Goldschakale nutzen Menschen als „Schutzschilde“ vor Wölfen

Wien (OTS) – Ergänzende Informationen zur Presseaussendung vom 26.
Mai.2026. Der
Goldschakal breitet sich seit Jahren in Europa aus. Doch welche Rolle
spielt dabei der Wolf? Eine internationale Studie mit Beteiligung der
BOKU University zeigt nun erstmals, wie stark die Beziehung zwischen
den beiden Wildtieren diese europaweite Entwicklung beeinflusst, und
welche Rolle der Mensch darin hat.

Der Goldschakal breitet sich seit Jahren nahezu unbemerkt in
Europa aus. Auch in Österreich wird die Präsenz des anpassungsfähigen
Beutegreifers immer häufiger dokumentiert. Doch wie gelingt es dem
deutlich kleineren Verwandten des Wolfs, sich in denselben
Lebensräumen zu behaupten? Eine internationale Studie unter
Beteiligung der BOKU-Wildtierökologin Jennifer Hatlauf, vom Institut
für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, liefert nun überraschende
Antworten. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der renommierten
Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution veröffentlicht.

Bei dieser Forschungsarbeit handelt es sich um die erste Studie
auf gesamteuropäischer Ebene, die den Wolf als ökologischen
Einflussfaktor auf den Goldschakal und dessen Verbreitung genauer
analysiert. Dafür wurden beinahe 9000 Daten aus 13 europäischen
Ländern zusammengeführt.

Zwtl.: Theoretisch in jedem Bundesland anzutreffen

Jennifer Hatlauf brachte Daten ein, die im Rahmen des 2015
initiierten „Goldschakalprojekt Österreich“ mittels bioakustischer
Erhebungen gesammelt worden waren. In Österreich gibt es mittlerweile
Nachweise der Wildtierart aus allen Bundesländern außer Vorarlberg –
das Vorkommen des Goldschakals ist jedoch nach wie vor sehr variabel.
„Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Goldschakal weder ein
Heilsbringer noch ein Schädling; es handelt sich um eine natürliche
Ausbreitung, die jedenfalls wissenschaftlich beobachtet werden
sollte“, betont sie.

Die Ergebnissebieten nun wichtige Erkenntnisse: Wölfe begrenzen
grundsätzlich die Vorkommenswahrscheinlichkeit von Goldschakalen (
insbesondere in dauerhaften Kerngebieten der Wölfe). In menschlich
geprägten Landschaften wird dieser Effekt jedoch deutlich schwächer.
Für Goldschakale wirkt die Nähe zum Menschen als eine Art
„Schutzschild“ gegenüber Wölfen.

Im Rahmen der Analysen wurden große Teile Kontinentaleuropas,
etwa 75 %, als für Goldschakale geeignet prognostiziert. Das
entspricht ungefähr dem Sechsfachen ihrer derzeitigen Verbreitung.
Südwesteuropa, insbesondere die Iberische Halbinsel und Frankreich,
weist das größte Potenzial für eine zukünftige Ausbreitung auf. Doch
die fortschreitende Erholung der Wolfsbestände reduziert bereits
heute den Umfang potenziell geeigneter zukünftiger Lebensräume für
Goldschakale, auch wenn der indirekte Effekt von Menschen, der
Schutzschild-Effekt, diesen Einfluss teilweise wieder ausgleicht.

Zwtl.: Sehr anpassungsfähiger Hundeartiger

Große Beutegreifer wie Wölfe können eine naturbasierte Regulation
der Ausbreitung von Mesoprädatoren bewirken. Dies hängt jedoch
wahrscheinlich davon ab, dass eine ausreichende ökologische
Funktionalität dieser erhalten bleibt, etwa durch geeignete Dichten
großer Beutegreifer und stabile soziale Strukturen. Der zukünftige
Managementweg im Hinblick auf den Wolf in Europa wird eine prägende
Rolle dafür spielen, wie sich die künftige Verbreitung des
Goldschakals auf dem Kontinent entwickeln wird. „Wenn man bedenkt,
dass der Goldschakal etwa so groß wie ein Fuchs und damit deutlich
kleiner als ein Wolf ist, kann man verstehen, dass Goldschakale
versuchen, den Wolf zu meiden“, so Hatlauf, „In Österreich gibt es im
Vergleich zu anderen Ländern relativ wenige Nachweise von Wölfen und
noch kaum Überschneidungen mit bekannten Vorkommen von Goldschakalen,
es bleibt also spannend, wie sich dies hier entwickeln wird“. Für
Österreich interessant ist jedoch die Tatsache, dass Goldschakale
sehr anpassungsfähig sind – so erscheinen zwar wärmere, schneearme
Regionen Europas als besonders geeignet auf der Potenzialkarte, doch
immer mehr Nachweise belegen, dass die Wildtierart auch alpine
Lebensräume nutzt. Da viele Zusammenhänge noch wenig erforscht sind,
betont die Wissenschaftlerin den nach wie vor großen
Forschungsbedarf.

Im August 2025 das Buch „Der Goldschakal – Lebenskünstler auf
leisen Pfoten“ von Jennifer Hatlauf. Das Werk vermittelt
wissenschaftliche Erkenntnisse über Verbreitung, Verhalten und
Lebensräume des Goldschakals verständlich für ein breites Publikum.

Link zur Studie : https://www.nature.com/articles/s41559-026-
03060-y
Weitere Infos auf https://www.goldschakal.at/ www.aureus.co.at/