„Tierische Kunst – Die wilde Talenteshow“ in „Universum“

Wien (OTS) – Suda hat eine Vorliebe für Landschaftsbilder. Sie malt
mit dem Pinsel
auf Leinwand, manchmal steht ihr sogar ein Kollege Modell. Nichts
Ungewöhnliches – nur handelt es sich bei der Künstlerin um eine
Elefantendame. Ist das echtes Talent? Können Tiere wirklich kreativ
sein? „Universum“ geht dieser spannenden Frage nach und findet im
neuen Naturfilm „Tierische Kunst – Die wilde Talenteshow“ von Volker
Arzt und Robert Sigl (ORF-Barbeitung: Leyla Movahedi) am Dienstag,
dem 1. September 2026, um 20.15 in ORF 2 und auf ORF ON verblüffende
Verhaltensformen in der Luft, an Land und unter Wasser. Rund 80
Drehtage in sieben Ländern waren die Filmemacher Volker Arzt und
Robert Sigl für die Produktion von NDR Naturfilm/doclights im Auftrag
des NDR, in Zusammenarbeit mit WDR, SWR, ARTE und ORF unterwegs, um
die „Wilde Talenteshow“ der Tiere zu dokumentieren. Doch der
Ausgangspunkt für den Film lag ganz nahe, erinnert sich Volker Arzt:
„Zuerst war es eine Kreuzspinne vor dem Küchenfenster, dann ein
Kanarienvogel, später Katze und Pudel – die kognitiven Fähigkeiten
der Tiere haben mich seit jeher interessiert: Können sie denken,
fühlen, träumen? Oder läuft alles nach genetisch vorgegebenen Mustern
ab? Deshalb war es für mich ein Riesengeschenk, diesen Film zusammen
mit Robert machen zu dürfen! Wir haben uns gefragt: Gibt es so etwas
wie Kunst auch bei Tieren?“

Schon bei der Definition, was Kunst ist, scheiden sich die
Geister. Sie ist mehr als eine kreative Ausdrucksform, die ästhetisch
ansprechende Objekte schafft. Denn sie kann Gedanken oder Gefühle für
andere erfahrbar machen, Bedeutungen transportieren, Fragen stellen
oder sogar Gesellschaftskritik äußern. Nur Menschen sind dazu fähig.
Aber ist das wirklich so? Schließlich gibt es Tiere, die ihre
musische Begabung schon im Namen tragen. Ihre Bühne sind die Wiesen
und Wälder: Singvögel! Und die haben sogar schon Wolfgang Amadeus
Mozart aus einer Schaffenskrise geführt – genauer gesagt hat ihn ein
besonderer Vogel inspiriert, sein zahmer Star.

Musikalisches Talent beweisen aber auch Buckelwale vor der Küste
Hawaiis. In der Paarungszeit tragen die Männerchöre einen kunstvollen
Wal-Song mit mehreren Strophen vor, der mit bis zu 190 Dezibel durch
den Ozean schallt. Das ist laut genug, um Weibchen zu beeindrucken,
die Hunderte Kilometer entfernt sind. Weißhandgibbons singen hingegen
miteinander: Sie verkünden ihre monogame Partnerschaft, indem sie ein
Duett anstimmen. Was auch dazu dient, die Grenzen ihres Reviers in
den Regenwäldern Südostasiens abzustecken.

Nicht nur mit Gesang, auch mit anderen Kunstformen lassen sich
Weibchen verführen. Im Regenwald Neuguineas stellt der
Strahlenparadiesvogel sein Gefieder zu einem regelrechten Ballerina-
Röckchen auf, bevor er die Tanzfläche zum Beben bringt. Buntbarsche
wiederum errichten perfekte Sandkegel am Grund des Tanganjikasees in
Ostafrika. Je harmonischer und glatter, desto attraktiver sind diese
Paarungshügel für Weibchen, die dort ihre Eier ablegen sollen.
Baukunst, deren einzige Bestimmung ist, ihren Architekten in Szene zu
setzen. Tiere singen, tanzen oder vollbringen architektonische
Spitzenleistungen. Doch drücken sie auf diese Weise ihr Innenleben
oder Ideen künstlerisch aus? Oder handelt es sich lediglich um
angeborene Verhaltensmuster? Wenn gestalterische Tätigkeiten Vorteile
bei der Partnersuche und damit für die Fortpflanzung versprechen,
dann zahlen sich solche aufwendigen Strategien aus. Und wer dabei
persönlichen Stil entwickelt oder kreativ wird, kann aus der Masse
hervorstechen.

Regisseur Robert Sigl bringt es noch einmal auf den Punkt:
„Tierische Kunst findet man überall auf der Welt, nur ist sie für die
Tiere keine Kunst, sondern einfach Teil ihres Lebens und Überlebens.
Umso schöner, dass wir Menschen vieles davon ansprechend finden.
Wahrscheinlich liegen auch die Anfänge menschlicher Kunst im
Werbeverhalten um das andere Geschlecht. Menschen sind eben auch
,nur‘ Tiere.“ Fest steht, dass die Natur und ihre Lebewesen schon
seit Beginn der Menschheitsgeschichte als künstlerische
Inspirationsquelle dienen. Damals wie heute liegen die Wurzeln von
Kunst oft im aufmerksamen Blick auf unsere Umgebung. Und somit sind
die Wechselwirkungen zwischen Tierreich und Menschenwelt nicht von
der Hand zu weisen – nicht nur bei Mozarts Klavierkonzert in G-Dur.