Salzburg (OTS) – Hoch über dem Obersulzbachtal in der Venedigergruppe
liegt eine
Graterhebung, die seit 1988 als „Pillewizer“ bezeichnet wird. Am
Freitag, den 28. August 2026, wurde das Gipfelschild im Rahmen einer
vom Alpenverein Salzburg organisierten Veranstaltung offiziell
entfernt. „Manchmal erzählt ein kleines Gipfelschild eine erstaunlich
große Geschichte. Indem wir das Schild abnehmen, distanziert sich der
Alpenverein von einer personenbezogenen Ehrung, die nicht mit unserer
Haltung für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimmt“,
betont Gerd Frühwirth , Vorsitzender der Alpenvereinssektion
Salzburg.
Enge Verbindung mit Alpenverein
Wolfgang Pillewizer war seit seiner Studienzeit in Graz Mitglied
des Alpenvereins. Bereits 1936 arbeitete er in der
Alpenvereinskartographie mit. Seine wissenschaftliche Beschäftigung
mit Hochgebirgskartographie und Gletscherforschung führte ihn auch in
die Venedigergruppe. Lange wurde Pillewizer vor allem als bedeutender
Geograph, Kartograph und Gletscherforscher gewürdigt. Seine
Vergangenheit im Nationalsozialismus blieb dabei unbeleuchtet.
Als eine bisher unbenannte Erhebung in den Hohen Tauern 1988
seinen Namen erhielt, trugen Bergsteiger Steine auf den Gipfel, um so
die 3000-Meter-Marke zu erreichen. Nach Recherchen von Nicole
Slupetzky , Historikerin und Vizepräsidentin des Österreichischen
Alpenvereins, wurde die Benennung schon damals kontrovers diskutiert.
Die Salzburger Ortsnamenkommission, in der auch der Alpenverein
vertreten war, äußerte sich kritisch, ließ die Benennung aber
schließlich doch zu.
Gipfel ohne Namen
Die Kürsinger-Hütte, die höchstgelegene Schutzhütte des
Alpenverein Salzburg, führte den „Pillewizer“ lange Zeit als
Tourenziel an, ab nun ist das Ziel ein Gipfel ohne Namen. Die
künstliche Aufschichtung der Steine am höchsten Punkt wurde bei der
Begehung symbolisch entfernt: „Ein Berg muss weder größer gemacht
noch mit einem großen Namen versehen werden, um Bedeutung zu haben.
Sein Wert liegt nicht in einer runden Zahl oder in einer Gedenktafel,
sondern in seiner Natur, seiner Geschichte und in unserer Begegnung
mit ihm“, sagt Nicole Slupetzky.
Von der Dr.-Heinrich-Hackel-Hütte zur Sölden-Hütte
Dass der Alpenverein historisch belastete Ehrungen neu bewertet,
zeigte sich zuletzt auch im Tennengebirge. Der Alpenverein Salzburg
beschloss im Frühjahr 2025 einstimmig, die bisherige Dr.-Heinrich-
Hackel-Hütte wieder Sölden-Hütte zu nennen – so hieß sie bereits bei
ihrer Eröffnung 1913. Heinrich Hackels antisemitische Haltung und
seine Rolle in den Konflikten um die jüdisch-liberale
Alpenvereinssektion Donauland hatten zu einer Neubewertung seiner
Ehrung geführt.
Mit der Entfernung des Pillewizer-Gipfelschildes setzt der
Alpenverein einen weiteren Schritt in der Aufarbeitung der
Vergangenheit. Die Bezeichnung wird in den eigenen Touren- und
Informationsangeboten überprüft und entsprechend angepasst.
Über die amtliche Führung geografischer Namen entscheidet der
Alpenverein jedoch nicht allein. Deshalb wird mit den zuständigen
Stellen geklärt, welche Schritte erforderlich sind, damit die
Erhebung auch in Karten und geografischen Datenbeständen künftig
wieder ohne den Personennamen geführt werden kann. Nicht verschwinden
soll allerdings die Erinnerung, denn, so Slupetzky, nur mit einem
kritischen Blick auf die Schattenseiten der eigenen Geschichte, könne
Ähnliches in Zukunft verhindert werden.
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