Wien (OTS) – Der Zustand einer hochbetagten Frau in der
Kurzzeitpflege
verschlechtert sich massiv. Sie liegt im Sterben. Doch die
vorgesehene Betreuungszeit ist abgelaufen, ein Verbleib in der
Kurzzeitpflege-Einrichtung ist nicht mehr möglich, und die Frau
müsste verlegt werden.
Diesen Fall nimmt die Diakonie zum Anlass, um auf Lücken in der
Begleitung am Lebensende aufmerksam zu machen. „Einen sterbenden
Menschen zu übersiedeln, weil das System keinen Spielraum kennt, ist
unmenschlich und widerspricht dem Palliativgedanken. Wer im Sterben
liegt, braucht vertraute Menschen, Ruhe und eine verlässliche
Versorgung“, betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. „Jedes
Pflegeangebot muss auch am Lebensende eine würdevolle Begleitung
ermöglichen.“
Zwtl.: Würdevolle Begleitung muss überall möglich sein
2022 wurde ein Fonds zum Ausbau der Hospiz- und
Palliativversorgung eingerichtet. Die Diakonie kritisiert mangelnde
Transparenz bei der Verwendung der Mittel. Soweit nachvollziehbar,
sei die so genannte spezialisierte Versorgung, die sich an
schwerstkranke Menschen mit komplexen Symptomen richtet, ausgebaut
worden. „Was wir begrüßen“, kommentiert Moser. Gleichzeitig weist die
Diakonie-Direktorin auf eine eklatante Lücke in der so genannten
palliativen Grundversorgung durch Hausärzte und mobile
Hauskrankenpflege sowie in Pflegeeinrichtungen hin: „ Für Menschen,
die zu Hause oder im Pflegeheim sterben, sind offenbar nur Restmittel
vorgesehen. Gute Begleitung am Lebensende muss überall möglich sein.
“
Zwtl.: Ausreichend Personal mit guten Qualifikationen
Weil Menschen heute länger zu Hause gepflegt werden können,
verbringen sie oft kurze Zeit im Pflegeheim. Nur etwa die Hälfte lebt
dort länger als ein Jahr. Damit kommt der Palliativpflege und
Sterbebegleitung in Pflegeeinrichtungen mehr Bedeutung zu.
Gleichzeitig werden die Möglichkeiten dafür immer knapper.
Qualifizierte Pflegekräfte fehlen, die Personalschlüssel werden
schlechter statt besser, Ärzt:innen sind für Pflegeheime oft nicht
verfügbar.
„Wenn die Pflegekräfte zu wenig Zeit haben und wenn die
Unterstützung von Ärzten und Ärztinnen, die Schmerzen behandeln
können, fehlt, dann wird Sterben im letzten Zuhause, dem Pflegeheim,
zum Problem. Geht die Entwicklung wieder Richtung Sterben im
Krankenhaus? Das wäre ein grober Rückschritt“, sagt Moser.
Zwtl.: Diakonie fordert Evaluierung und Ausbau laut
Regierungsprogramm
Die Diakonie verweist auf die im Hospiz- und Palliativfondsgesetz
für 2026 festgeschriebene Evaluierung des Hospiz- und Palliativfonds
und den im Regierungsprogramm vorgesehenen Ausbau der Versorgung.
Beides sei derzeit im Unklaren: „ Der allgemeine Spardruck darf das
Sterben in Würde nicht gefährden. Menschen brauchen mehr denn je die
Gewissheit, dass sie bis zuletzt keine Belastung sind, sondern
menschlich und kompetent begleitet werden “, so Moser. Ziel müsse ein
Rechtsanspruch auf Hospiz- und Palliativleistungen sein, unabhängig
von Lebensort, Alter und Erkrankung.