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4. November 2026: Marie-Jahoda-Preis 2026 an Barbara Coudenhove-Kalergi verliehen

Wien (OTS) – Die renommierte Journalistin und Publizistin Barbara
Coudenhove-
Kalergi wurde gestern, Mittwoch, im österreichischen Parlament mit
dem Marie-Jahoda-Preis 2026 ausgezeichnet. Der Preis der
sozialdemokratischen Bildungsorganisationen wurde bereits zum fünften
Mal vergeben. Die gemeinsam mit dem SPÖ-Parlamentsklub gestaltete
Festveranstaltung fand im historischen Theophil-Hansen-Saal, dem
ehemaligen Bundesratssitzungssaal, statt. Unter den zahlreichen
Gästen befanden sich der Wiener Landtagsabgeordnete Denis Sakić,
Nürnbergs Dritter Bürgermeister Nasser Ahmed sowie Bundesrat Martin
Peterl. ****

SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan eröffnete die
Feierlichkeiten und erinnerte an das wissenschaftliche und
gesellschaftspolitische Vermächtnis der bedeutenden österreichischen
Sozialwissenschafterin Marie Jahoda. „Mit dieser Auszeichnung wollen
wir das Vermächtnis Marie Jahodas lebendig halten und Menschen vor
den Vorhang holen, die mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zu
einer offenen und demokratischen Gesellschaft leisten“, so Markytan.

Demokratie braucht unabhängigen Journalismus

Heinrich Himmer, SPÖ-Bildungssprecher, unterstrich die Bedeutung
von Bildung, Wissenschaft und kritischen Medien angesichts
zunehmender Polarisierung und autoritärer Entwicklungen. „Demokratie
braucht nicht nur die politische Auseinandersetzung, sondern so viel
mehr: politische Bildung, Wissenschaft und natürlich auch
unabhängigen Journalismus“, erklärte Himmer.

Die Laudatio hielt Gerhard Schmid, Dritter Wiener
Landtagspräsident und SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender. Er würdigte die
jahrzehntelange journalistische Tätigkeit der Preisträgerin, ihre
Berichterstattung über die politischen Umbrüche Mittel- und
Osteuropas und ihre persönliche Lebensgeschichte. „Sie haben in Ihrer
journalistischen Tätigkeit viel Mut und Courage bewiesen“, betonte
Schmid. Mit ihrer Unabhängigkeit, Weltoffenheit und Fähigkeit,
komplexe Entwicklungen verständlich zu vermitteln, habe Coudenhove-
Kalergi Generationen geprägt.

„Wir wollen zurück nach Europa“

Im anschließenden Podiumsgespräch mit Karin Moser von der Wiener
Bildungsakademie und Sascha Obrecht vom Karl-Renner-Institut sprach
die Preisträgerin über ihre Kindheit in Prag, die Vertreibung ihrer
Familie nach 1945 sowie Fragen von Migration, Identität und
europäischer Integration.

Besonders eindrucksvoll waren ihre Erinnerungen an die
demokratischen Umbrüche des Jahres 1989. In ihrer Geburtsstadt Prag
habe sie erlebt, wie Menschen auf die Straßen strömten und riefen:
„Wir wollen zurück nach Europa.“

„Europa war damals und ist auch heute sozusagen das Synonym für
liberale Demokratie“, erinnerte Coudenhove-Kalergi. Gerade angesichts
nationalistischer und autoritärer Tendenzen gelte es, die
Errungenschaften der europäischen Einigung zu bewahren.

Staatsbürgerschaft und demokratische Teilhabe

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war die österreichische
Staatsbürgerschaft. Sascha Obrecht kritisierte die hohen
Einkommensvoraussetzungen und bürokratischen Hürden, die auch
langjährig in Österreich lebende und gesellschaftlich integrierte
Menschen betreffen.

„Wenn man über die Staatsbürgerschaft redet, wird man einen
breiten Konsens feststellen können: Man will Menschen, die sich hier
einbringen und Teil der Gesellschaft werden wollen“, erklärte
Obrecht.

Karin Moser stellte im Gespräch die Verbindung zwischen den
persönlichen Erfahrungen der Preisträgerin, den historischen
Umbrüchen Europas und aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen
her.

Ein Lebenswerk im Zeichen von Demokratie und Europa

Barbara Coudenhove-Kalergi zählt zu den bedeutendsten
österreichischen Journalistinnen der Nachkriegszeit. Als langjährige
ORF-Korrespondentin begleitete sie insbesondere die demokratischen
Veränderungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Der von ihr
herausgegebene Sammelband „Meine Wurzeln sind anderswo“ und ihr
Erinnerungsband „Zuhause ist überall“ beschäftigen sich mit Heimat,
Identität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Nach der gemeinsamen Preisübergabe durch die sozialdemokratischen
Bildungsorganisationen und den SPÖ-Parlamentsklub sprach Hajo Cappar
von der Wiener Bildungsakademie die abschließenden Dankesworte.

Für den musikalischen Rahmen sorgte ein Blechbläserquartett der
Wiener Symphoniker mit Christian Löw, Heinrich Bruckner, Reinhard
Hofbauer und Wolfgang Pfistermüller.

Die fünfte Verleihung des Marie-Jahoda-Preises unterstrich die
Bedeutung von unabhängigem Journalismus, historischer Erinnerung und
politischer Bildung für eine lebendige Demokratie.

SERVICE – Ein Foto der Veranstaltung finden Sie unter folgendem
Link – bei Verwendung bitte © Christian Bader angeben:
https://spoe.canto.de/b/G20OT

(Schluss) lw