Wien (OTS) – Der traditionsreiche Bruno-Kreisky-Preis für das
politische Buch wird
heuer zum 33. Mal vom Karl-Renner-Institut in Zusammenarbeit mit dem
SPÖ-Parlamentsklub und der sozialdemokratischen Bildungsorganisation
verliehen. Der Hauptpreis des Bruno-Kreisky-Preises für das
politische Buch 2025 geht an Oliver Jens Schmitt für sein
herausragendes Werk „Moskaus westliche Rivalen. Eine europäische
Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer“ (Klett-Cotta, 2025).
Der Preis für das publizistische Gesamtwerk wird an Monika Helfer und
Michael Köhlmeier vergeben. Der Anerkennungspreis geht an den
Schriftsteller Martin Prinz. Die Historiker:innen Johann Dvořák,
Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar werden mit dem Sonderpreis
„Arbeitswelten – Bildungswelten“ ausgezeichnet und der Preis für
besondere verlegerische Leistungen geht an den Verlag Jung und Jung.
Die Preisverleihungen finden im ersten Halbjahr 2026 in Wien statt. *
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Zwtl.: Hauptpreis für das politische Buch 2025 an Oliver Jens Schmitt
Zum Hauptpreis: „Europa muss seine Gesellschaften technologisch
wie mental widerstandsfähig machen“, so beschreibt Oliver Jens
Schmitt die geopolitische Lage unseres Kontinents. Mit „Moskaus
westliche Rivalen“ (Klett-Cotta, 2025) legt der Osteuropa-Historiker
eine Studie vor, die 800 Jahre europäische Geschichte umfasst – von
der Kyjiver Rus bis zum gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine. Alte
Rivalitäten, Narrative und Ängste werden wieder sichtbar. Schmitts
Analyse verläuft dabei nicht wie gewohnt von West nach Ost, sondern
von Nord nach Süd: vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer, von der Arktis
über die Ostsee bis zu den ukrainischen Steppen. Der Autor zeigt,
dass die Ursachen für Konflikte zwischen Russland und seinen
westlichen Nachbarn in unterschiedlichen politischen Kulturen
wurzeln. In den Nachbarstaaten Russlands entwickelten sich früh
Formen institutionalisierter Teilhabe, die die Macht des Herrschers
begrenzten und ein Verständnis von Recht und Freiheit förderten. In
Russland hingegen prägt eine autokratische Tradition das politische
Selbstverständnis; historische Erfahrungen mit parlamentarischer
Mitbestimmung und eine Verfassungstradition sind kaum vorhanden.
Daher kann Wladimir Putin in seinem Narrativ über den Ukraine-Krieg
an traditionelle imperialistisch-kriegerische Legitimationen
anknüpfen.
Bemerkenswert detailreich und verständlich macht das Buch
historische und ideengeschichtliche Linien sichtbar. Schmitts Analyse
schärft unser Verständnis der gegenwärtigen Konflikte und eröffnet
neue Einsichten in Europas geopolitische Herausforderungen.
Zwtl.: Preis für das publizistische Gesamtwerk geht an Monika Helfer
und Michael Köhlmeier
Der Bruno-Kreisky-Preis für das publizistische Gesamtwerk wird in
diesem Jahr an Monika Helfer und Michael Köhlmeier verliehen, zwei
der wichtigsten literarischen Stimmen Österreichs. Monika Helfer hat
ein reiches OEuvre aus Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern
geschaffen und gehört zu den bedeutendsten Autor:innen der
deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sie wurde mehrfach
ausgezeichnet und für wichtige Literaturpreise nominiert.
Michael Köhlmeier zählt zu den prägenden Erzählern seiner
Generation; seine Arbeit umfasst Romane, zahlreiche erzählerische
Nacherzählungen klassischer Mythen und einen breiten publizistischen
Beitrag zur Vermittlung von Kultur und Geschichte.
Gemeinsam als durch ihr Leben und Schreiben verbundenes
Künstlerpaar vereinen sie Einfühlungsvermögen und erzählerische
Kraft. Die Vielfalt ihres Schaffens wirkt literarisch prägend und
weit über die Literatur hinaus in gesellschaftliche und kulturelle
Debatten. Ihre Stimmen stehen für eine gelebte Verbindung von
persönlicher Reflexion und öffentlicher Verantwortung – ein
Gesamtwerk, das in Sprache und Wirkmacht den humanistischen und
demokratischen Diskurs nachhaltig prägt.
Zwtl.: Anerkennungspreis an Martin Prinz
Der Anerkennungspreis geht heuer an Martin Prinz für seinen Roman
„Die letzten Tage“ (Jung und Jung, 2025). Die Eskalation der Gewalt
am Ende des Zweiten Weltkriegs nahm unvorstellbare Ausmaße an:
Todesmärsche von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeiter:innen durchzogen
Österreich, willkürliche Standgerichte wüteten noch im Angesicht der
völligen Niederlage des NS-Regimes. Der österreichische Autor Martin
Prinz richtet mit seinem Roman den Fokus auf ein solches
Endphasenverbrechen der Nazis im April 1945. Johannes Braun, seines
Zeichens NS-Kreisleiter im niederösterreichischen Neunkirchen,
errichtet auf seiner Flucht vor der Roten Armee in Schwarzau im
Gebirge sein höchstpersönliches Mordregime. Martin Prinz erzählt in
nüchternem Ton, nach umfassendem Studium der Akten und Protokolle,
eine wahre Geschichte des Monströsen und des menschlichen Abgrunds.
Gerade weil der Erzählduktus kühl und sachlich gehalten wird, schafft
Prinz mit diesem Roman ein Werk, das aufrüttelt und die
Öffentlichkeit wachhält – im Sinne einer aufklärenden und
nachhaltigen Gedenkarbeit, wider das Verdrängen und Vergessen.
Zwtl.: Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ an Johann Dvořák,
Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar
Der Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ geht an Johann
Dvořák, Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar für ihr umfassendes
Werk „Richard Robert Wagner. Gewerkschaft, Bildung und die politische
Kultur der Moderne in Wien“ (Böhlau, 2025). Die drei Historiker:innen
legen mit einer kommentierten zweibändigen Werkauswahl Richard Robert
Wagners einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der
Wiener Moderne vor. Wagner war ein austromarxistischer Journalist,
Gewerkschafter und Literat, der Zeit seines Lebens um die
Demokratisierung von Staat und Gesellschaft kämpfte. Diese könne nur
durch eine demokratisierte Menschenbildung gelingen. Mit diesem
Buchprojekt werden erstmals verschüttete und auch verdrängte
Theorieansätze zur Bildungstätigkeit der österreichischen
Arbeiter:innenbewegung freigelegt. Leben und Werk dieses großen
Volksbildners kann viel Erhellendes zu aktuellen Auseinandersetzungen
um Demokratie und Emanzipation beitragen.
Zwtl.: Preis für besondere verlegerische Leistungen an Jung und Jung
Der Sonderpreis für besondere verlegerische Leistungen geht an
den Verlag Jung und Jung. Der Verlag widmet sich deutschsprachiger
Gegenwartsliteratur — mit einem klaren Schwerpunkt auf
österreichische und junge Autor:innen. Konsequent setzt er auf
literarische Qualität, programmatische Klarheit und gesellschaftliche
Relevanz. Das Verlagsprogramm vereint deutschsprachige
Gegenwartsliteratur mit Essays, Lyrik, Übersetzungen und historisch
wie politisch reflektierten Texten und leistet damit einen wichtigen
Beitrag zur literarischen und öffentlichen Debatte. Jung und Jung
begleitet Autorinnen und Autoren langfristig und bringt Werke hervor,
die vielfach ausgezeichnet wurden und nachhaltige Wirkung entfalten.
In einer von ökonomischem Druck geprägten Buchlandschaft behauptet
der Verlag ein eigenständiges Profil und steht für
verantwortungsbewusstes, kontinuierliches und kulturpolitisch
relevantes Verlegen. (Schluss) bj