochwassermarken zu suchen,
diese zu dokumentieren und in eine öffentlich zugängliche Online-
Datenbank einzutragen. Lokales Wissen, Erinnerungen und historische
Hinweise werden so erstmals systematisch gesammelt und
wissenschaftlich ausgewertet. „Das Projekt bietet die großartige
Möglichkeit, historische Hochwasserereignisse in Niederösterreich
systematisch aufzuarbeiten. Durch die Kooperation mit der Bevölkerung
werden neue und für die Wissenschaft nicht so leicht auffindbare oder
zugängliche Quellen verfügbar. Über den Austausch mit Personen vor
Ort lassen sich zudem Informationen zu früheren Praktiken im Umgang
mit Überschwemmungen erheben“, so Projektleiterin Haidvogl.
Die Ergebnisse des Projekts sollen nicht nur zur
wissenschaftlichen Analyse von Hochwasserereignissen beitragen,
sondern auch das Bewusstsein für Hochwasserrisiken und
Schutzmaßnahmen stärken. Historische Hochwässer zeigen, dass extreme
Ereignisse Teil einer langen Geschichte sind – und dass Vorsorge,
Raumplanung und Anpassung langfristig gedacht werden müssen. „Durch
die Verbindung von wissenschaftlicher Expertise und lokalem Wissen
leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung
effektiver Hochwasserschutzstrategien, die auf langfristigen Daten
und historischen Erfahrungen basieren“, so LH-Stellvertreter
Pernkopf.
In der Vorbereitungsphase des Projekts richtet das Projektteam
der Universität für Bodenkultur nun Topothek und Datenbanken ein
sowie die Guidelines für die Citizen Scientists aus. Bei Interesse an
diesem Projekt kann man sich schon jetzt an wissenschaft-vermittlung@
noel.gv.at wenden!
Weitere Informationen: DI Jürgen Maier, Pressesprecher LH-Stv.
Dr. Stephan Pernkopf, Telefon +43 2742 9005 – 12704, Mobiltelefon +43
676 812 15283, E-Mail: [email protected] .