Wien (OTS) – Im Streit um das umstrittene Bauprojekt beim
Napoleonwald (
Jaunerstraße 5) geraten die bisherigen Darstellungen der Stadt Wien
zunehmend unter Druck. Neue und bisher wenig beachtete historische
Unterlagen zeigen, dass die Entwicklung des betroffenen Grundstücks
keineswegs losgelöst von der politischen Verantwortung der Stadt
betrachtet werden kann.
Aus Archivalien der Stadt Wien geht hervor, dass das Areal
bereits in den 1950er Jahren im Rahmen städtischer Planungen genutzt
und baulich erschlossen wurde. Bauwerber war damals unter anderem
eine Organisation aus dem Umfeld der Sozialdemokratie – konkret die
Kinderfreunde. Damit steht fest, dass das Grundstück nicht erst
heute, sondern bereits seit Jahrzehnten unter absoluter Mehrheit der
Regierungspartei SPÖ Gegenstand politisch gesteuerter Nutzung ist.
Die damaligen Verfahren zeigen, dass die Nutzung als Gaststätte
bzw. Kinderfreunde-Einrichtung nur durch entsprechende bauliche
Eingriffe und Veränderungen des Naturbestandes, sprich Baumfällungen
möglich war. Diese Entwicklung erfolgte im Verantwortungsbereich der
Stadt Wien und unter politischen Rahmenbedingungen, die von der SPÖ
geprägt waren.
Nun bestätigt auch die Volksanwaltschaft in der Sendung
Bürgeranwalt vom 9. Mai 2026, dass Teile des geschützten
Naturdenkmals „Eichenbestand Napoleonwald“ im Flächenwidmungsplan
nicht korrekt berücksichtigt wurden und teilweise als Bauland
ausgewiesen sind. Dies stellt nach Ansicht der Volksanwaltschaft
einen Missstand in der Verwaltung dar. Es sei nicht überzeugend, die
Verantwortung ausschließlich auf die gegenwärtige Rechtslage zu
beschränken, wenn gleichzeitig historische Entscheidungen und
Nutzungen durch die SPÖ geführte Stadt selbst maßgeblich zur heutigen
Situation beigetragen haben.
„Die Entwicklung dieses Areals durch die SPÖ in ihrer
Regierungszeit ist das Ergebnis jahrzehntelanger planerischer und
politischer Entscheidungen. Diese Verantwortung kann nicht einfach
ausgeblendet werden“, so der freiheitliche Bezirksparteiobmann. Georg
Heinreichsberger.
„Gefordert wird nun eine umfassende Aufarbeitung der historischen
Entwicklung des Grundstücks sowie eine rechtliche Neubewertung im
Lichte der aktuellen Erkenntnisse – insbesondere im Hinblick auf den
Schutz des Naturdenkmals.“ Darüber hinaus verlangt die FPÖ-Hietzing
1. eine zeitlich begrenzte Bausperre für die Liegenschaft Felixgasse
6/Jaunerstraße 5 („ehem. Restaurant Napoleonwald“) zu verhängen, bis
die Untersuchungen abgeschlossen sind. Ergänzend wird ein Stopp des
Baugenehmigungsverfahrens bei der MA37/ Baupolizei angestrebt, da ein
begründeter Verdacht, ein Naturdenkmal vorsätzlich als Bauland
ausgewiesen zu haben, vorliegt,
2. festzustellen, dass der 2019 beschlossene Flächenwidmungs- und
Bebauungsplan (Plandokument 8230 vom 30. April 2019) rechtswidrig
zustande gekommen ist und
3. dem Gemeinderat eine Umwidmung des Flächenwidmungsplanes und des
Bebauungsplanes für das im Antragsplan Nr. 8230 als
„Plangebietsgrenze“ bezeichneten Fluchtlinien bzw. Bezirksgrenzen
umschriebene Gebiet in der Form dem Gemeinderat zur Beschlussfassung
vorzulegen, sodass eine neue Flächenwidmung und neue
Bebauungsbestimmungen auf die ortsübliche Verbauung, den
Ortsbildcharakter Rücksicht nehmen und die Umwidmung der ‚fehlenden‘
Fläche des Naturdenkmals in Grünland sichergestellt wird, damit die
Errichtung des geplanten gewaltigen Wohn- und Bürokomplex mit 61
Metern Länge, 12 Metern Höhe und 24 Metern Breite und zahlreiche
Büros nicht mehr möglich sein wird.