KV Privatkrankenanstalten: Träger häufen Profite, warum sollen Beschäftigte bluten?

Wien (OTS) – Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten
der
Privatkrankenanstalten treten weiter auf der Stelle. Während die
erste Verhandlungsrunde ohne jegliches Angebot der Arbeitgeber
endete, wurden in den darauffolgenden Runden ausschließlich Drei-
Jahres-Angebote vorgelegt, die für die Beschäftigten massive,
andauernde Reallohnverluste bedeutet hätten. Zuletzt boten sie 2,75
Prozent ab Juli 2026 und noch weniger in den Folgejahren, ohne
jegliche Verbesserungen im Rahmenrecht – ausgehend von einer
rollierenden Inflation von 3,09 Prozent.

„Was bisher auf den Tisch gelegt wurde, waren keine
ernstzunehmenden Angebote, sondern Ausdruck mangelnden Respekts
gegenüber jenen, die tagtäglich das Gesundheitssystem am Laufen
halten“, sagt Harald Steer, Gesundheitssprecher und KV-Verhandler der
Gewerkschaft vida.

Kein Grund für Krisenabschluss in der Gesundheit

Die Argumentation der Arbeitgeber, man müsse sich an
„Krisenabschlüssen“ anderer Branchen orientieren, weist vida
entschieden zurück. „Der private Gesundheitsbereich ist keine
Krisenbranche. Im Gegenteil: Die größte Krise ist der Personalmangel
– und den bekämpft man nicht mit Lohnverzicht, sondern mit fairer
Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen“, so Steer.

Besonders paradox ist das Arbeitgeberargument, höhere Löhne
würden die Inflation weiter antreiben. In Privatkrankenanstalten
arbeiten viele Beschäftigte in unteren Einkommensgruppen – diese
Kolleg:innen geben ihr Einkommen nicht für Luxus aus, sondern für
Miete, Lebensmittel und Stromrechnung. Jeder Euro fließt direkt in
den täglichen Konsum. „Wer ihnen Lohnerhöhungen verweigert,
verschärft soziale Unsicherheit – und löst ganz sicher kein
Inflationsproblem“, betont der vida-Gewerkschafter.

Profite wachsen – Druck auf Beschäftigte steigt

Gleichzeitig machen die Trägerfirmen der Privatkrankenanstalten
ausgezeichnete Geschäfte. Große Eigentümer und Betreiber wie STRABAG,
PORR und UNIQA – letztere über ihre Gesundheitsgruppe Mavie Med –
verzeichneten in den vergangenen Jahren zweistellige Gewinnzuwächse.
„Hier wird Gewinn erwirtschaftet – aber an einem anderen Ende sollen
die Beschäftigten dafür zahlen. Das nennt man Lohnraub“, sagt Steer.
„Hier wird bewusst damit spekuliert, dass Beschäftigte ihre
Patient:innen nicht im Stich lassen wollen. Dabei werden jene im
Stich gelassen, die dieses System tragen.“

Verwundert reagiert auch Eduardo Maldonado-González,
Vizepräsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und
Kurienobmann der angestellten Ärzte: „Die Gewinnzuwächse wären ohne
den Arbeitseinsatz und das Engagement der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter nicht möglich gewesen. Deshalb sollten sie auch
selbstverständlich von den erzielten Gewinnen profitieren.“ Das
vorliegende Angebot führe jedoch zu einem Reallohnverlust. „Wir
hoffen, dass die Arbeitgeberseite bis zum nächsten Verhandlungstermin
im Jänner ein ernst zu nehmendes Angebot vorlegt“, appelliert
Maldonado-González.

Lohnverzicht rettet kein Spital

Schlechte KV-Abschlüsse haben noch nie ein Spital gerettet – und
auch keinen Arbeitsplatz. Das weiß Harald Steer, der auch als
Betriebsratsvorsitzender im Anton-Proksch-Institut tätig ist. Die
Suchtklinik am Rande Wiens hat in den vergangenen Jahren mehrere
Strukur- Organisations- und Eigentümerwechsel erlebt, die
Verschlechterungen für die Belegschaft mit sich brachten. „All die
Einsparungen haben nicht verhindert, dass auch jetzt eine
Kündigungswelle droht“.

Beschäftigte bereit für Proteste

Die Geduld der Beschäftigten ist erschöpft. Nachdem 96 Prozent
der Teilnehmer:innen an Betriebsversammlungen sich bereits für
gewerkschaftliche Maßnahmen ausgesprochen haben, bereiten
Betriebsrät:innen nun konkrete Protestformen vor.

„Wir wollen einen fairen Anteil an den guten Ergebnissen dieser
Branche. Keine Profitsteigerungen auf Kosten der Beschäftigten“,
stellt Steer klar. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 12.
Jänner 2026 angesetzt. Die Hauptforderungen sind: Lohn-, Gehalts- und
Zulagenerhöhungen über der Inflation, eine zusätzliche Urlaubswoche
und bezahlte Pausen für alle Beschäftigten. Sollte es erneut kein
ernsthaftes Angebot geben, sind weitere Schritte – bis hin zu Streiks
– unausweichlich.