Wien (OTS) – Auf Anregung von Wirtschaftsminister Wolfgang
Hattmannsdorfer wurde
das Institut für Höhere Studien (IHS) damit beauftragt, die
Entwicklung von internationalen Rohölpreisen über Raffineriemargen
bis hin zu Großhandel und Tankstellen systematisch zu untersuchen.
Ziel ist es, genau zu identifizieren, wo entlang der Kette
Preissteigerungen entstehen, wie diese zustandekommen und ob es
gerade auf europäischer Ebene Hinweise auf Wettbewerbsprobleme gibt.
Internationale Preisbildung als zentraler Faktor – Intransparenz
überwiegt
Die bisherigen Analysen bestätigen klar: Die Preisbildung
entsteht am internationalen Markt und nicht national. Benzin und
Diesel werden auf Basis internationaler Notierungen gehandelt – etwa
über Marktberichte von Argus oder Platts. Steigen dort die Preise,
etwa durch geopolitische Unsicherheiten, wirkt sich das auf die
gesamte Wertschöpfungskette aus: vom Rohölpreis über die daraus
raffinierten Produkte bis hin zu den Großhändlern und den
Tankstellen. Zusätzlich kommen Abgaben wie Mineralölsteuer,
Pflichtnotstandsreserve und CO2-Steuer sowie Mehrwertsteuer hinzu.
Europäische Ebene entscheidend: Mehr Transparenz und schnelleres
Handeln notwendig
Gerade weil die zentralen Preistreiber außerhalb Österreichs
liegen, richtet sich der Fokus nun verstärkt auf die europäische
Ebene. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner richten eindringliche
Aufforderungen an EU-Energiekommissar Dan Jørgensen: es wird ein
koordiniertes europäisches Vorgehen, mehr Transparenz an den
internationalen Handelsplätzen und rasches Handeln eingefordert.
Konkret wird betont:
– Nationale Alleingänge dürfen den Binnenmarkt nicht verzerren – es
braucht abgestimmte europäische Lösungen.
– Entscheidungsprozesse müssen deutlich beschleunigt werden, um auf
volatile Märkte reagieren zu können.
– Mehr Klarheit bei der Preisbildung – insbesondere bei
internationalen Benchmarks – ist zentral für Vertrauen und
Wettbewerb.
– Auch strukturelle Fragen wie Merit-Order, ETS-Effekte und
Gasmarktmechanismen müssen auf EU-Ebene rasch weiterentwickelt
werden.
Damit wird klar: „Transparenz entlang der gesamten
Wertschöpfungskette reicht national nicht aus – sie muss besonders
auch auf europäischer Ebene sichergestellt werden. Wir fordern hier
einen konsequenten Einsatz der Kommission“, so Hattmannsdorfer.
Fokus auf Transparenz entlang der gesamten Kette
Ein zentrales Ergebnis der bisherigen IHS-Analyse zeigt die hohe
Komplexität der Preisbildung und die Notwendigkeit, diese
transparenter zu machen. Das IHS wird künftig die Preisentwicklungen
tagesaktuell beobachten und öffentlich zur Verfügung stellen. Die
Analysen werden in den kommenden Wochen vertieft und bilden die
Grundlage für mögliche weitere Maßnahmen.
Neben der Transparenz rückt damit auch die Frage nach der
Marktstruktur stärker in den Fokus. Wenn sich die Preisbildung im
europäischen Treibstoffmarkt an nur wenigen internationalen
Referenzwerten orientiert, stellt sich die Frage, ob ausreichend
Wettbewerb und Preisdynamik gewährleistet sind. Aus österreichischer
Sicht braucht es daher eine europäische Überprüfung der
Marktmechanismen sowie Maßnahmen, die mehr Wettbewerb und
Nachvollziehbarkeit entlang der Preisbildung sicherstellen.
„Die Spritpreise werden maßgeblich auf internationalen Märkten
gemacht – und genau dort liegt das Problem. Wenn die Preisbildung für
ganz Europa de facto von zwei Preisagenturen wie Argus und Platts
abhängt, stellt sich die Frage, ob ausreichend Wettbewerb und Dynamik
im Markt gegeben sind. Wir brauchen volle Transparenz darüber, wie
diese Notierungen zustande kommen. Das ist entscheidend für Vertrauen
und funktionierende Märkte. Und wir brauchen auf europäischer Ebene
einen Mechanismus, der extreme Preisspitzen in Krisenzeiten
verhindert. Jetzt ist die EU gefordert, rasch für klare Regeln zu
sorgen“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
„Das IHS hat die Preissteigerungen an den Zapfsäulen in ihre
Einzelteile zerlegt. Dabei zeigt sich: der größte Teil kommt durch
die Preissteigerungen am Weltmarkt und bei den Raffinerien zustande.
Wir müssen aber weiter genau analysieren, ob und gegebenenfalls wo in
der Wertschöpfungskette ungewöhnliche Margen auftreten. Damit deren
Ursachen dann auf der richtigen Ebene bekämpft werden“, so Holger
Bonin, Direktor des Institut für Höhere Studien.