Medienvielfalt ist eine politische Entscheidung: Jetzt müssen die richtigen Weichen für Österreichs Medienzukunft gestellt werden

Wien (OTS) – Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hat
heute mit „Next
Level Medienpolitik – 15 Thesen für eine zukunftsorientierte
Medienpolitik“ ein Forderungspapier für die Weiterentwicklung der
medienpolitischen Rahmenbedingungen in Österreich vorgelegt. Im
Mittelpunkt steht die Frage, wie ein vielfältiger, unabhängiger und
wirtschaftlich tragfähiger Medienstandort unter den Bedingungen des
digitalen und globalen Wettbewerbs gesichert werden kann.

Denn Österreichs Medienlandschaft steht unter erheblichem
Veränderungsdruck: Globale Plattformen ziehen mittlerweile zwei
Drittel aller Werbeausgaben aus Österreich ab und gefährden damit die
wirtschaftliche Basis und die Zukunft heimischer Medien. Der VÖP
sieht dringenden Handlungsbedarf in vier zentralen Bereichen:

1. Medienförderung ausbauen und modernisieren

Eine zeitgemäße Medienförderung muss Vielfalt, Qualität,
Österreich-Bezug und digitale Transformation stärken. Der
Privatrundfunkfonds sollte von dzt. 25 auf mind. 50 Mio. Euro erhöht
werden. Neben linearen Angeboten sollten auch online-first -Inhalte
von Privatsendern förderfähig sein. Ähnlich der Print-
Zustellförderung sollten auch die steigenden Verbreitungskosten im
Privatrundfunk berücksichtigt werden. Kooperationen bei digitalen
Transformationsprojekten müssen erleichtert werden.

2. Mehr Freiraum und Flexibilität für privaten Rundfunk

Österreichische Medien stehen in direktem Wettbewerb mit globalen
Plattformunternehmen. Die Regulierung muss diese veränderten
Marktbedingungen berücksichtigen und heimischen Medien mehr Freiräume
geben. Kooperationen und Zusammenschlüsse zwischen privaten
Medienanbietern müssen rechtssicher und leichter möglich sein – von
Organisation und Vermarktung bis zu Programm und Verbreitung.
Gleichzeitig sollten nicht mehr zeitgemäße Werbe- und Aufsichtsregeln
überprüft und modernisiert werden.

3. ORF-Reform zur Stärkung des Medienstandorts nutzen

Die starke Marktposition und stabile Finanzierung des ORF sollten
im Interesse des gesamten Medienstandorts genutzt werden. Der VÖP
fordert daher eine gesetzliche Kooperationspflicht des ORF zugunsten
privater Medien , etwa bei Inhalten, Archiv, Lizenzen, Produktions-
und Distributionsinfrastrukturen sowie technologischen Entwicklungen.
Eine ORF-Reform darf keinesfalls dazu führen, dass öffentlich-
rechtliche Angebote private Medien verdrängen, insbesondere in
digitalen Zukunftsmärkten. Eine Ausweitung des ORF-Angebots oder
seiner kommerziellen Aktivitäten ist aufgrund der negativen
Markteffekte daher abzulehnen.

4. Faire Marktchancen im digitalen Wettbewerb

Der VÖP fordert faire Wettbewerbsbedingungen und mehr
Verantwortung für globale Plattformen , unter anderem bei Inhalten,
Jugendschutz und den gesellschaftlichen Folgen ihrer
Geschäftsmodelle. Die Digitalsteuer sollte auf ein effektiveres
Niveau von 10 bis 15 Prozent weiterentwickelt werden. Die
Auffindbarkeit österreichischer Medienangebote auf digitalen
Benutzeroberflächen muss sichergestellt werden. Gleichzeitig braucht
es Anreize für Werbeschaltungen in heimischen redaktionellen Medien.
Zusätzliche Belastungen für den österreichischen Privatrundfunksektor
lehnt der VÖP angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage
vehement ab.

Christian Stögmüller, VÖP-Präsident: „ Österreichs Medien agieren
heute in einem Markt, dessen Spielregeln sich grundlegend verändert
haben. Sie konkurrieren längst nicht mehr nur miteinander, sondern
mit globalen Plattformkonzernen,die einen immer größeren Teil des
Werbemarktes an sich ziehen. Umso wichtiger sind faire
Wettbewerbsbedingungen und mehr Freiraum für heimische Medien. “

Alexander Winheim, stv. VÖP-Präsident: „ Wer Medienvielfalt und
unabhängigen Journalismus in Österreich erhalten und stärken will,
muss auch für ihre wirtschaftlichen Grundlagen sorgen. Gerade die
anstehende ORF-Reform ist eine zentrale Weichenstellung. Sie muss den
gesamten Medienstandort stärken und die Voraussetzungen für fairen
Wettbewerb schaffen. Das gilt ebenso für eine zielgerichtete
Medienförderung und faire Spielregeln im digitalen Markt.“

Corinna Drumm, VÖP-Geschäftsführerin: „ Mit unserem
Forderungspapier setzen wir wichtige Impulse für die medienpolitische
Diskussion: Österreich braucht eine Medienpolitik, die den
Medienstandort fit für die Zukunft macht – mit einer
zukunftsorientierten ORF-Reform, einer gattungsspezifischen
optimierten Medienförderung, mehr Spielraum für Kooperationen und
Innovation und mehr Fairness im digitalen Wettbewerb. “

Download des Thesenpapiers: www.voep.at/downloads/2026-09-
07_VOEP_15_Thesen_fuer_zukunftsorientierte_Medienpolitik.pdf