Keri: Wiener Krisenpflege steht an der Kippe – Kinder- und Jugendhilfe in Wien versagt

Wien (OTS) – „Das System der Wiener Krisenpflege steht an der Kippe.
Babys und
Kinder, die von der MA 11 ihren Eltern abgenommen werden, haben in
dieser Stadt offenbar keinen Platz mehr und werden mittlerweile sogar
MA 11-Mitarbeitern mit nach Hause gegeben. Das ist in keinster Weise
zu rechtfertigen und bedeutet das komplette Versagen einer
professionellen Kinder- und Jugendhilfe in Wien“, betont die
Familiensprecherin der Wiener Volkspartei, Gemeinderätin Sabine Keri,
zu aktuellen Medienberichten. „Seit vielen Jahren weist die Wiener
Volkspartei auf diese strukturellen Missstände hin, aber trotz dem
Hineinpumpen massiver finanziellen Ressourcen kommt es Jahr für Jahr
zu Verschlechterungen. Wenn die Stadt Wien beschließt, Kinder aus den
Familien zu nehmen, dann muss sie garantieren, dass es den Kindern
besser geht und an nichts fehlt. Es ist erschreckend, dass genau das
Gegenteil der Fall ist und diese Kinder keinen Weg aus ihrem Leiden
finden“, so Keri, die hier auch auf den aktuellen Bericht der Kinder-
und Jugendanwaltschaft verweist, der gestern durch den
Bildungsausschuss gegangen ist.

„In diesem Tätigkeitsbericht der Kinder- und Jugendanwaltschaft
wird klar festgehalten, dass es zu permanenten Überbelag in den
Krisenzentren kommt, was dort mittlerweile der Normalzustand statt
eines Ausnahmezustands sein soll“, so Keri. Auch kritisiert der
Bericht scharf die Zusammenlegung von 3-jährigen Kindergartenkindern
mit delinquenten Jugendlichen, wodurch der Schutz von Minderjährigen
„nicht mehr gewährleistet“ ist und weder Krisenabklärung noch
Beziehungsarbeit stattfinden könnte. „Dass nun Kinder einfach
unausgebildeten MA 11-Mitarbeitern mit nach Hause gegeben werden, ist
kein Krisenmanagement, sondern bedeutet das komplette Versagen der
Kinder- und Jugendhilfe in Wien“, so Keri.

Das Krisenpflegesystem in Wien stecke seit vielen Jahren in der
Krise. „Es braucht endlich flexible Arbeitszeitmodelle, angemessene
finanzielle Entschädigung und umfassende und wertschätzende
Begleitung durch die zuständigen Stellen. Die zuständige Stadträtin
Bettina Emmerling ist aufgefordert, hier endlich jene Maßnahmen zu
setzen, die auch bei den Kindern und Jugendlichen ankommen. Die
betroffenen Kinder haben bereits viel hinter sich. Es muss endlich
sichergestellt werden, dass jedes Kind professionell, rasch und
liebevoll betreut werden kann, anstatt diese auf nicht dafür
vorbereitete Mitarbeiter zu verteilen“, so Keri abschließend.

Zitate aus dem Jahresbericht 2024 der Kinder- und
Jugendanwaltschaft:

„Krisenzentren sind seit Jahren immer wieder unter hohem Druck,
doch das Jahr 2024 brachte eine weitere Verschlechterung der Lage.
Gab es früher noch gewisse Phasen im Jahr, in denen eine „normale“
Belegung (acht Plätze) zu beobachten war, war in diesem Jahr leider
eine durchgehende Überlastung des Systems zu verzeichnen. Wann immer
wir vor Ort waren, erwarteten uns zehn bis zwölf Kinder und
Jugendliche, somit weit mehr als die vorgesehenen acht Plätze für
Kinder im Abklärungsverfahren.“ (S. 60)

„So kommt es immer wieder zu kritischen Gruppenzusammensetzungen,
die dem Kindeswohl nicht entsprechen. Auch in diesem Jahr stellten
wir wiederholt fest, dass Kindergartenkinder neben Kindern mit
delinquentem Verhalten sowie beeinträchtigten Kindern mit
Pflegestufen unter einem Dach betreut werden und dies über viele
Monate hinweg. Unter solchen Umständen kann weder der Schutz von
Minderjährigen gewährleistet noch Krisenabklärungen oder
Beziehungsarbeit sichergestellt werden.“ (S. 60)

„Für die Minderjährigen selber bedeutet der permanente Überbelag,
dass ihre Rechte auf Schutz und Entwicklung nicht ausreichend
berücksichtigt werden können. So berichten uns Kinder und Jugendliche
immer wieder, dass sie sich in den Krisenzentren nicht sicher fühlen,
keine Rückzugsmöglichkeiten haben und auch nicht verstehen, warum sie
so lange dortbleiben müssen. In einigen wenigen Fällen konnten Kinder
sogar Gesundheits- und Bildungsangebote aufgrund von Personalmangel
nicht wahrnehmen.“ (S. 61)