Wien (OTS) – Seit der COVID-19-Pandemie treten Atemwegserreger immer
häufiger
gleichzeitig oder kurz hintereinander auf. Gerade ältere Menschen
oder Personen mit Vorerkrankungen schlittern immer wieder von einer
Infektion in die andere, was mitunter zu längerfristigen
Komplikationen führen kann. Im Österreichischen Impfplan sind
deswegen insbesondere im Herbst und Winter mehrere Impfungen
empfohlen. Die meisten davon sind im öffentlichen Impfprogramm (ÖIP)
enthalten und stehen den Risikogruppen gratis zur Verfügung. Neue
Analysen zeigen nun, dass das ÖIP nicht nur die geimpften Personen
schützt, sondern sich auch kostensparend auf das Gesundheitssystem
und die Volkswirtschaft auswirkt.
Zwtl.: Respiratorische Keime zirkulieren immer öfter gleichzeitig
„ Während der COVID-19-Pandemie mit den entsprechenden
Schutzmaßnahmen sind manche Erkrankungen fast gar nicht aufgetreten.
Jetzt sehen wir praktisch das Gegenteil: eine Co-Zirkulation von
COVID-19, Influenza, Pneumokokken, RSV und anderen. Insbesondere
Influenza und Pneumokokken treten oft gleichzeitig beziehungsweise
aufeinanderfolgend auf “, berichtet Prim. Dr. Arschang Valipour,
Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, Klinik
Floridsdorf und Leiter des Karl Landsteiner Instituts für
Lungenforschung und pneumologische Onkologie. „ Jede Infektion kann
in weiterer Folge bei älteren Menschen zu einem anhaltenden Verlust
von Muskelkraft, Mobilität und Selbständigkeit führen. Außerdem
können respiratorische Infektionen das Risiko für eine weitere
Infektion nach sich ziehen. Impfungen können diesen Kreislauf an
mehreren Stellen durchbrechen. “
Zwtl.: Öffentliches Impfprogramm wird laufend ausgebaut
Genau aus diesem Grund gibt es in Österreich ein öffentliches
Impfprogramm, in dem verschiedene Impfungen bestimmten
Bevölkerungsgruppen kostenfrei angeboten werden. Grundlage dafür ist
der nationale Impfplan, der vor wenigen Wochen aktualisiert
veröffentlicht wurde. Ein Fokus des öffentlichen Impfprogramms ist
die Influenza-Impfung. „ Langfristig soll die Durchimpfungsrate bei
älteren Menschen sowie Personen mit erhöhtem Risiko für schwere
Verläufe auf 75 Prozent steigen “, erläutert Priv.-Doz.in Mag. a Dr.
in Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin Abteilung für Impfwesen
im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und
Konsumentenschutz. „ Um dieses Ziel zu unterstützen, wird das ÖIP
kontinuierlich ausgebaut und die Kommunikation optimiert. Für die
aktuelle Saison stehen knapp 1,7 Millionen kostenfreie Influenza-
Impfstoffe zur Verfügung – ein Anstieg von 12 Prozent im Vergleich
zum Vorjahr. “
Ebenfalls im ÖIP enthalten ist die Pneumokokken-Impfung für alle
Erwachsenen ab 60 Jahren und Personen mit gesundheitlichen
Risikofaktoren. Aus Sicht von Valipour ist sie eine unterschätzte
Impfung, da vielen Menschen in Österreich nicht bekannt sei, dass die
Pneumokokken zu den wichtigsten Erregern für Lungenentzündungen
gehören.
Zwtl.: COVID-19 ist gekommen, um zu bleiben
Aktuell zeigen sowohl die Abwasseranalysen als auch die
Krankenhausdaten einen ersten leichten Anstieg der COVID-19-
Fallzahlen. Um sich rechtzeitig auf eine mögliche neue Welle
vorzubereiten, empfiehlt der aktualisierte Impfplan eine
Auffrischungsimpfung gegen COVID-19 bereits im Spätsommer oder
Herbst. „ COVID-19 ist eine Krankheit, von der viele nichts mehr
hören wollen “, stellt OMR Dr. Rudolf Schmitzberger, Leiter des
Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer
fest. „ Die Realität ist aber: SARS-CoV-2 ist nicht verschwunden,
sondern wird uns weiterhin begleiten. Dass das Virus für viele seinen
Schrecken verloren hat, darf nicht dazu führen, dass wir die Risiken
für besonders gefährdete Menschen unterschätzen. “
Zwtl.: Mehrere Impfungen gleichzeitig möglich
Somit sind für viele Menschen in den nächsten Wochen und Monaten
mehrere Impfungen empfohlen. Konkret: Der COVID-Impfschutz sollte
idealerweise schon im Spätsommer oder Frühherbst, spätestens aber
jetzt aufgefrischt werden. Für die Influenza-Impfung ist der beste
Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Ende November, während die
Pneumokokken-Impfung ganzjährig durchgeführt werden kann. Aktuell
nicht im ÖIP für Erwachsene enthalten, aber im Österreichischen
Impfplan empfohlen ist die Impfung gegen RSV. Paulke-Korinek
erläutert: „ Eine RSV-Infektion kann bei Erwachsenen ab 60 Jahren
sowie bei Personen mit bestehenden Vorerkrankungen – ähnlich wie
andere respiratorische Erkrankungen – zu schweren Verläufen führen.
Aus diesem Grund wird aktuell eine einmalige Impfung für diese
Personengruppen angeraten. “
„ Wer mehrere verschiedene Impfungen benötigt, muss dafür nicht
zwangsläufig mehrere Termine einplanen. Es können zwei Impfungen
gleichzeitig verabreicht werden, wenn damit die Wahrscheinlichkeit
erhöht wird, dass sich eine Person tatsächlich impfen lässt “, weist
Schmitzberger auf eine mögliche Vereinfachung hin.
Zwtl.: Das öffentliche Impfprogramm rechnet sich
Mit dem Ausbau des öffentlichen Impfprogramms steigen natürlich
auch die Kosten dafür. Dass sich das Programm dennoch rentiert, zeigt
eine aktuelle Analyse des Instituts für pharmaökonomische Forschung (
IPF) im Auftrag des Österreichischen Verbandes der
Impfstoffhersteller (ÖVIH).
Die Impfungen gegen Influenza, Humane Papillomaviren (HPV),
Pneumokokken und Herpes Zoster (Gürtelrose) werden darin über eine
Zeitspanne von 2026 bis 2030 evaluiert. „ Für diesen Zeitraum ergibt
sich ein potenzielles Einsparungsvolumen von rund 1,06 Milliarden
Euro für das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft “, bringt Mag.
a Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖVIH, die Analyse auf den Punkt.
Neben den ökonomischen Effekten zeigt die Analyse auch einen
erheblichen gesundheitlichen Nutzen. „ Demnach könnten durch die
untersuchten Impfungen innerhalb von fünf Jahren rund 643.000
Krankheitsfälle und etwa 3.600 Todesfälle verhindert werden. Außerdem
ließen sich rund 152.000 Krankenstandsfälle sowie insgesamt rund zwei
Millionen Krankenstandstage vermeiden “, so Haslinger.
Zwtl.: Öffentliches Impfprogramm gezielt weiterentwickeln
Darüber hinaus regt der Verband die Erweiterung des Impfprogramms
um zusätzliche Indikationen, etwa RSV oder Pertussis, sowie die
Ausweitung bestehender Impfkontingente an. Weitere Empfehlungen
betreffen Datenerhebungen und Analysen, die Erweiterung des E-
Impfpasses sowie die Definition von Impfzielen.