Hattmannsdorfer fordert „European Production Agenda“: „Europa muss wieder der beste Ort zum Produzieren werden“

Wien (OTS) – Europas Industrie steht unter massivem Wettbewerbsdruck.
Während
China seine Industrie strategisch stärkt und die USA offensiv um
Investition werben, verliert Europa bei Kosten, Geschwindigkeit und
Investitionsbedingungen an Boden. Wirtschaftsminister Wolfgang
Hattmannsdorfer fordert deshalb einen industriepolitischen
Kurswechsel und eine „European Production Agenda“. Ziel müsse sein,
aus europäischen Produktionsstrategien, rasch, einfach und
marktorientiert wieder konkrete Produktion, Investitionen und
Arbeitsplätze in Europa zu machen.

„China hat eine Industriestrategie die auf staatlichen
Subventionen basiert, die USA kämpfen offensiv um jede Investition
und forcieren ihre Zollpolitik – Europa braucht daher jetzt eine
Produktionsagenda. Wir haben lange genug darüber gesprochen, welche
Technologien für unsere Zukunft entscheidend sind. Jetzt müssen wir
dafür sorgen, dass sie auch in Europa entwickelt und produziert
werden. Unser Erfolg muss sich an Fabriken, Investitionen und
Arbeitsplätzen messen. Europa muss wieder der beste Ort zum
Produzieren werden“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

Die europäische Automobilindustrie ist dafür ein entscheidender
Gradmesser. Rund 13,6 Millionen Arbeitsplätze, mehr als acht Prozent
des EU-BIP und jährlich 84,6 Milliarden Euro an F&E-Investitionen
hängen an der Branche. Rund ein Drittel der privaten Forschungs- und
Entwicklungsinvestitionen in Europa kommt aus dem Automotive-Sektor.

Auch für Österreich ist die Branche zentral: Rund 900 Unternehmen
bilden ein eng vernetztes Automotive-Ökosystem. Rund 200.000 direkte
und indirekte Arbeitsplätze hängen daran, entlang der gesamten
Wertschöpfungskette sind es rund 368.000 Beschäftigte. Die
Exportquote liegt bei 85 Prozent.

Automotive-Paket: Transformation ohne Deindustrialisierung

Das geplante EU-Automotive-Paket ist für Hattmannsdorfer ein
erster Lackmustest für den industriepolitischen Kurs Europas. Die
vorgeschlagene 90+10-Regel ab 2035 – 90 Prozent statt bisher 100
Prozent Reduktion der Tailpipe-CO₂-Emissionen – sei ein erster
Schritt in Richtung größerer Flexibilität. Da muss aber noch mehr
gehen – entscheidend sei nun, daraus echte Technologieoffenheit zu
machen.

Batterieelektrische Fahrzeuge werden eine zentrale Rolle spielen.
Gleichzeitig müssen Plug-in-Hybride, Range Extender, Wasserstoff
sowie klimaneutrale und regenerative Kraftstoffe dort eine faire
Chance erhalten, wo sie effizient zur Dekarbonisierung beitragen.
Auch grüne Vorprodukte wie grüner Stahl sollen angemessen
berücksichtigt werden.

„Unser Ziel heißt Transformation ohne Deindustrialisierung.
Europa darf seine Klimaziele nicht dadurch erreichen, dass die
Produktion am Ende in China oder den USA stattfindet. Wir brauchen
echte Technologieoffenheit und eine 90+10 oder besser eine 80+20-
Flexibilitäts-Regel, die diesen Namen auch verdient. Nicht die
Politik soll den technologischen Gewinner bestimmen, sondern die
beste Innovation“, so Hattmannsdorfer.

Gleichzeitig fordert Österreich einen konsequenten
Wettbewerbsfähigkeitscheck für alle industriepolitischen EU-
Initiativen inklusive der Automotive-Regulierung. Neue Vorgaben
sollen künftig systematisch danach bewertet werden, wie sie sich auf
Produktionskosten, Investitionen und die globale Wettbewerbsfähigkeit
europäischer Standorte auswirken. Wenn der
Wettbewerbssfähigkeitscheck nicht zu einem positiven Ergebnis im
Sinne des Wirtschaftsstandorts Europa kommt, muss nachgebessert
werden bevor verhandelt wird.

China-Zahlen als Weckruf

Der internationale Wettbewerbsdruck nimmt deutlich zu. Aktuelle
Zahlen des Fachverbands der Fahrzeugindustrie zeigen: Der Anteil
Chinas am Wert der österreichischen Pkw-Importe ist von 0,74 Prozent
im Jahr 2021 auf 6,74 Prozent im ersten Quartal 2026 gestiegen.

Bei Hybridfahrzeugen stieg Chinas Anteil von praktisch null bis
2023 auf 12,67 Prozent im ersten Quartal 2026. Bei Elektroautos lag
der chinesische Anteil zuletzt bei 19,37 Prozent.

Für Hattmannsdorfer bedeutet das nicht, dass chinesische Importe
grundsätzlich unfair seien. Europa müsse offen für Handel und
internationale Investitionen bleiben. Gleichzeitig müssten Anti-
Subventions- und Instrumente zur Umgehungsbekämpfung schneller und
wirksamer greifen, wenn Wettbewerbsverzerrungen nachgewiesen werden.

„Österreich lebt von offenen Märkten – deshalb wollen wir keine
Festung Europa. Aber Offenheit darf nicht Naivität bedeuten. Wo
staatliche Subventionen den Wettbewerb verzerren, Dumping stattfindet
oder Schutzmaßnahmen umgangen werden, muss Europa handeln.
Gleichzeitig ist jedes internationale Unternehmen willkommen, das in
Europa investiert, substanziell produziert, Arbeitsplätze schafft und
sich an unsere Regeln und Grundsätze hält. Unsere Linie ist klar:
offen für Investitionen und Handel, aber konsequent bei unfairen
Wettbewerbsbedingungen.“

Steyr zeigt, worum es geht

Dass industrielle Transformation in Europa gelingen kann, zeigt
der Standort Steyr. BMW investiert dort bis 2030 rund eine Milliarde
Euro in E-Mobilität. Seit Juli werden bereits mehr als 4.000
Elektromotoren pro Woche produziert, die Kapazitäten werden weiter
hochgefahren. Rund 20.000 Arbeitsplätze hängen am Automotive-Netzwerk
in der Region.

„Die Transformation der Automobilindustrie entscheidet sich nicht
allein an technologischen Zielen, sondern auch an der
Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktionsstandorte. Mit unserer
Investition in Steyr zeigen wir, dass Innovation, Elektromobilität
und industrielle Wertschöpfung in Europa zusammengehören. Dafür
braucht es langfristig verlässliche, technologieoffene
Rahmenbedingungen und international wettbewerbsfähige
Standortbedingungen“, Harald Gottsche, CEO BMW AG.