Wien (OTS) – Zum Jahresende zieht die Naturschutzorganisation WWF
Österreich eine
gemischte Bilanz für den weltweiten Artenschutz: Während sich etwa
die Grüne Meeresschildkröte, Koalas in Australien oder
Schneeleoparden in Nepal positiv entwickeln, geraten arktische
Robben, tropische Korallenriffe, viele Vogelarten sowie Nashörner in
Afrika weiter unter Druck. Auch in Europa steht der Artenschutz mit
dem geschwächten Schutzstatus für den Wolf und dem Rückgang
heimischer Amphibien und Vögeln vor großen Herausforderungen. „
Wildtiere verschwinden im Rekordtempo von unserem Planeten –
getrieben von Lebensraumzerstörung, Übernutzung und Wilderei,
Umweltverschmutzung sowie der Klimakrise “, sagt WWF-
Artenschutzexperte Georg Scattolin.
Der WWF fordert daher eine Naturschutz-Offensive von der Politik:
mehr und besser organisierte Schutzgebiete an Land und im Meer,
ökologische Wanderkorridore, eine großflächige Renaturierung von
Flüssen, Auen, Wäldern und Feuchtgebieten sowie wirksamen
Klimaschutz. Denn auf internationaler Ebene kommen die Umsetzung und
Finanzierung des Weltnaturabkommens weiterhin zu langsam voran,
während sich die Klimakrise zuspitzt. „Es braucht einen globalen
Schulterschluss, um die artenreichsten Lebensräume zu schützen und
wiederherzustellen. Eine intakte Natur ist unsere wichtigste
Verbündete gegen die Klimakrise und das weltweite Artensterben“, sagt
Scattolin. Das gilt auch für Österreich, wo der anhaltend hohe
Bodenverbrauch und das Verschwinden von Feuchtgebieten und naturnahen
Flusslandschaften gravierende Folgen für die Artenvielfalt haben.
Doch auch 2025 gibt es Lichtblicke, wie die Gewinner der WWF-
Jahresbilanz zeigen: Grünen Meeresschildkröten geht es dank
intensiver Artenschutzarbeit besser, Haie und Rochen wurden erstmals
durch internationale Handelsverbote geschützt , Koalas bekommen einen
neuen Nationalpark und Wisente vermehren sich in ihrem ursprünglichen
Lebensraum. In Österreich befinden sich Seeadler im Aufwind. „Die
Gewinner-Arten 2025 zeigen, dass sich unser Einsatz für den Schutz
bedrohter Arten und Ökosysteme lohnt und es trotz Rückschlägen immer
wieder Chancen für die Natur gibt“, sagt Georg Scattolin vom WWF.
Das sind die tierischen Gewinner und Verlierer 2025:
Gewinner:
–
Grüne Meeresschildkröte:
Die Grüne Meeresschildkröte ( Chelonia mydas ) wurde 2025 auf der
Roten Liste von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft
– ein Sprung um drei Kategorien. Seit den 1970er-Jahren ist der
Bestand um rund 28 Prozent gestiegen. Verantwortlich sind
Schutzprogramme für Niststrände, Gemeindeprojekte gegen die Entnahme
von Schildkröten und Eiern, der Einsatz von
Schildkrötenschutzgittern, sogenannten Turtle Excluder Devices, in
Fischereinetzen sowie die Eindämmung des internationalen Handels.
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Gesamtpopulation deutlich
kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung, und die Mehrheit der
Meeresschildkrötenarten gilt weiterhin als bedroht.
–
Haie und Rochen :
Bei der Artenschutzkonferenz (CITES COP) in Usbekistan, wurden
erstmals internationale Handelsverbote für zahlreiche Hai- und
Rochenarten beschlossen. Ein besonderer Durchbruch ist das
internationale Handelsverbot für Manta- und Teufelsrochen, Walhaie,
Weißspitzen-Hochseehaie und 18 Arten von Geigenrochen. Strengere
Maßnahmen wurden auch für den Handel mit Tiefsee-, Hunds- und
Glatthaien beschlossen. Doch der Schutz am Papier ist nur der Anfang.
Jetzt müssen die einzelnen Staaten eine lückenlose Umsetzung und
strenge Kontrollen für Handel und Fischerei sicherstellen.
–
Koalas:
Mit der Einrichtung des Great Koala National Park wurde in Australien
2025 ein entscheidender Schritt zum Schutz der Koalas gesetzt. Rund
176.000 Hektar Staatsforste werden mit bestehenden Nationalparks
verknüpft und bilden ein großflächiges Schutzgebiet im Bundesstaat
New South Wales. Dort ist der Koalabestand zwischen 2000 und 2020
durch Abholzung, Dürren, Krankheiten und Buschbrände um mehr als die
Hälfte eingebrochen. Der WWF sieht in dem neuen Nationalpark die
Chance, diese Entwicklung zu stoppen und langfristig umzukehren.
–
Schneeleoparden:
In Nepal wurde 2025 erstmals eine nationale Bestandsaufnahme der
Schneeleoparden abgeschlossen. Demnach leben knapp 400 Tiere
verstreut in den Bergen des Himalaya-Staates. Die Erhebung liefert
wichtige Daten zu Verbreitung, Bestand und Lebensräumen der bedrohten
Großkatze. Für dem WWF ist das die Grundlage für wirksame
Schutzstrategien und ein Signal an andere Verbreitungsländer wie
China, ihre Bestände ebenfalls systematisch zu erfassen.
–
Wisente:
In den rumänischen Karpaten wurden 2025 erneut Wisente in freier
Wildbahn geboren – ein Symbol für erfolgreiche
Wiederansiedelungsprogramme nach ihrer Ausrottung. Die Rückkehr der
Wisente ist jedoch mehr als nur die Rettung einer Art. Sie ist auch
ein Symbol für die Erneuerung ganzer Ökosysteme. Wisente sind die
größten Landsäugetiere und werden oft als „Architekten des Waldes“
bezeichnet. Während sie grasen, die Vegetation niedertrampeln und den
Boden düngen, helfen sie Grasland und Wäldern, sich zu regenerieren.
So profitieren unzählige Pflanzen- und Tierarten von ihrer Rückkehr.
–
Flussdelfine:
In Peru gibt es erste Hinweise auf eine leichte Erholung der seltenen
Flussdelfine , unter anderem durch lokale Schutzprogramme und
Projekte in der Fischerei. Durch kleine Schallgeräte, sogenannte
„Pinger“, die an Fischernetzen befestigt werden und akustische
Signale aussenden, gingen die Netzschäden um 40 Prozent zurück und
kein Tier verfing sich mehr.
–
Seeadler:
Dank strenger Schutzgesetze und Artenschutzmaßnahmen ist Österreichs
Wappentier hierzulande wieder im Aufwind. Mittlerweile ist die
Seeadler-Population auf rund 90 Paare angewachsen – ein toller
Erfolg!
–
Störe:
Kleine, aber umso erfreulichere Artenschutz-Erfolge gibt es
hierzulande bei der weltweit am stärksten gefährdeten Tiergruppe: den
Stören. In den March-Auen und entlang der Mur wurden heuer wieder
erfolgreich Sterlet-Jungfische ausgesetzt – ein wichtiger Baustein,
um die Art in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückzubringen. Der
Sensationsfund eines Glattdick-Störs an der kroatischen Drau sorgte
darüber hinaus für Hoffnung auf das Überleben einer bereits
ausgestorben geglaubten Störart. Zwar sind alle Störarten im
Donauraum weiterhin höchst gefährdet, aber wenn wir die letzten frei
fließenden Flüsse erhalten und renaturieren sowie die Wilderei
bekämpfen, haben sie eine Chance.
Verlierer:
–
Arktische Robben:
Gleich drei arktische Robbenarten wurden 2025 auf der Roten Liste
hochgestuft. Die Klappmütze ( Cystophora cristata ) gilt nun als
„stark gefährdet“, nachdem ihr Bestand stark gesunken ist. Auch
Bartrobbe ( Erignathus barbatus ) und Sattelrobbe ( Pagophilus
groenlandicus ) wurden neu als „gering gefährdet“ eingestuft, vorher
galten sie als „nicht gefährdet“. Die erneute Bewertung der Walrosse
( Odobenus rosmarus ) bestätigt ihren Status als „gefährdet“ und den
enormen Druck auf die Art. Hauptursache ist der Verlust von Meereis
durch die Erderhitzung: Ohne stabile Eisflächen fehlen Rückzugsorte
zur Jungenaufzucht, Nahrungssuche und Erholung. Gleichzeitig nimmt
der Druck durch Schifffahrt, Unterwasserlärm, Rohstoffabbau, Jagd und
Fischerei zu.
–
Vögel:
Die Aktualisierung der Roten Liste 2025 zeigt bei Vögeln eine
alarmierende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten weltweit nehmen
in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden
Bewertung im Jahr 2016, als es 44 Prozent waren. Betroffen sind auch
Arten in Österreich wie das Braunkehlchen und das Rebhuhn .
Hauptursachen sind die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen
durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft,
Flächenversiegelung und Abholzung. Damit gehen auch wichtige
Funktionen verloren, denn Vögel sind unverzichtbar als Bestäuber,
Samenverbreiter, natürliche Schädlingsbekämpfer und Aasfresser.
–
Korallen:
Die Korallenriffe zählen auch 2025 zu den großen Verlierern. Nach
massiven Korallenbleichen in der Karibik 2023 und einer der stärksten
je dokumentierten Bleichen am Great Barrier Reef 2024 nahm die vierte
globale Massenbleiche an der Westküste Australiens heuer beispiellose
Ausmaße an. Eine im Herbst 2025 veröffentlichte Studie zu Kipppunkten
zeigt, dass der kritische Schwellenwert für Warmwasser-Korallen bei
etwa 1,2 Grad Erderhitzung gegenüber vorindustrieller Zeit liegt –
ein Wert, der bereits erreicht oder überschritten ist. Damit droht
der dauerhafte Verlust vieler Riffe. Mit ihnen gingen nicht nur
einzigartige Lebensräume verloren, sondern auch die Lebensgrundlage
für Millionen Menschen, die von Fischerei und Tourismus abhängig
sind.
–
Nashörner:
Die Lage der afrikanischen Nashörner bleibt kritisch . Laut aktuellen
Zahlen der IUCN wurden 2025 in Afrika rund 22.540 Tiere gezählt,
davon 6.788 Spitzmaulnashörner ( Diceros bicornis ), die als „vom
Aussterben bedroht“ gelten, und 15.752 Breitmaulnashörner (
Ceratotherium simum ), eingestuft als „potenziell gefährdet“. Während
die Bestände des Spitzmaulnashorns um rund fünf Prozent zugenommen
haben, sind die der Breitmaulnashörner im gleichen Zeitraum um elf
Prozent zurückgegangen. Zwar war die Wilderei-Quote 2024 relativ
niedrig, doch in den ersten Monaten 2025 wurden wieder deutlich mehr
Nashörner gewildert – etwa im Tschad und in Südafrika. Der WWF warnt
davor, Schutzmaßnahmen zu lockern, solange die Bestände noch so
verwundbar sind.
–
Wolf:
In Europa wurde 2025 der Schutzstatus des Wolfes politisch
abgeschwächt – ein klarer Rückschritt für den Artenschutz. Bisher war
der Abschuss streng reguliert und nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die
Schwächung des Schutzes gefährdet nun Jahrzehnte an Erfolgen beim
Wiederaufbau der Wolfspopulationen in Europa. In Österreich wurde
heuer bereits jeder fünfte nachgewiesene Wolf getötet.
–
Moorfrosch:
Auch in Österreich gibt es deutliche Verlierer. Besonders dramatisch
ist die Situation des Moorfrosches, dessen bedeutendste Vorkommen
hierzulande an der March sowie im Gebiet des Neusiedler Sees bzw. im
Seewinkel liegen. In den letzten Jahren sind die Bestände aufgrund
der zunehmenden Austrocknung der Landschaft stark zurückgegangen. Der
WWF sieht daher dringenden Handlungsbedarf für die Revitalisierung
von Feuchtgebieten.
Bilder zum Download: Gewinner-Arten hier , Verlierer-Arten hier .