Wien (OTS) – Seit mehr als 50 Jahren gibt es in Österreich die
Vorsorgeuntersuchung. Dennoch nutzt bis heute nur ein geringer Anteil
der Bevölkerung dieses kostenlose Angebot. Dabei gilt Prävention
längst als einer der wirksamsten Hebel, um Krankheiten zu vermeiden,
früh zu erkennen, Lebensqualität zu erhalten und das
Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. Angesichts steigender
Ausgaben und eines wachsenden Versorgungsbedarfs gewinnt die Frage,
wie Vorsorge wirksamer gestaltet werden kann, zunehmend an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund diskutierten im Rahmen des 15. Geburtstages
der Dialogreihe „zukunft gesundheit“ und des Schwerpunktjahres 2026
zum Thema Vorsorge hochkarätige Vertreter:innen aus Bund, Ländern,
Sozialversicherung, Wissenschaft und Praxis, wie Prävention künftig
besser im System verankert werden kann.
Zwtl.: 15 Jahre „zukunft gesundheit – Heute Ideen für Morgen“
Wie Prävention künftig stärker im Gesundheitssystem verankert
werden kann und welche strukturellen Reformen, Anreizmodelle und
datenbasierten Lösungen dafür notwendig sind, stand im Mittelpunkt
der Jubiläumsveranstaltung „zukunft gesundheit – Heute Ideen für
Morgen“ am 1. Juni 2026 in der Factory im Künstlerhaus in Wien. Zum
15-jährigen Bestehen der Diskussionsreihe diskutierten
Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Sozialversicherung und
Medizin darüber, wie Prävention von einem vielfach beschworenen Ziel
zu einer tragenden Säule eines zukunftsfähigen und finanzierbaren
Gesundheitssystems werden kann. Nach den Begrüßungsworten von Nicole
Schlautmann, MBA, Geschäftsführerin von MSD Österreich, und Univ.-
Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Präsident der Karl Landsteiner
Gesellschaft, eröffnete Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike
Königsberger-Ludwig die Veranstaltung mit einem klaren Appell,
Vorsorge stärker in den Alltag der Menschen zu bringen.
Zwtl.: Wirksame Vorsorge: Von der Erkenntnis zur Umsetzung
„Wir haben viele gute Vorsorgeangebote. Die Herausforderung
besteht darin, die Menschen tatsächlich zu erreichen und ihnen zu
vermitteln, warum Vorsorge wichtig ist“ , betonte Königsberger-
Ludwig. Das Wissen über den Nutzen von Vorsorge müsse noch stärker in
die Bevölkerung getragen werden. Als wichtiger Hebel gilt dabei,
Menschen genau dort zu erreichen, wo sie bereits mit dem
Gesundheitssystem in Kontakt stehen – etwa indem
Vorsorgeuntersuchungen, Rehabilitationsaufenthalte oder andere
Präventionsangebote verstärkt genutzt werden, um auf bestehende
kostenfreie Impfangebote für Kinder und Erwachsene aufmerksam zu
machen und diese direkt anzubieten.
Welche Möglichkeiten moderne Datenanalysen dabei eröffnen können,
zeigte DI Dr. Nikolas Popper, Senior Scientist an der Data Science
Research Unit der TU Wien. Daten, Simulationen und künstliche
Intelligenz könnten helfen, Auswirkungen von Maßnahmen besser
abzuschätzen und gesundheitspolitische Entscheidungen evidenzbasiert
zu treffen. „Wenn wir Daten richtig nutzen, können wir
unterschiedliche Szenarien durchspielen und die Auswirkungen von
Entscheidungen sichtbar machen. Die Modelle helfen uns, Evidenz zu
schaffen – die Interpretation muss aber immer beim Menschen bleiben“
, so Popper.
Dass aus Erkenntnissen auch konkrete Maßnahmen entstehen können,
verdeutlichte Mag. Dr. Michael Müller, Direktor des Geschäftsbereichs
Leistung & Prävention der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS),
am Beispiel des neuen SVS-Vorsorgepasses. Dieser bündelt bestehende
Vorsorgeangebote und setzt gezielt Anreize für gesundheitsbewusstes
Verhalten. „Nudging bedeutet nicht, Menschen zu bevormunden, sondern
sie dabei zu unterstützen, selbstbestimmt etwas für ihre Gesundheit
zu tun“ , erklärte Müller. Der Vorsorgepass sei ein Versuch,
Gesundheitskompetenz, Motivation und Vorsorge stärker miteinander zu
verbinden und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.
Zwtl.: Prävention als Investition in die Zukunft des Systems
In der Diskussion wurde deutlich, dass Prävention weit mehr ist
als eine individuelle Gesundheitsfrage. Angesichts steigender Kosten
und eines wachsenden Versorgungsbedarfs sei sie zunehmend auch eine
Frage der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems.
Peter McDonald, Vorsitzender des Verwaltungsrates der
Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), plädierte dafür, den Blick
stärker auf die Vermeidung von Erkrankungen zu richten. „Die größere
Herausforderung ist es, Krankheiten möglichst gar nicht erst
entstehen zu lassen oder frühzeitig zu erkennen“ , sagte McDonald.
Prävention könne – beginnend bei der täglichen Turnstunde bis hin zur
Überarbeitung der Vorsorgeuntersuchung, die sich auch die ÖGK
vorgenommen hat, und Steigerung der Teilnahmerate an dieser
Untersuchung – dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen gezielter
einzusetzen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems
langfristig zu sichern.
Einigkeit herrschte auch darüber, dass Vorsorge künftig
strukturierter erfolgen müsse. Unterschiedliche Auffassungen gab es
hingegen bei der Frage, wie Menschen tatsächlich zu
gesundheitsbewusstem Verhalten motiviert werden können. Dr. in
Susanne Rabady, Past President der Österreichischen Gesellschaft für
Allgemein- und Familienmedizin, sprach sich für zielgerichtete und
evidenzbasierte Prävention aus. „Gute Prävention bedeutet, die
richtigen Untersuchungen den richtigen Menschen zum richtigen
Zeitpunkt anzubieten. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für Prävention
und Gesundheitsförderung“ , so Rabady. Gleichzeitig warnte sie davor,
Prävention mit möglichst vielen Untersuchungen gleichzusetzen.
Deutlich weiter ging Prim. Univ.-Prof. Martin Clodi,
Abteilungsvorstand für Innere Medizin bei den Barmherzigen Brüdern
Linz, Präsident der Cholesterin Allianz und Past President der
Österreichischen Diabetesgesellschaft. Er forderte eine wesentlich
stärker strukturierte Früherkennung von Risikofaktoren wie
Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Cholesterinwerten
bereits im Kindes- und Jugendalter sowie eine konsequentere Nutzung
vorhandener Gesundheitsdaten. „Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck
oder erhöhte Cholesterinwerte entstehen nicht plötzlich im
Erwachsenenalter. Wenn wir diese Risikofaktoren früh erkennen und
behandeln, gewinnen wir wertvolle Jahre bei guter Gesundheit“ ,
betonte Clodi. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus,
Vorsorgeuntersuchungen verbindlicher zu gestalten. Langfristig müsse
auch diskutiert werden, ob Menschen, die empfohlene Vorsorgeangebote
wiederholt nicht wahrnehmen, stärker in die Verantwortung genommen
werden sollten, indem beispielsweise höhere
Sozialversicherungsbeiträge anfallen oder Vergünstigungen wegfallen.
Einen weiteren Hebel sieht die Gesundheitssprecherin und
Nationalratsabgeordnete der Volkspartei, Mag. a Dr. in Juliane Bogner
-Strauß, in der besseren Nutzung bereits vorhandener Erkenntnisse und
erfolgreicher Projekte. „Wir verfügen über viele Daten und zahlreiche
erfolgreiche Projekte. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir
handeln können, sondern wie wir dieses Wissen nutzen, um Menschen
gezielt zu den Vorsorgeangeboten zu bringen, die sie wirklich
brauchen“ , sagte Bogner-Strauß.
Zwtl.: Prävention als Reformchance
Trotz unterschiedlicher Zugänge zeichnete sich am Ende des Abends
ein gemeinsames Bild ab: Es mangelt nicht an Wissen über wirksame
Prävention. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, bestehende
Erkenntnisse konsequenter in Versorgung, Finanzierung und
Gesundheitskompetenz zu übersetzen. Denn Prävention stärkt nicht nur
die Gesundheit der Bevölkerung, sondern kann auch dazu beitragen,
Ressourcen gezielter einzusetzen und das Gesundheitssystem
langfristig leistungsfähig und finanzierbar zu halten. Oder anders
formuliert: Die Frage ist längst nicht mehr, ob Prävention wirkt. Die
Herausforderung besteht darin, sie zu einem selbstverständlichen
Bestandteil eines modernen Gesundheitssystems zu machen.
Die Podiumsdiskussion wurde von der Karl Landsteiner Gesellschaft
und MSD Österreich veranstaltet.
„zukunft gesundheit“ – eine Plattform für den interdisziplinären
Austausch
Die Diskussionsreihe „zukunft gesundheit“ bietet seit Jahren eine
Plattform für den offenen Austausch zwischen
Entscheidungsträger:innen, Expert:innen und Betroffenen. Ziel ist es,
gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten, um das österreichische
Gesundheitssystem nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Veranstaltung,
eine gemeinsame Initiative der Karl Landsteiner Gesellschaft und MSD
Österreich, steht unter dem Leitgedanken, dass ein modernes
Gesundheitssystem nicht nur durch Innovation und Technologie
vorangetrieben wird, sondern vor allem durch effiziente Strukturen,
die Patient:innen in den Mittelpunkt stellen.
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