Haarentfernung

Armut und Hunger: UN-Ausschuss prüft Österreichs Verwirklichung der Menschenrechte

Wien (OTS) – „Heutzutage gibt es genügend Ressourcen und Nahrung für
alle. Dass
dennoch Menschen in Armut und Hunger leben, liegt an den enormen
sozialen Ungleichheiten. Sie heizen Krisen und Konflikte weiter an
und hindern Menschen daran, ihre Rechte wahrzunehmen“ , mahnt Lukas
Wank, Geschäftsführer des NGO-Dachverbands AG Globale Verantwortung ,
anlässlich des Welternährungstags und des Welttags für die
Beseitigung der Armut am 16. und 17. Oktober, und betont: „Eine
verantwortungsbewusste Politik kann dieses menschengemachte Problem
lösen, indem sie sich auch im Ausland für die Verwirklichung der
Menschenrechte einsetzt.“

Für die österreichische Bundesregierung steht dahingehend ein
wichtiger Termin an: In der ersten Novemberwoche prüft der UN-
Ausschuss für Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte , ob
Österreich diese sogenannten WSK-Rechte in angemessenem Ausmaß
weltweit stärkt. Für den Prüftermin hatten die AG Globale
Verantwortung und ihre Mitglieder Dreikönigsaktion der Katholischen
Jungschar Österreichs, FIAN Österreich, Licht für die Welt und VIDC
im Dezember 2025 den Vereinten Nationen einen zivilgesellschaftlichen
Bericht vorgelegt. Dieser sollte ursprünglich im Februar 2026
stattfinden.

Zwtl.: Ist die Ernährung gesichert, sinkt die Armut

„Hunger und Armut können nicht getrennt voneinander betrachtet
werden“, erörtert Lukas Schmidt, Geschäftsleiter von FIAN Österreich
. „Wenn Menschen nicht genügend Einkommen, keine soziale Absicherung
oder keinen gesicherten Zugang zu Land haben, verletzt das auch ihr
Recht auf Nahrung und eine angemessene Ernährung. Weltweit sind 2,3
Milliarden Menschen von sogenannter Ernährungsunsicherheit betroffen,
und auch in Österreich können sich 1,1 Millionen Menschen keine
gesunde Ernährung leisten. Sorgt die Politik hingegen dafür, dass
Ressourcen gerecht verteilt und Sozialsysteme gestärkt werden, dann
können Menschen ihr Recht auf Nahrung wahrnehmen und die Armut sinkt.
“

Dass mehr politisches Handeln dringend notwendig sei,
unterstreicht auch Veronika Schippani-Stockinger, Bundesvorsitzende
der Katholischen Jungschar Österreichs : „Trotz der zahlreichen
Erfolge der letzten 30 Jahre lebt noch immer jeder zehnte der rund
830 Millionen Menschen auf der Welt in extremer Armut, also von
weniger als rund 2,5 Euro pro Tag. Kinder sind doppelt so häufig
betroffen: Jedes fünfte Kind ist extrem arm.“

Gerade für junge Menschen in ländlichen Regionen sei eine
zukunftsfähige, agrarökologische Landwirtschaft ein Ausweg aus Armut
und Hunger, erklärt Schippani-Stockinger und nennt ein Beispiel: „Das
nepalesische Agroecology Youth Network bewahrt Saatgut, entwickelt
ökologische Anbaumethoden weiter und tritt für Menschenrechte ein. Im
Rahmen der internationalen Entwicklung muss Österreich nachhaltige
Landwirtschaft weltweit stärken und bäuerliche Rechte schützen.
Zugleich muss die Regierung sicherstellen, dass die österreichische
Außen-, Handels- und Agrarpolitik diese Vorhaben nicht
konterkarieren. “

Zwtl.: Behinderung und Armut: Den Teufelskreis durchbrechen

Auch Menschen mit Behinderungen sind um ein Vielfaches stärker
von Armut betroffen, hebt Ambrose Murangira, Senior Expert für
Disability Inclusion bei Licht für die Welt , hervor. „Menschen mit
Behinderungen machen 16 Prozent der Weltbevölkerung aus, davon leben
80 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Strukturelle Ungleichheiten und Vorurteile erstrecken sich von der
Schule bis in die Arbeitswelt: Sieben von zehn Menschen mit
Behinderungen sind nicht erwerbstätig oder arbeitssuchend gemeldet,
verglichen mit vier von zehn Menschen ohne Behinderungen“, verweist
er auf Daten aus 61 Ländern.

Österreich sei gefragt, sein Engagement in der internationalen
Entwicklung und Humanitären Hilfe auszubauen und dazu beizutragen,
dass auch Menschen mit Behinderungen weltweit ihre Rechte ausüben
können und gleichberechtigt in Entscheidungsprozesse einbezogen
werden, fährt Ambrose Murangira fort. „Die Inklusion von Menschen mit
Behinderungen ist nicht optional. Sie ist fundamental, um Armut und
Hunger weltweit beseitigen zu können. Und sie ist kein Akt der
Wohltätigkeit, sondern ein verankertes Recht.“

Zwtl.: Eine kohärente Politik und die Zusammenarbeit mit der
Zivilgesellschaft stärken

Sybille Straubinger, Direktorin des Vienna Institute for
International Dialogue and Cooperation (VIDC) , verweist auf
Österreichs vielfache Bekenntnisse zu den Menschenrechten und einer
Politikgestaltung, die Österreichs Interessen in Einklang mit einer
weltweiten nachhaltigen Entwicklung bringt. „Bekenntnisse lassen sich
nur durch echten politischen Willen umsetzen. Diesen lässt die
Regierung im Dreijahresprogramm der österreichischen
Entwicklungspolitik 2025–2027 erkennen; klare Finanzierungsziele,
Indikatoren und Prüfmechanismen, um ihre Einhaltung zu gewährleisten,
fehlen aber. Hinsichtlich der neuen Afrika-Strategie bleibt
abzuwarten, ob die Regierung bereit ist, das Gemeinwohl über
Unternehmensinteressen zu stellen und bestehende Machtverhältnisse
abzubauen.“

„Der Prüftermin des UN-Ausschusses bietet einen willkommenen
Ausgangspunkt, um Österreichs Engagement für die Menschenrechte und
eine kohärente Politik auf ein neues Niveau zu heben“, stellt Lukas
Wank fest und betont abschließend die zentrale Rolle
zivilgesellschaftlicher Organisationen: „Die Zivilgesellschaft in
Partnerländern und in Österreich zeigt nicht nur
Menschenrechtsverletzungen auf – beispielsweise gegen das Recht auf
Nahrung, Gesundheit, Bildung, Arbeit, Land und Wohnen –, sondern ist
eine erfahrene Partnerin, um Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.
Mit ihr gemeinsam kann die Regierung einen echten Beitrag zu einer
friedlicheren, stabileren und gerechteren Welt leisten.“