Wien (OTS) – „Es geht um Verbesserungen bei der 24-Stunden-Betreuung.
Es geht um
Fairness den BetreuerInnen gegenüber und um Unterstützung für die
betreuten Familien, damit sie sich die Betreuung auch weiterhin
leisten können“, sagt heute Bibiana Kudziova, Berufszweigsprecherin
der PersonenbetreuerInnen in der Fachgruppe Wien Personenberatung und
Personenbetreuung und aktiv tätige Personenbetreuerin im Vorfeld des
Ersten Österreichischen Tages der Personenbetreuung am kommenden 1.
Juli.
Für Verbesserungen hat die Plattform Personenbetreuung (
www.plattform-personenbetreuung.at ) bereits etliche Vorschläge
gemacht, erinnert Kudziova und verweist insbesondere auf jenen
Vorschlag, mit dem den BetreuerInnen sofort mehr netto vom Brutto
bliebe.
Zwtl.: Einführung eines SVS-Fonds für PersonenbetreuerInnen
Ein neuer SVS-Fond für PersonenbetreuerInnen würde die Zahlung
der Sozialversicherungsbeiträge für BetreuerInnen übernehmen. Damit
würde ihnen monatlich von ihren Bruttohonoraren netto um bis zu
einigen hundert Euro mehr übrigbleiben. Wie Kudziova erläutert,
orientiert sich dieses Modell am schon bestehenden
Künstlersozialversicherungsfonds. Das neue Modell für BetreuerInnen
wurde bereits den Verantwortlichen in der SVS vorgestellt.
Zwtl.: Höhere Förderungen und angepasste Einkommensgrenzen für
betreute KlientInnen sind Gebot der Stunde
Mit dem 1. Ersten Österreichischen Tag der Personenbetreuung am
1. Juli will die Branche der Personenbetreuung – BetreuerInnen und
Organisationen von Personenbetreuung („Vermittlungsagenturen“) – den
Fokus auf jene Maßnahmen lenken, die notwendig sind, um die Betreuung
in den eigenen vier Wänden, die 24-Stunden-Betreuung, für die Zukunft
abzusichern. Kudziova: „Vor 19 Jahren, am 1. Juli 2007 trat in
Österreich das Gesetz in Kraft, das die Personenbetreuung regelt. Nun
müssen die Grundlagen dazu weiterentwickelt werden.“
Damit sich die Familien die Betreuung rund um die Uhr, in den
eigenen vier Wänden auch weiterhin leisten können, sind vor allem
zwei Maßnahmen notwendig: 1. die Anhebung der monatlichen Förderung
von derzeit 800 Euro auf 1.600 Euro, um den Betreuerinnen faire
Honorare bezahlen zu können und 2. die Anhebung der monatlichen
Einkommensgrenze bis zu der die betreuten Klientinnen und Klienten
die Förderung zu Gänze bekommt. Diese Einkommensgrenze liegt seit dem
Jahr 2007 unverändert bei 2.500 Euro und müsste, hätte man sie
valorisieret, bei rund 4.000 Euro liegen.
Zwtl.: Kudziova verlangt faire Bedingungen und technische Hilfsmittel
bei der Arbeit
Für die BetreuerInnen verlangt Kudziova „endlich, nach 19 Jahren
echte Verbesserungen unserer Arbeitsbedingungen. Wir BetreuerInnen
sind es müde, ständig über unsere Pausenzeiten diskutieren zu müssen
und gegen den Mythos anzukämpfen, dass wir rund um die Uhr arbeiten
müssten.“
Die Branchenvertreterin betont auch, dass 24-Stunden-Betreuung
nicht 24 Stunden Arbeit bedeutet: „Jeder Mensch braucht Erholung,
Schlaf und Zeit für sich. Dennoch verzichten viele Betreuerinnen aus
finanziellen Gründen oder aus Rücksicht auf die Familien regelmäßig
auf ihre gesetzlich und menschlich notwendigen Pausen.“
Es müssen aber auch, so Kudziova, grundlegende technische
Voraussetzungen für eine würdige Betreuung gewährleistet sein, die
vielfach fehlen. Dazu gehören, so führt die Fachfrau aus, Hilfsmittel
wie höhenverstellbare Pflegebetten, Rollstühle oder Lifte (zum Heben
und Senken der betreuten Personen), sowie hygienische Artikel und
Pflegeprodukte. „Es darf nicht sein, dass BetreuerInnen fehlende
Ausstattung durch körperliche Mehrbelastung und auf Dauer dann mit
körperlichen Schäden ausgleichen müssen“, berichtet Kudziova aus dem
Arbeitsalltag von BetreuerInnen.
Zwtl.: Falsche Versprechen von selbsternannten VertreterInnen helfen
niemanden
Nichts hält Kudziova davon, wenn selbsternannte VertreterInnen
ihren KollegInnen falsch Versprechungen machen, oder Modelle
vorlegen, die nicht einmal mathematisch stimmen. “Das ist versuchte
Bauernfängerei, die niemanden hilft. Mit dem Ersten Österreichischen
Tag der Personenbetreuung am 1. Juli wollen wir nicht nur die
Unverzichtbarkeit der Personenbetreuung für das österreichische
Sozialsystem betonen, sondern auch realistisch umsetzbare und
finanzierbare Maßnahmen einfordern. Und Respekt für unsere Arbeit
zeigt sich nicht in Worten, sondern in endlich konkreten Maßnahmen“,
betont die Wiener Berufszweigsprecherin der PersonenbetreuerInnen,
Bibiana Kudziova.
Zwtl.: Am 1. Juli wird Positionspapier als gemeinsames Projekt von
BetreuerInnen, WKW-Fachgruppe und vidaflex vorgestellt
Im Rahmen der Aktivitäten zum 1. Juli, dem Ersten
Österreichischen Tag der Personenbetreuung, wird auch das
Positionspapier „Qualität in der 24-Stunden-Betreuung aus der
Perspektive selbständiger PersonenbetreuerInnen” vorgestellt. Es ist
ein gemeinsames Projekt der daran beteiligten Personenbetreuerinnen,
der Fachgruppe Wien Personenberatung und Personenbetreuung (WK Wien)
und der gewerkschaftlichen Initiative vidaflex. Erarbeitet wurde es
in einem gemeinsamen Workshop mit in Österreich tätigen Betreuerinnen
aus sechs Ländern Ost- und Südosteuropas. Präsentiert wird das Papier
beim Expertentalk der Plattform Personenbetreuung am 1. Juli, ab
13:45 Uhr im APA-Pressezentrum (gesonderte Einladung folgt). Ziel ist
es, die Anliegen der BetreuerInnen in die Beratungen der
Pflegeentwicklungskommission des Sozialministeriums zur Reform der
Personenbetreuung einfließen zu lassen.