Wien (OTS) – Mithilfe der modernen Nuklearmedizin können in der
Onkologie,
Neurologie und Kardiologie biologische Funktionen und Target-
Strukturen sichtbar gemacht werden. Für die Alzheimer-Behandlung mit
den ersten kausal wirkenden Medikamenten Lecanemab und Donanemab
braucht es Amyloid-PET-Untersuchungen, um mit Sicherheit die
Alzheimer-Erkrankung feststellen und das Therapieende bestimmen zu
können. Die Tau-PET liefert wesentliche Prognoseinformationen
darüber, ob sich ein Patient für diese moderne Alzheimer-Therapie
eignet und wie seine Erfolgschancen bei Einnahme der Präparate sind.
Über die ersten Erfahrungen zur Bildgebung während der Anwendung der
Alzheimer-Medikamente in der klinischen Routine und welche weiteren
Fortschritte es in der Nuklearmedizin gibt, geht es beim europäischen
Nuklearmedizinerkongress EANM, der vom 17. bis 21. Oktober im Austria
Center Vienna stattfindet.
„Mit der molekularen Bildgebung können wir Funktionen und Target-
Strukturen mit zielgerichteten Tracern sichtbar machen. Das ist
wichtig, um eine Präzisionsmedizin anbieten zu können und damit beim
einzelnen Patienten die Therapie zu steuern. Die Hauptschwerpunkte
der Nuklearmedizin liegen dabei klassisch in der Onkologie. Wir
entdecken aber besonders in der Neurologie und Kardiologie immer mehr
Targets, für die wir in der Grundlagenforschung spezielle Tracer
entwickeln. Gerade in der Charakterisierung und im Therapiemonitoring
von neurodegenerativen Erkrankungen gibt es enorme Fortschritte –
allen voran bei der Alzheimer-Krankheit“, so Prof. Dr. Matthias
Brendel, Stellvertretender Direktor, Klinik und Poliklinik für
Nuklearmedizin LMU Munich.
Zwtl.: Bis zu 105.000 Alzheimer-Kranke in Österreich – PET-
Untersuchung gibt Sicherheit
Allein in Österreich sind 100.000 bis 150.000 Menschen von einer
dementiellen Erkrankung betroffen. Mit 60-70% aller Demenzen ist die
Alzheimer-Erkrankung die häufigste Demenzerkrankung. „Mit der
molekularen Bildgebung – genauer gesagt mit einem Amyloid-PET können
wir das Amyloid im Gehirn der an Demenz erkrankten Person sichtbar
machen und damit feststellen, ob es sich tatsächlich um die Alzheimer
-Erkrankung handelt oder eine andere Form der Demenz. Das ist
wichtig, denn nur bei der Alzheimer-Erkrankung kann die neue Therapie
mit den monoklonalen Antikörpern gegen Beta-Amyloid – das sind die
Medikamente Lecanemab und Donanemab – überhaupt wirken“, betont
Brendel. Klassische Diagnose-Tools wie Blutbiomarker und
Nervenwasserbiomarker haben immer wieder einen gewissen Graubereich.
Daher ist es wichtig, vor einer Therapie immer auch ein Amyloid-PET
zur Absicherung durchzuführen.
Zwtl.: Amyloid-PET-Untersuchung für Therapielänge entscheidend
Die Amyloid-PET-Untersuchung hat auch einen sehr großen
Stellenwert, um festzustellen, wie wirksam die Alzheimer-Therapie
ist. „Die Amyloid-PET-Untersuchung zeigt, ab wann das Amyloid-Level
im Gehirn unter der Nachweisbarkeitsgrenze ist. Das ist in vielen
Fällen nach 12 Monaten der Einnahme von Donanemab schon der Fall,
auch wenn die Therapie generell auf 1,5 Jahre ausgelegt ist. Sobald
das Amyloid aus dem Gehirn rausgeräumt ist, war die Therapie
erfolgreich und das Medikament kann potenziell abgesetzt werden“,
erklärt Brendel und betont: „Wenn wir daher davon ausgehen, dass 60
bis 70 Prozent der behandelten Patienten durch das Amyloid-PET schon
früher ihre Therapie beenden können, dann ist die PET-Untersuchung
auch mehr als wirtschaftlich.“
Zwtl.: Neuartiger, hochwirksamer Amyloid-Antikörper mit Shuttle-
Service in Entwicklung
Zu den bestehenden Alzheimer-Medikamenten ist gerade ein neuer
Amyloid-Antikörper in Entwicklung, der über einen eigenen Shuttle-
Mechanismus über die Blut-Hirn-Schranke gebracht werden kann.
„Dadurch wird die Verfügbarkeit des Antikörpers im Gehirn viel größer
und die Nebenwirkungen geringer. Die Therapie ist dann noch schneller
möglich – voraussichtlich in drei bis vier Monaten – bei gleichzeitig
geringeren Nebenwirkungen für die Patienten. Auch hier wird es die
Amyloid-PET-Untersuchung brauchen, um ein gesichertes Therapieende zu
ermöglichen, aber wir müssen natürlich noch den Abschluss der
Zulassungsstudien abwarten“, ergänzt der Nuklearmediziner.
Zwtl.: Amyloid-Wirkungsmechanismus im Gehirn – Krankheit um bis zu 30
% verlangsamen
Prinzipiell ist Amyloid-Beta ein Eiweiß, das natürlich im Gehirn
vorkommt. Im Gehirn von Alzheimerpatienten sammelt sich das Amyloid-
beta zwischen den Gehirnzellen an und bildet zunächst kleine Klumpen
und später dann riesige Plaques. Der biologische Prozess der
Alzheimererkrankung beginnt damit bereits Jahre bevor die ersten
Symptome spürbar sind. „Während die Tracer, die bei der PET-
Untersuchung eingesetzt werden, an die kompakten Plaques binden und
diese darstellen, wirken die Medikamente bereits bei den frühen
Aggregaten und können damit in einem Frühstadium der Krankheit den
Krankheitsverlauf um bis zu 30 % verlangsamen“, betont Brendel. Je
früher mit einer Therapie begonnen werden kann, desto besser ist es.
Daher setzen die beiden neuen Medikamente Lecanemab und Donanemab bei
Alzheimer-Patienten im Frühstadium an, wenn sich der Patient im
Stadium einer leichten kognitiven Störung oder einer leichten Demenz
befindet.
Zwtl.: Tau-PET – für Prognose des Krankheitsverlaufes
Beim Alzheimer-Patient stören das Amyloid-Beta-Eiweiß in
Kombination mit einem anderen Eiweiß namens Tau die Kommunikation
zwischen den Zellen, sodass die Nervenzellen der erkrankten Menschen
zunehmend absterben. „Daher werden allein an unserer Klinik zur
Abklärung der Alzheimer-Krankheit pro Jahr mehr als 500 Amyloid- und
Tau-PET Untersuchungen gemacht. Obwohl es noch kein zugelassenes
Medikament gibt, das gegen die Tau-Ablagerungen wirkt, ist die Tau-
PET Bildgebung schon jetzt enorm wichtig. Das besondere an der Tau-
PET ist, dass wir über den am LMU Klinikum verwendeten Tracer auch
eine Bindungskurve bekommen, anhand der wir sehen können, ob Amyloid-
Beta assoziierte Tau Ablagerungen vorliegen und wie hoch der
neuronale Schaden ist und damit gute Verlaufsprognosen der
Krankheitsentwicklung und des Ansprechens auf den Therapieerfolg
machen können“, betont Brendel. Das liegt daran, dass Studien zeigen,
dass Patienten mit wenig Tau besser auf die neuen Medikamente
ansprechen als jene, die viel Tau im Gehirn haben. „Für mich ist
daher das Amyloid-PET wichtig, um generell eine gesicherte Alzheimer-
Diagnose stellen zu können. Das Tau-PET hat das meiste Potenzial,
weil wir dadurch schon mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen können, wer
sich für die Therapien, die es jetzt schon gibt, besonders eignet und
wer gar nicht oder nur sehr wenig davon profitieren würde“, erklärt
der Nuklearmediziner. Die Nuklearmedizin nimmt daher in der modernen
Alzheimer-Behandlung eine wesentliche Schlüsselrolle ein.
Über die IAKW-AG und EANM
Die IAKW-AG (Internationales Amtssitz- und Konferenzzentrum Wien,
Aktiengesellschaft) ist verantwortlich für die Erhaltung des Vienna
International Centre (VIC) und den Betrieb des Austria Center Vienna.
Das Austria Center Vienna ist mit 21 Sälen, 134 Meetingräumen sowie
rund 26.000 m 2 Ausstellungsfläche Österreichs größtes
Kongresszentrum und gehört zu den Top-Playern im internationalen
Kongresswesen. Die Europäische Gesellschaft für Nuklearmedizin (EANM)
hat ihren Sitz in Wien und ist die größte gemeinnützige medizinische
Organisation Europas, die sich der Nuklearmedizin widmet. Seit ihrer
Gründung im Jahr 1985 bringt die EANM medizinische Fachkräfte, andere
medizinische Fachgesellschaften, politische Entscheidungsträger der
EU und Vertreter der Industrie zusammen, um sicherzustellen, dass
Patienten in ganz Europa einfachen Zugang zur Nuklearmedizin haben.
https://www.acv.at/de/
www.eanm.org
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