Wien (OTS) – Fast ein Drittel aller Schüler*innen in Österreich
erhalten
Nachhilfe. Allein bei den Volksschulkindern brauchen bereits 23
Prozent zusätzliche Unterstützung. Diese heute präsentierten Zahlen
der Arbeiterkammer zeigen: Nachhilfe – 144 Millionen Euro jährlich –
ist längst zu einem erheblichen Kostenfaktor für Familien geworden.
Besonders schwierig ist die Situation für armutsgefährdete Kinder.
Sie benötigen aufgrund schwierigerer Lernbedingungen häufig
zusätzliche Förderung, ihre Eltern können sich private Nachhilfe aber
vielfach nicht oder nicht im notwendigen Ausmaß leisten.
„ Ob ein Kind in der Schule erfolgreich ist, darf nicht davon
abhängen, wie viel Geld seine Eltern verdienen oder ob sie am Abend
bei Mathematik und Deutsch helfen können. Wir brauchen eine
gemeinsame Schule ohne Rucksack, die unterschiedliche Voraussetzungen
ausgleicht und jedes Kind bestmöglich fördert “, fordert Volkshilfe-
Direktor Erich Fenninger.
Zwtl.: Bildung wird immer noch vererbt
Lernen, Üben und Hausübungen finden zu einem erheblichen Teil zu
Hause statt. Doch die Voraussetzungen dafür sind höchst
unterschiedlich. Nicht alle Eltern haben die Möglichkeiten und
Ressourcen beim Lernen zu helfen. Nicht jedes Kind hat einen ruhigen
Lernplatz. Familien fehlt Zeit, Geld und Wissen zur Anschaffung von
Lernspielen, Förderheften oder entwicklungsfördernden Ressourcen.
„Aus unserer Arbeit mit armutsbetroffenen Familien wissen wir,
dass beengte Wohnverhältnisse, finanzielle Sorgen und der damit
verbundene Stress auch das Lernen von Kindern erschweren. Gerade für
Familien mit wenig Einkommen sind zusätzliche 720 Euro pro Kind und
Jahr für bezahlte Nachhilfe nicht zu stemmen“, betont Fenninger.
Damit verschärft Nachhilfe ein grundsätzliches Problem:
Bildungswege werden in Österreich noch immer stark vererbt. Wer
bessere finanzielle Voraussetzungen mitbringt, kann zusätzliche
Förderung kaufen. Kinder aus einkommensarmen Familien haben diese
Möglichkeit häufig nicht.
Der Chancenbonus für Schulen mit besonderen Herausforderungen war
ein wichtiger Schritt der Bundesregierung. Jetzt muss es weitergehen.
„Unterschiedliche Startbedingungen müssen ausgeglichen werden und
Förderung dort angeboten, wo sie hingehört: in der Schule. Ein
wichtiges Mittel zur Entlastung der Familien ist eine
Kindergrundsicherung, die allen Kindern materielle Sicherheit und
damit bessere Voraussetzungen für Bildung und gesellschaftliche
Teilhabe gibt“, schließt Fenninger.