Wien (OTS) – „Was die Stadt als Vereinfachung verkauft, wird für
viele Wienerinnen
und Wiener zur zusätzlichen bürokratischen Hürde. Wer eine
Gemeindewohnung braucht, darf nicht zuerst einen digitalen
Hindernislauf absolvieren müssen“, kritisiert FPÖ-Wohnbausprecher und
Wohnombudsmann Michael Niegl die neue Wohnungsvergabe.
Gerade ältere Menschen, Personen ohne ausreichende digitale
Kenntnisse oder Menschen, die mit dem Hochladen zahlreicher Dokumente
überfordert sind, würden mit dem neuen System vor erhebliche Probleme
gestellt. „Wenn jemand beim Wohnservice um Hilfe bittet und sinngemäß
auf den Enkel oder einen jüngeren Nachbarn verwiesen wird, dann läuft
etwas gewaltig schief. Die Stadt hat dafür zu sorgen, dass jeder
Zugang zu einer Gemeindewohnung hat – unabhängig davon, wie
internetaffin er ist“, so Niegl.
Besonders kritisch sieht der FPÖ-Wohnbausprecher die zunehmende
Bürokratisierung der Wohnungsvergabe. „Aus einem einfachen Anliegen –
ich brauche eine leistbare Gemeindewohnung – wird ein komplexes
Punktesystem mit Registrierung, digitalen Zugangsdaten und dem
Hochladen von Unterlagen. Das mag am Schreibtisch modern wirken, geht
aber an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei.“
Auch die bisherige Möglichkeit der Direktvergabe müsse kritisch
hinterfragt werden. „Die Wienerinnen und Wiener brauchen keine immer
komplizierteren Systeme, sondern nachvollziehbare und faire Regeln.
Wer jahrelang in Wien lebt, arbeitet und seinen Beitrag leistet, muss
darauf vertrauen können, dass er bei der Vergabe einer
Gemeindewohnung nicht im bürokratischen Dickicht verloren geht.“
Niegl fordert daher von der Stadt Wien eine umfassende
persönliche Unterstützung, insbesondere für ältere Menschen und
Personen mit eingeschränkten digitalen Kenntnissen. „Es reicht nicht,
irgendwo eine Telefonnummer und ein Büro anzubieten. Die Stadt muss
aktiv sicherstellen, dass niemand aufgrund fehlender digitaler
Fähigkeiten aus dem System fällt.“
„Eine Wohnungsvergabe ist kein Computerspiel. Hinter jedem Antrag
stehen Menschen und oft existenzielle Wohnprobleme. Wenn das neue
System tatsächlich fairer und transparenter sein soll, dann muss es
vor allem eines sein: verständlich, niederschwellig und für alle
Wiener zugänglich“, so Niegl abschließend.