AK-Nachhilfestudie 2026: Stress und Zeit belasten Kärntner Familien

Kärnten (OTS) – In Kärnten haben im Schuljahr 2025/26 rund 35 Prozent
der Kinder und
Jugendlichen, also etwa 22.000 von den insgesamt 62.000
Schüler:innen, Lernunterstützung erhalten. Etwa 11.000 Schüler:innen
nahmen bezahlte Nachhilfe in Anspruch. „Der tatsächliche Gesamtbedarf
liegt jedoch bei 39 Prozent bzw. rund 24.000 Schüler:innen, wenn auch
jene berücksichtigt werden, die zwar keine bezahlte Nachhilfe hatten,
aber einen entsprechenden Bedarf äußerten“, berichtet Daniel
Weidlitsch, Leiter der Abteilung Bildungspolitik, Jugend und Kultur,
aus den Umfrageergebnissen. Familien in Kärnten gaben 2026 rund
sieben Millionen Euro (2024/2025: zehn Millionen Euro) für Nachhilfe
aus – im Schnitt 660 Euro pro Kind. So das Ergebnis der
Nachhilfestudie, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut IFES* im
Auftrag der Arbeiterkammer.

Zwtl.: 660 Euro pro Kind und Schuljahr

„Die durchschnittlichen Ausgaben pro Kind sind von rund 850 im
Jahr Schuljahr 2024/2025 auf aktuell 660 Euro gesunken. Dies sollte
jedoch nicht vorschnell als Entspannung für die Familien verstanden
werden“, so AK-Präsident Günther Goach. Nachhilfe wird offenbar
stärker punktuell und anlassbezogen, etwa vor Schularbeiten und Tests
und nicht regelmäßig während des Schuljahres, genutzt. Gleichzeitig
spielt die allgemeine Teuerung eine Rolle. Der AK-Präsident betont:
„Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen. Für
Familien mit geringem Einkommen ist Nachhilfe schwer leistbar. Der
von den Arbeiterkammern geforderte und von der Bundesregierung
umgesetzte Chancenbonus ist zwar ein wichtiger Schritt, muss aber
deutlich ausgebaut werden.“

Zwtl.: 47 Prozent empfinden Nachhilfe als „zu teuer“

Mathematik bleibt mit deutlichem Abstand das wichtigste
Nachhilfefach: 68 Prozent der Nachhilfeschüler:innen brauchen
Unterstützung in Mathematik, gefolgt von Deutsch mit 29 Prozent und
Fremdsprachen mit 22 Prozent. Viele Kärntner Eltern empfinden die
zusätzliche Lernunterstützung als „zu teuer“. Der konstant hohe Wert
von 47 Prozent der Befragten bei der finanziellen Belastung zeigt:
Auch wenn die durchschnittlichen Nachhilfe-Ausgaben gesunken sind,
bleibt sie für jene Familien, die sie brauchen, finanziell belastend.

Zwtl.: Höheres Einkommen, bessere Noten?

Nur rund ein Fünftel der Eltern österreichweit glaubt, dass
Bildungschancen ausschließlich von den Fähigkeiten des Kindes
abhängen. In Kärnten bestätigen die Befragten, dass sich bessere
Noten leisten kann, wer mehr Einkommen hat. „ Derzeit haben Kinder
mit Eltern die ein höheres Einkommen haben auch bessere Noten, weil
sie sich Unterstützung leisten können. Andere müssen aus dem
Gymnasium aussteigen, weil von zuhause keine Hilfe möglich ist. AHS
Oberstufe kann sich nicht jeder leisten “, so etwa die Mutter eines
Burschen in einer AHS-Unterstufe in Kärnten bei der Befragung und
fordert: „ Es sollte für Kinder einmal wöchentlich Förderunterricht
in den Hauptgegenständen am Nachmittag von Lehrern geben. “ Die
alleinerziehende, teilzeitbeschäftigte Mutter einer Mittelschülerin
aus Kärnten schrieb: „[…] Auch wird viel auf die Eltern abgewälzt,
die wie in meinem Fall aber auch arbeiten und nebenbei den Haushalt
machen. Und wenn man zu wenig verdient, dann kann man sich Nachhilfe
auch keine leisten. […]“

Zwtl.: Konflikte belasten Familien

Neben dem Geld investieren Eltern auch Zeit, Nerven und familiäre
Ressourcen. 36 Prozent der Kärntner Eltern geben an, dass sie sich in
Bezug auf Ärger und Konflikte beim Unterstützen der Kinder, während
diese für Prüfungen lernen oder Hausaufgaben erledigen, sehr bzw.
ziemlich belastet fühlen. Weidlitsch: „Nachhilfe bzw. Lernbegleitung
ist demnach nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine zeitliche
und familiäre Belastung.“

Zwtl.: Kostengünstige Nachhilfe mit AK-Lernchancen

Die AK Kärnten bietet mit dem Projekt AK-Lernchancen
kostengünstige Lernunterstützung für Kinder aus Familien mit geringem
Einkommen. Das Projekt umfasst Nachhilfe, Lerncoaching und Mentoring,
um Bildungsungerechtigkeit aktiv entgegenzuwirken. Mit dem Projekt
Bildungswege entdecken unterstützt die AK Kärnten Schüler:innen und
Eltern bei der Orientierung im Bildungssystem. Das Angebot reicht von
Berufsorientierung über Studieninformation bis hin zu individueller
Bildungsberatung – alles kostenlos und barrierefrei.

Zwtl.: AK Kärnten fordert

„Die Zahlen zeigen eindeutig: Nachhilfe ist für viele Familien in
Kärnten unverzichtbar, um schulische Defizite auszugleichen. Ein
Schulsystem, das auf private Nachhilfe angewiesen ist, hat seine
öffentliche Aufgabe nicht erfüllt. Private Nachhilfe darf nicht zur
Grundvoraussetzung für den Schulerfolg werden. Wir brauchen eine
Schule, die alle Kinder mitnimmt, unabhängig vom Einkommen der
Eltern“, betont der AK-Präsident

– Den Chancenbonus ausbauen: Die derzeitigen 65 Millionen Euro sind
zu wenig – mittelfristig braucht es rund 400 Millionen Euro, um
Schulen mit besonderen Herausforderungen treffsicher und ausreichend
auszustatten.

– Mehr Personal und Zeit für individuelle Förderung: Kinder sollen
den Lernstoff in der Schule verstehen, üben und festigen können,
unabhängig davon, ob die Eltern private Nachhilfe finanzieren bzw.
selbst Lernunterstützung anbieten können.

– Hochwertige, beitragsfreie Ganztagsschulen flächendeckend ausbauen:
Damit alle Kinder gleiche Lernchancen haben.

– Schulkosten deutlich senken: Bildung muss für alle Familien
leistbar sein, ohne dass private Nachhilfe zur finanziellen Belastung
wird.

– Familien mit geringem Einkommen gezielt entlasten: Schulleistung
und Materialien dürfen Eltern finanziell nicht überfordern.
Insbesondere armutsgefährdete Familien und Alleinerziehende brauchen
Unterstützung, damit Bildungschancen nicht vom Einkommen abhängen.

*Die Studie wurde vom Institut IFES von Mitte März bis Mitte Mai
2026 durchgeführt. In Kärnten wurden 584 Schüler:innen bzw. 406
Haushalte mit Schulkindern befragt. Ausgenommen waren Berufsschulen,
Akademien, Schulen im Gesundheitswesen.