Wien (OTS) – „Dass das Bundesheer die Beobachtung von Rekruten beim
Duschen
offenbar nicht als problematisch einstuft, zeigt genau, wo das
eigentliche Problem liegt: Diese Kultur gehört einem anderen
Jahrhundert an“, kommentiert David Stögmüller,
Landesverteidigungssprecher der Grünen, die aufgedeckten Missstände
bei der Garde in Horn.
„Angst, Zeitdruck und Entwürdigung sind längst nicht mehr
zeitgemäße Ausbildungsmethoden. Hinter verschlossenen Türen wird aber
genau davon berichtet. Wenn junge Menschen ihre eigene Intimsphäre
verteidigen müssen, läuft in der Ausbildung etwas fundamental
falsch“, hält Stögmüller fest. Für ihn ist klar: „Wenn wir ernsthaft
über eine Reform des Grundwehrdienstes sprechen wollen, dann müssen
wir genau hier ansetzen. Der Grundwehrdienst muss für alle eine Phase
solider, respektvoller Ausbildung sein, wo Schlüsselkompetenzen fürs
Leben vermittelt werden.“
Besonders kritisch sieht Stögmüller die aktuelle politische
Debatte zur Verlängerung des Wehrdienstes: „Was ich für völlig
untragbar halte, ist, dass wir eine starke Miliz für die
Landesverteidigung aufbauen wollen, aber die Diskussion sich fast
ausschließlich um eine längere Dienstdauer dreht.“
Seine parlamentarische Anfrage an Verteidigungsministerin Tanner
zeigt laut Stögmüller ein deutliches Bild: „In den letzten zehn
Jahren haben sich nur rund 3 bis maximal 8,5 Prozent der Rekruten
freiwillig für die Miliz verpflichtet. Das heißt: Nicht einmal jeder
Zehnte möchte nach seiner Zeit beim Bundesheer auch nur einen Tag
länger dienen.“ Besonders problematisch sei, dass das
Verteidigungsministerium nicht einmal systematisch erhebt, warum das
so ist. „Dabei sollte genau das ein zentrales Ziel des
Grundwehrdienstes sein.“
Stögmüllers Fazit: „Wer ein einsatzfähiges Milizsystem will,
braucht eine Ausbildungskultur, die auf Respekt, Sinnhaftigkeit und
Motivation setzt. Ohne echte Reformen wird jede Verlängerung
scheitern.“