Konstante Verbesserung der ärztlichen Ausbildung

Wien (OTS) – Seit vier Jahren führt die Bundeskurie angestellte Ärzte
(BKAÄ) der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Kooperation mit der ETH Zürich
und HF Partners eine umfassende Ausbildungsevaluierung unter allen
Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung durch – basierend auf einer
Befragung mittels Print-Fragebögen. Die Rekord-Rücklaufquote vom
Vorjahr (59 Prozent) konnte heuer auf 60,4 Prozent gesteigert werden.
Erstmals nahmen mehr als 6.000 Ärzte teil – diese Zahlen gab die ÖÄK
bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Noch erfreulicher ist die Entwicklung der Bewertung der acht
abgefragten Dimensionen (von einer Globalbewertung der
Ausbildungsstätte über Fehler-, Lern- und Führungskultur bis hin zum
Bereich „evidenzbasierte Medizin“): „In allen acht Bereichen gab es
Verbesserungen“, fasste Daniel von Langen, ÖÄK-Vizepräsident und
Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, zusammen. „49,5 Prozent der
beurteilten Ausbildungsstätten haben eine Bewertung von mindestens
5,0 von 6,0 Punkten erhalten – das ist eine Steigerung von 1,6
Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist aktuell quasi jede zweite
Abteilung ein potentieller Vorzugsschüler.“

Gleichzeitig ist auch die Anzahl jener Abteilungen, an denen
ausgebildet wird, gesunken, die – sozusagen ein „Genügend“ oder
„Nicht genügend“ erhalten haben. Das sind nur noch 10,9 Prozent.
„Fazit nach den vier Jahren, in denen wir die Ausbildungsevaluierung
gemeinsam mit der ETH Zürich durchführen, ist, dass die Ausbildung
immer besser bewertet wird. Die Ausbildungsevaluierung wirkt also
qualitätsverbessernd und hat die Zufriedenheit bei den Ärzten in
Ausbildung gesteigert“, so von Langen.

Bei der Beurteilung der Inhalte je nach Ausbildungsabschnitt lag
wie auch in den Vorjahren die Ausbildung in der Allgemeinmedizin –
also in der Lehrpraxis mit 1:1-Betreuung durch den ausbildenden Arzt
– mit 5,32 von 6,0 vorne. Bei den Dimensionen wiederum auffallend:
Die „Aufholjagd“ der evidenzbasierten Medizin, die erstmals über 4
von 6 Punkten erhielt (4,04).

Kleinere Abteilungen werden besser bewertet
Michael Siegrist von der ETH Zürich fasste die Ergebnisse generell
zusammen und verwies auch explizit auf die Verbesserung bei der
evidenzbasierten Medizin: „Die Resultate der Ausbildungsevaluierung
2026 zeigen eine erfreuliche Entwicklung. Die Rücklaufquote ist seit
2023 kontinuierlich gestiegen. 2026 haben sechs von neun
Bundesländern eine Rücklaufquote von über 60 Prozent erreicht. Dies
zeigt, dass die Befragung zunehmend in den Institutionen und in der
ärztlichen Ausbildung verankert ist. Die Gesamtbeurteilung hat sich
verbessert, wobei die Dimension ‘evidence based medicine‘ die
stärkste Verbesserung aufweist. Gleichzeitig ist der Anteil der
Ausbildungsstätten mit einer ungenügenden Beurteilung zurückgegangen.
Hinsichtlich der Größe der Ausbildungsstätte zeigen sich
Unterschiede: Kleinere Ausbildungsstätten und Lehrpraxen werden
besser bewertet.“

Onboarding mit Luft nach oben
Zusätzlich zu den acht Dimensionen werden jährlich zwei spezifische
Modulfragen abgefragt. Dieses Mal ging es um „Onboarding“ und
„Auswahl des Arbeitsplatzes“. Die Antworten beim Onboarding zeigen,
dass es dort noch viel Luft nach oben gibt: Ein Viertel der Befragten
gab zum Beispiel an, dass sie bei Stellenantritt nicht ausreichend in
die für die ärztliche Tätigkeit notwendigen administrativen und
organisatorischen Abläufe und die dazugehörigen Tools (z.B. KIS-
System) eingewiesen worden seien. Rund 40 Prozent wiederum hätten vor
dem Dienstantritt nicht den Arbeitsvertrag übermittelt bekommen – und
sogar 52 Prozent wurde kein inhaltlich und zeitlich detaillierter
Ausbildungsplan ausgehändigt, obwohl dies sogar gesetzlich laut
Paragraph 21 der österreichischen Ärzteausbildungsordnung 2015
vorgeschrieben ist.

„Das sind aus meiner Sicht keine zufriedenstellenden Ergebnisse“,
betonte Kim Haas, Bundeskurienobmann-Stellvertreterin und ÖÄK-
Turnusärztevertreterin: „Man muss sich um die Jungen viel besser
kümmern. Hier sind die Spitalsverwaltungen im Zusammenspiel mit den
einzelnen Abteilungen und deren Leitern gefordert. Dazu kommt, dass
sich jede Dritte bzw. jeder Dritte in den ersten zwölf Monaten vom
Dienstantritt weg oft nicht ausreichend auf die anstehenden
ärztlichen Aufgaben vorbereitet fühlt.“

„Wir appellieren daher an die Spitalsträger, mehr Fokus auf die
Einführungsphase in den Spitälern zu legen, Ausbildung ernst zu
nehmen und der nachrückenden Ärzte-Generation von Anfang an das
nötige Know-how weiterzugeben, damit sie so rasch wie möglich das tun
können, wofür sie ausgebildet wurden: Nämlich Ärztin oder Arzt und
sein – und zwar als vollwertiges, gut vorbereitetes Mitglied der
jeweiligen Abteilungsteams“, forderte Haas.

Wahl des Arbeitsplatzes: Eine Frage des Inhalts
Für die Wahl des Arbeitsplatzes wiederum sei die oberste Motivation –
so die Angaben der Befragten – das „Medizinische Leistungsspektrum
und die Inhalte“. Das ist für 76 Prozent eher bzw. sehr wichtig,
gefolgt vom Wohnort (67 Prozent) und der Wartezeit bis zum
Stellenantritt (62 Prozent). Haas schlussfolgerte: „Das zeigt, dass
unsere jungen Ärztinnen und Ärzte arbeiten und lernen wollen – und
zwar sofort, und nicht auf Wartelisten auf Plätze für die
Basisausbildung versauern. Es geht ihnen um die Medizin an sich, um
den Wohnort und wie lange man auf den Start ins Berufsleben wartet.
Ärzte wollen arbeiten und sich um die Patienten kümmern.“

Kümmern werde man sich auch wieder um eine detaillierte Analyse
der Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung. „Denn gut ist noch nicht
gut genug. Die Ausbildung unserer Ärztinnen und Ärzte ist ein enorm
wichtiges Fundament für ein starkes Gesundheitssystem. Deshalb werden
wir uns auf den wirklich erfreulichen Ergebnissen und der schönen
Entwicklung der vergangenen Jahre nicht ausruhen, im Gegenteil – wir
werden weiter mit vollem Einsatz für weitere Verbesserungen arbeiten.
Die Qualität der Ausbildung ist ein ganz entscheidender Faktor für
eine gute ärztliche Versorgung zum Wohle unserer Patientinnen und
Patienten“, so BKAÄ-Obmann von Langen.

„Ein ganz entscheidender Faktor für die Erfolgsgeschichte
Ausbildungsevaluierung sind aber unsere Ärztinnen und Ärzte selbst“,
unterstreicht von Langen. „Wir haben die Evaluierung zwar neu
aufgesetzt, aber die Ärzteschaft hat diese so ernstgenommen, dass die
jährliche Qualitätskontrolle bereits viele Verbesserungen bewirkt
hat. Und nicht, weil man ‚muss‘, sondern weil es ein sehr stark
ausgeprägtes Maß an Eigeninteresse an guter Ausbildung gibt.“

Ergebnisse ab sofort direkt abrufbar
Die Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung 2026 sind auf der ÖÄK-
Website unter https://ausbildungsevaluierung.aerztekammer.at/2026/
transparent und bis auf Abteilungsebene mittels so genannter
„Spinnengrafik“ dargestellt und abrufbar.