Wien (OTS) – Der Gemeindebau in der Obere Augartenstraße 12-14,
Anfang der 30-er
Jahre erbaut, trägt ab sofort den Namen von Max Berdiczower. Er übte
16 Jahre lang das Amt des Leopoldstädter Bezirksvorstehers aus, von
Beginn an (1918) war er dabei mit antisemitischen Schmähungen – nicht
zuletzt auf den Seiten der konservativen Presse – konfrontiert.
Die offizielle Benennungsfeier erfolgte durch die Vorsitzende des
Gemeinderatsausschusses für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und
Frauen, Waltraud Karner-Kremser, sowie Bezirksvorsteher Alexander
Nikolai.
„Max Berdiczower war eine prägende Persönlichkeit der
Leopoldstadt und ein engagierter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit.
Mit der Benennung dieses Gemeindebaus setzen wir ein dauerhaftes
Zeichen der Dankbarkeit für sein politisches und menschliches
Wirken“, erklärt Waltraud Karner-Kremser.
Bezirksvorsteher der Leopoldstadt von 1918 bis 1934
Max Berdiczower wurde am 23. August 1883 in Brody, in der
heutigen Ukraine, geboren.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Sozialdemokrat 1918 zum
provisorischen Bezirksvorsteher der Leopoldstadt ernannt und 1919 im
Amt bestätigt, das er bis Februar 1934 ausübte. Seine Amtszeit fällt
in eine Phase intensiven kommunalen Wohnbaus, in der unter anderem
der „Wachauer Hof“ in der Jungstraße als einer der ersten
Gemeindebauten Wiens entstand.
Ein stadtgeschichtlicher Meilenstein jener Jahre war die
Eröffnung des Stadions im Prater im Jahr 1931. Berdiczower war zudem
Redaktionssekretär der Arbeiter-Zeitung und im Vorstand des
Leopoldstädter Kinderspitals tätig, das 1924 nach finanziellen
Schwierigkeiten in den Besitz der Stadt Wien überging. In den von
zunehmendem Antisemitismus geprägten 1930-Jahren wurde er im Zuge der
Februarkämpfe 1934 vorübergehend verhaftet und seines Amtes enthoben.
Max Berdiczower verstarb am 10. Dezember 1938 unter nicht näher
bekannten Umständen. Neun Tage später erfolgte seine Einäscherung in
der Feuerhalle Simmering.
„Max Berdiczower war einer meiner Vorgänger als Bezirksvorsteher
der Leopoldstadt. Mit der Benennung der Wohnhausanlage nach ihm
würdigen wir einen Menschen, der Mut und Menschlichkeit in schwersten
Zeiten bewiesen hat. Sein Name soll uns hier im Alltag daran
erinnern, wie wichtig Zivilcourage, Solidarität und Zusammenhalt für
unsere Gemeinschaft sind“, so Bezirksvorsteher Alexander Nikolai.
Der Max-Berdiczower-Hof
Die Wohnhausanlage wurde zwischen 1930 und 1931 nach Plänen des
Architekten Karl Schmalhofer errichtet und umfasst 188 Wohnungen auf
acht Stiegen. Der auf relativ engem Areal zwischen Straßenflucht und
einem dahinterliegenden Umspannwerk errichtete Bau ist durch eine
streng symmetrische Anordnung der Blöcke gekennzeichnet.
Zwischen 2015 und 2020 wurden umfassende Sanierungen
durchgeführt, darunter die Erneuerung der Dachdeckung, die
Herstellung eines Unterdachs sowie die Dämmung von Dach, Terrassen
und Balkonen. Thermischen Decken- und Wandsanierungen steigern die
Energieeffizienz des Gebäudes deutlich und reduzierten den
Heizwärmebedarf um 77 Prozent. Die neue Dachverblechung und die
Brandrauchentlüftung in den Stiegenhäusern erhöhten die Modernität
und die Sicherheit der Anlage zusätzlich.