Equal Pension Day: 45 Versicherungsjahre gehen an der Lebensrealität vieler Frauen vorbei

Wien (OTS) – Der Equal Pension Day am 9. August macht sichtbar, was
viele Frauen
im Alter täglich erleben: Sie erhalten durchschnittlich 39,4 Prozent
weniger Pension als Männer. Während Männer im Schnitt 2.664 Euro
brutto Pension beziehen, sind es bei Frauen lediglich 1.614 Euro.
„Die Rechnung für fehlende Gleichstellung wird Frauen im Alter
präsentiert. Wer im Berufsleben weniger verdient, in Teilzeit
arbeitet oder wegen Kinderbetreuung und Pflege Erwerbsunterbrechungen
hat, erhält später auch eine niedrigere Pension. Altersarmut ist kein
persönliches Versagen, sondern die Folge struktureller Ungleichheit“,
betont Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes
Österreichs (PVÖ). ****

45 Versicherungsjahre lösen kein einziges Problem

Der Pensionistenverband Österreichs weist die Forderung nach
einem Pensionsantritt erst nach 45 Versicherungsjahren entschieden
zurück. „Der Vorschlag ist nicht zu Ende gedacht und geht völlig an
der Lebensrealität vieler Frauen vorbei“, so Gerstorfer.

Derzeit gilt die gesetzliche Mindestversicherungszeit
grundsätzlich mit 15 Versicherungsjahren (180 Versicherungsmonaten)
als erfüllt, davon müssen zumindest sieben Jahre auf Erwerbstätigkeit
entfallen. Eine starre Hürde von 45 Versicherungsjahren würde diese
Mindestversicherungszeit verdreifachen – und gerade Frauen besonders
treffen.

Die Zahlen der Pensionsversicherung zeigen das deutlich: Frauen
verfügen beim Antritt ihrer Alterspension im Durchschnitt über 450
Versicherungsmonate, also 37,5 Versicherungsjahre. Männer kommen auf
497 Versicherungsmonate beziehungsweise 41,4 Jahre. Selbst
durchschnittliche Erwerbsbiografien liegen damit deutlich unter der
von Landeshauptmann Mattle geforderten Grenze von 45
Versicherungsjahren. „45 Versicherungsjahre beseitigen weder die
Lohnunterschiede noch schaffen sie Arbeitsplätze für ältere Frauen.
Sie würden lediglich dazu führen, dass viele Frauen noch länger in
der Altersarbeitslosigkeit verweilen oder hohe Abschläge in Kauf
nehmen müssten. Das schließt keine Pensionslücke – es verschärft
soziale Ungleichheit“, betont Gerstorfer.

Ursachen statt Symptome bekämpfen

Der PVÖ fordert gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige
Arbeit, bessere Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer, eine stärkere pensionsrechtliche Absicherung von
Kindererziehungs- und Pflegezeiten sowie wirksame Maßnahmen gegen
Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt durch ein Bonus-Malus-System
für Betriebe. „Wer die Pensionslücke wirklich schließen will, muss
die Ursachen bekämpfen – ungleiche Einkommen, unfreiwillige Teilzeit,
unterbrochene Erwerbsverläufe und fehlende Arbeitsplätze für ältere
Frauen. Nicht die Zahl der Versicherungsjahre ist das Problem,
sondern fehlende Chancengleichheit während des gesamten
Erwerbslebens. Genau dort muss die Politik ansetzen“, so Gerstorfer
abschließend.