Wien (OTS) – Die Interessengemeinschaft Österreichische
Veranstaltungswirtschaft (
IGÖV), die sich aus allen relevanten Veranstaltern des Landes
zusammensetzt, ist durch das unreflektierte Vorhaben der Wiener
Politik rund um Bürgermeister Michael Ludwig , Finanzstadträtin
Barbara Nowak und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler sowie NEOS-
Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling alarmiert.
Die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft befindet sich durch
Inflation und Kostensteigerungen in einer kritischen Situation:
Aktuellen Studien zufolge sparen die Menschen aufgrund der
grassierenden Teuerung bei Freizeitaktivitäten. Die Strafsteuer für
Kulturinteressierte ist ein Geschenk an die US-Streamingdienste, die
keine Wertschöpfung hierzulande leisten und sich über neue Abonnenten
freuen, die sich keinen Kino-, Konzert- oder Museumsbesuch mehr
leisten können. Kulturinteressierte und Familien werden ins
Wohnzimmer verbannt. Das kulturelle Erlebnis bleibt gemäß des SPÖ-
Vorhabens wohlhabenden Eliten vorbehalten, während für Familien der
Zirkusbesuch zum unleistbaren Luxus wird. Den Erhalt kultureller
Vielfalt delegiert die Kulturhauptstadt an die Privatwirtschaft, die
ins Risiko und in Vorleistung gehen muss.
Zur Kasse gebeten werden alle Wiener. Massiv betroffen sind
private Veranstalter und der Bund: Etwa 67 Millionen der berechneten
120 Millionen Strafsteuer entfallen auf private Veranstalter und die
freie Szene. Weitere 40 Millionen entfallen auf Bundesmuseen und –
spielstätten. Mit 13 Millionen bittet sich die Stadt Wien in ihrem
absurden Vorhaben selbst zur Kasse.
Lebensfreude und gute Stimmung wie zuletzt am Wochenende unter
50.000 Fans der Toten Hosen wird der Stadt künftig geraubt.
Zwtl.: „Kulturteuro“: Will Kaup-Hasler das Kulturbudget um ein
Drittel erhöhen?
Das Kulturbudget der Stadt Wien beläuft sich im Jahr 2026 auf
322,28 Millionen Euro. Mehreinnahmen von bis zu 120 Millionen Euro,
die angeblich zweckgebunden verwendet werden sollen, würden eine
Steigerung des Kulturbudgets um fast ein Drittel bedeuten. Selbst bei
Berücksichtigung der weiterhin hohen Inflation und dem Wegfall der
Landesabgabe aus der ehemaligen ORF-Gebühr von rund 6,5 Millionen
Euro ist fraglich, was mit diesen massiven Mehreinnahmen geschehen
soll. Wien zählt im internationalen Vergleich bereits heute zu den
Metropolen mit den höchsten pro-Kopf-Ausgaben für Kultur.
Zwtl.: Kultur nur mehr für Elite leistbar: Wer ist betroffen?
– etwa 30 Millionen Besucher (verkaufte Tickets) kultureller
Veranstaltungen, die tiefer in die Tasche greifen oder zuhause
bleiben müssen
– über 26.000 Künstler (darstellende Kunst) in Österreich, von denen
etwa zwei Drittel in Wien ansässig sind und viele bereits jetzt in
prekären Verhältnissen leben
– bis zu 60.000 Arbeitsplätze in Wien, die direkt oder indirekt von
der Kulturbranche abhängig sind
– bis zu 2.000 Menschen aus den Bereichen Technik, Grafik,
Sicherheit, Gastronomie etc. sowie bis zu 1.000 Künstler werden in
die Arbeitslosigkeit getrieben und belasten den Staatshaushalt sowie
das kommunale Budget
– das gesamte Wirtschaftsleben der Stadt: Die Kultur- und
Veranstaltungsbranche schafft rund vier Milliarden Euro Wertschöpfung
pro Jahr
– der Bund, dessen subventionierte Museen und Spielstätten, die rund
40 Millionen „Kulturteuro“ zahlen werden müssen und Besucherrückgänge
erleiden werden. Zusätzlich drohen sinkende Steuereinnahmen (Umsatz-
und Körperschaftssteuer sowie Lohnabgaben).
– die von der Stadt Wien geförderten Institutionen zwischen Wien-
Holding-Museen und Vereinigte Bühnen Wien sowie Wiener Stadthalle,
die keine rund 2,2 Millionen Besucher mehr zählen werden; 30 Prozent
der Mieteinnahmen der Wiener Stadthalle entfallen auf internationale
Stars
– der im Einflussbereich der Stadt Wien stehende Ticketvertrieb Wien
Ticket mit rund 3,7 Millionen verkauften Eintrittskarten pro Jahr,
dessen Umsätze einbrechen werden
– der Tourismus und die Gastronomie, die weniger Gäste verzeichnen
werden: Alleine der Wegfall von Stadion-Konzerten würde circa 200.000
Nächtigungen kosten
– die Wiener Bälle, die mit 600.000 Besuchern einen
Gesamtwirtschaftsumsatz von 240 Millionen Euro erzielen
– die Wiener Kinos und der österreichische Film, der sich nach
Förderkürzungen bereits jetzt in einer Notlage befindet
– das Ernst-Happel-Stadion, das seine Mieteinnahmen zu 93 Prozent aus
Konzerten lukriert
Zwtl.: Kommunales Raubrittertum zu Lasten einer Nation: Statt Kultur
zu fördern, wird das Angebot abnehmen
„Der Wiener ‚Kulturteuro‘ ist nichts anderes als modernes
kommunales Raubrittertum, mit dem man bereit ist, über Leichen zu
gehen. Künstlerinnen und Künstler sind die Leidtragenden. Der ganze
Kulturstandort Österreich ist betroffen. Veranstaltungen werden nicht
nur in die Bundesländer abwandern, sondern gar nicht erst hierzulande
stattfinden. Der Facettenreichtum der Wiener Kulturlandschaft wird
erodieren und die Wienerinnen und Wiener bezahlen doppelt: für
kulturelle Veranstaltungen und ein vermindertes Angebot“ , hält Ewald
Tatar (Barracuda Music) fest.
Zwtl.: Wien schafft sich ab und verliert im internationalen
Wettbewerb: Das neue Minimundus der Veranstaltungslandschaft
In einer wirtschaftlich herausfordernden Situation verhöhnt die
Stadt mit ihrer geplanten Strafsteuer nicht nur Besucher, sondern
auch Künstler aller Genres und Veranstalter, die den Facettenreichtum
in der selbst titulierten Kulturhauptstadt Wien überhaupt erst
ermöglichen.
„Internationale Tourneen machen nicht an Landesgrenzen halt –
Städte und Märkte stehen in einem direkten Wettbewerb. Österreich ist
gegenüber Deutschland allein durch die höhere Umsatzsteuer auf
Tickets bereits um sechs Prozent im Nachteil. Kommen in Wien weitere
12,5 Prozent auf den Ticketpreis hinzu, wird daraus ein massiver
Wettbewerbsnachteil. Coldplay haben 2024 vier ausverkaufte Konzerte
im Ernst-Happel-Stadion gespielt und dabei pro Show rund fünf
Millionen Euro Ticketumsatz – nicht Gewinn – erzielt. Eine Abgabe von
12,5 Prozent hätte für diese vier Konzerte rund 2,5 Millionen Euro
zusätzliche Kosten bedeutet. Diese Millionen können weder Besucher
noch Veranstalter oder Künstler einfach absorbieren. Die Konsequenz
ist am Ende sehr einfach: Internationale Tourneen werden sich für
wirtschaftlich attraktivere Städte entscheiden – und Wien wird nicht
mehr bespielt“ , erklärt Matthias Rotermund (Live Nation).
„Die jährliche Wertschöpfung der Kulturveranstaltungen in Wien
beträgt circa vier Milliarden Euro. Allein eine Serie von
Stadienkonzerten wie es sie von Taylor Swift oder Coldplay gab – und
dann ziemlich sicher nicht mehr geben wird – generiert eine
Wertschöpfung in Wien von je 100 Millionen Euro, womit die IGÖV mit
einem Verlust von rund 500 Millionen Euro Wiener Wertschöpfung
rechnet. Hiervon wird nur ein Bruchteil von den anderen Bundesländern
aufgefangen werden können, der Rest wird für Österreich verloren
sein. Neben den Veranstaltern bedanken sich die Hotelerie, die
Gasthäuser und Wirte – sogar die Frisöre“ , hält die
Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft fest.
Veranstalter bringen internationale Acts mit entsprechend hoher
Wertschöpfung für die Stadt auf eigenes finanzielles Risiko und ohne
jegliche Subvention der öffentlichen Hand nach Wien. Die Stadt möchte
sich am unternehmerischen Risiko bereichern. Ein ausverkauftes
Stadionkonzert bringt einen Ticketumsatz von rund fünf Millionen
Euro. Die Abgabe in der Höhe von 12,5 Prozent würde bei einem
einzigen Konzert Mehreinnahmen für die Stadt von 625.000 Euro zur
bereits generierten Wertschöpfung bedeuten, ohne auch nur ansatzweise
einen Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung zu leisten. Gleichzeitig
wird Wien im internationalen Vergleich durch die strukturelle
Verteuerung unattraktiv: Standorte wie München, Prag oder Bratislava
wären durch wirtschaftlich erheblich bessere Rahmenbedingungen und
modernere sowie größere Stadien und Arenen die Gewinner in der
Tourneeplanung internationaler Acts. Im Umfeld von Wien gibt es kaum
einen gleichwertigen Ersatz für ein Ernst-Happel-Stadion oder die
Wiener Stadthalle, die die größten Konzerte und Shows des Landes
beheimaten. Schon heute ist der Trend zu beobachten, dass
Großkonzerte in weniger Städten und dafür mit mehr Shows gastieren.
Taylor Swift und Co. – die Stadt Wien kommunizierte damals eine
Wertschöpfung von rund 100 Millionen Euro – werden künftig wohl nicht
mehr in Wien gastieren.
„Wien degradiert sich zum neuen Minimundus in der internationalen
Veranstaltungswirtschaft. In Oberwart oder Parndorf könnten Träume in
Erfüllung gehen: Vielleicht plant Landeshauptmann Hans Peter Doskozil
schon ein neues Stadion, wenn Wien sich vorsätzlich von Großkonzerten
verabschiedet“ , so Ewald Tatar (Barracuda Music).
Zwtl.: „Kulturteuro“ ist ein Millionengeschäft für die Stadt
Um kurzfristig das bereits sehr hohe Kulturbudget zu sanieren,
riskiert die Stadtregierung unter Ludwig, Nowak und Kaup-Hasler sowie
Emmerling tausende Arbeitsplätze in einer Branche, die massiv zur
internationalen Reputation der Bundeshauptstadt und Wertschöpfung
beiträgt. Die Wertschöpfung würde durch die Einführung des
„Kulturteuros“ um eine halbe Milliarde Euro sinken.
Beispielsweise müssen die Vereinigten Bühnen Wien aufgrund einer
fragwürdigen Finanz- und Aufführungsstrategie mit rund 50 Millionen
Euro subventioniert werden. Von einem „Kultureuro“ kann keine Rede
sein, sondern nur von einem „Kulturteuro“: Bis zu 120 Millionen Euro
will die Stadt Wien laut Hochrechnungen der Interessengemeinschaft
Österreichische Veranstaltungswirtschaft durch die Hintertüre mit der
12,5-prozentigen Strafsteuer kassieren. Dem steht ein prognostiziert
geringerer Ticketumsatz in gleicher Höhe entgegen, der sich sowohl
auf private Veranstalter als auch auf Institutionen der öffentlichen
Hand – Stadt und Bund – verteilt.
Dass kulturelle Erlebnisse für Familien damit kaum leistbar sind,
scheint der Wiener Stadtregierung egal zu sein. Ebenso die wichtige
Funktion der Kultur für den gesellschaftlichen Diskurs und das
Gemeinschaftsgefühl. Von der Strafsteuer sind naturgemäß alle
Künstler und Veranstalter betroffen – von Kleinkunst bis Theater, von
Kabarett bis Musical, von Konzert bis Lesung, von Off-Theater bis
Oper, von Club bis Museum, von freier Szene bis Kino oder Ball.
Zwtl.: Mehr als ein Konzertbesuch: Weitreichende Folgen für
Wirtschaft und Gesellschaft
Während die Stadt Wien nur in kurzfristigen Einnahmen denkt, sind
die negativen Auswirkungen der Strafsteuer weitreichend und werden
die Steuerzahler im ganzen Land teuer zu stehen kommen lassen. Der
Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Events ist Teil des
sozialen Lebens und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Werden
Menschen – insbesondere ältere Semester – durch überteuerte Preise am
Besuch von Kultur-Events gehindert, führt dies zu sozialer Isolation
und Vereinsamung; im schlimmsten Fall mit psychischen Erkrankungen
als Folge.
Für Gäste aus dem Ausland wird Wien, das in vielen Branchen vom
Tourismus abhängig ist, uninteressant. Höhere Preise für kulturelle
Veranstaltungen und ein daraus resultierendes kleineres Angebot
machen eine Reise in die Hauptstadt unattraktiv.
„Mit dem harmlos klingenden ‚Kultureuro‘ schafft Wien nicht nur
Kultur ab. Wien schafft ab, wofür es international bekannt und
beliebt ist. Die unreflektierten Pläne der Stadtregierung unter
Ludwig, Nowak, Kaup-Hasler und Emmerling sind nicht nur ein Schlag
ins Gesicht der gesamten Kunst-, Kultur- und
Veranstaltungslandschaft: Sie gefährden den Standort, kosten
Arbeitsplätze und machen die Stadt in ihrer Gesamtheit unattraktiv“ ,
so die Interessengemeinschaft Österreichische
Veranstaltungswirtschaft einstimmig.
Weitere Informationen auf igoev.at