Schmuckenschlager/Mayr/Wagner: Ohne lebensfähige Bauernhöfe keine Versorgungssicherheit

Mold (OTS) – Bei der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer
Niederösterreich am
6. Juli standen die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit, die
langfristige Absicherung der Wasserversorgung, faire
Wettbewerbsbedingungen bei Agrarimporten sowie die Sicherstellung der
tierärztlichen Versorgung im ländlichen Raum im Fokus. „Ohne
lebensfähige Bauernhöfe gibt es keine Versorgungssicherheit. Damit
wir Bäuerinnen und Bauern auch morgen hochwertige Lebensmittel
produzieren können, brauchen wir faire Rahmenbedingungen und eine
wirtschaftliche Perspektive“, waren sich Kammerpräsident Johannes
Schmuckenschlager sowie die Vizepräsidenten Andrea Wagner und Lorenz
Mayr einig.

„Die Landwirtschaft steht derzeit vor enormen Herausforderungen.
Deshalb müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden, um die
Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln langfristig
abzusichern, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die
notwendigen Zukunftsinvestitionen konsequent voranzutreiben“, betonte
der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich Johannes
Schmuckenschlager .

„Gerade zur Erntezeit stehen unsere heimischen Bäuerinnen und
Bauern vor enormen Herausforderungen. Die anhaltende Trockenheit
setzt den Betrieben massiv zu. Umso wichtiger ist es, dass auf die
Wertschätzung für ihre Arbeit auch die entsprechende Wertschöpfung
folgt. Sie leisten an 365 Tagen im Jahr einen unverzichtbaren Beitrag
zur Versorgungssicherheit und verdienen dafür nicht weniger, sondern
mehr Unterstützung“, hielt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf fest.

Zwtl.: Wasser wird zur zentralen Zukunftsfrage

Die seit Wochen anhaltende Trockenheit und die zusätzliche
Hitzeperiode haben in weiten Teilen Niederösterreichs erhebliche
Ertragsausfälle zur Folge. Betroffen sind sowohl der Marktfruchtbau
als auch die Grünlandwirtschaft und damit die Eigenfutterversorgung
vieler tierhaltender Betriebe. „Die Betroffenheit auf den Betrieben
ist enorm. Die Kombination aus Trockenheit, Hitze und steigenden
Produktionskosten bringt uns Bäuerinnen und Bauern an unsere
Grenzen“, erklärte Lorenz Mayr , Vizepräsident der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Das zeigt deutlich, dass die Sicherung der Wasserversorgung
mittlerweile einer der zentralen Zukunftsfragen für die heimische
Landwirtschaft ist. Wasser ist eine entscheidende Ressource für die
Lebensmittelproduktion. Es braucht heute daher mehr denn je
langfristige und tragfähige Lösungen. Positiv bewertet die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich demzufolge den in dieser Woche
vorgelegten Vorhabensbericht für das UVP-Verfahren des Projekts Donau
-Pannonia-Wasserversorgung, so Schmuckenschlager: „Wir brauchen
langfristige Lösungen für die Wasserversorgung – von regionalen
Speicherprojekten bis hin zu großen Infrastrukturvorhaben. Wasser
dort zu halten und verfügbar zu machen, wo es gebraucht wird, ist
eine der aktuell wichtigsten Aufgaben.“

Zwtl.: 1 Cent pro Semmel ist zu wenig

Die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe bleibt trotz hoher
Anforderungen angespannt. Während die Produktionskosten steigen,
kommt bei den bäuerlichen Familienbetrieben oft nur ein geringer Teil
des Verkaufspreises an. Vor diesem Hintergrund verwies Mayr auf den
tatsächlichen Wert heimischer Lebensmittel: „Am Beispiel einer Semmel
zeigt sich die Situation besonders deutlich: Vom Verkaufspreis einer
Semmel bleibt für uns Bäuerinnen und Bauern derzeit nur 1 Cent übrig.
Für eine nachhaltige Absicherung der heimischen
Lebensmittelproduktion bräuchte es aber zumindest 2 Cent.“ Der Anteil
der Landwirtschaft am Endprodukt ist also sehr gering – der Großteil
entfällt auf Verarbeitung, Energie, Personal, Transport und Handel.
„Niemand muss sich Sorgen um die Versorgung machen. Aber wenn wir
auch künftig hochwertige Lebensmittel aus heimischer Produktion haben
wollen, muss sich das auch in fairen Erzeugerpreisen niederschlagen“,
erklärte Mayr.

Zwtl.: Kein Wettbewerb mit zweierlei Maß

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich bekräftigte weiters
ihre Forderung nach fairen Wettbewerbsbedingungen bei Agrarimporten.
Österreichs Bäuerinnen und Bauern produzieren nach höchsten Umwelt-,
Tierwohl- und Qualitätsstandards weltweit und tragen die daraus
entstehenden Mehrkosten. Gleichzeitig gelangen Lebensmittel auf den
Markt, die unter Produktionsbedingungen erzeugt wurden, die in
Österreich verboten sind. „Die Konsumentinnen und Konsumenten
verlassen sich auf geprüfte Qualität und hohe Standards. Es kann
nicht sein, dass Lebensmittel importiert werden, die unter
Bedingungen erzeugt wurden, die in Österreich aus gutem Grund
unzulässig sind. Es darf keinen Wettbewerb mit zweierlei Maß geben.
Wer höchste Standards von uns Bäuerinnen und Bauern verlangt, muss
dafür sorgen, dass diese auch für Importware gelten“, betonte
Schmuckenschlager.

Neben einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung fordert die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich daher einen konsequenten
Importstopp für Lebensmittel, die unter Bedingungen produziert
wurden, die in Österreich verboten sind. Das Beispiel Frankreich
zeigt, dass nationale und europäische Maßnahmen zum Schutz von
Konsumentinnen und Konsumenten sowie der heimischen Landwirtschaft
rechtlich möglich und politisch durchsetzbar sind. Österreich und die
EU dürfen ihre Handlungsspielräume für Importbeschränkungen nicht
ungenutzt lassen.

Tierärztliche Versorgung im ländlichen Raum absichern
„Große Sorge bereitet uns die zunehmend angespannte tierärztliche
Versorgung im ländlichen Raum“, erklärte Andrea Wagner ,
Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Der
Mangel an Großtierärztinnen und Großtierärzten gefährdet zunehmend
die flächendeckende Betreuung landwirtschaftlicher Betriebe sowie die
Sicherstellung von Tiergesundheit, Tierwohl und
Lebensmittelsicherheit. Insbesondere strukturelle Ursachen wie
Pensionierungen, fehlender Nachwuchs sowie die geringe Attraktivität
der Nutztierpraxis führen zu einer Unterversorgung. Dadurch gerät die
flächendeckende tierärztliche Betreuung landwirtschaftlicher Betriebe
immer stärker unter Druck. „Die tierärztliche Versorgung unserer
Nutztiere ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer funktionierenden
Landwirtschaft. Wir brauchen daher rasch wirksame Maßnahmen, um die
Versorgung insbesondere im ländlichen Raum langfristig
sicherzustellen“, stellt Wagner klar.

Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich spricht sich daher für
einen verbesserten Zugang zum veterinärmedizinischen Studium für
angehende Nutztierärztinnen und Nutztierärzte aus und setzt sich für
die gezielte Förderung für Niederlassungen in unterversorgten
Regionen sowie den Ausbau moderner Gemeinschaftspraxen ein, um die
Attraktivität des Berufsfeldes nachhaltig zu stärken. Gemeinsam mit
dem Land Niederösterreich und der Tierärztekammer arbeitet die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich bereits an konkreten
Lösungsansätzen, um die tierärztliche Versorgung langfristig
sicherzustellen.