Wien (OTS) – Die Klimaerwärmung verändert den Wasserhaushalt in
Österreich. Das
zeigen neue Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts „Wasser im
Klimawandel“ – eine Studie im Auftrag des BMLUK – die heute
präsentiert wurde. Im Mittelpunkt stehen darin die klimawandelbedingt
gestiegene Verdunstung, die sinkenden Grundwasserstände sowie die
Folgen auf die Trinkwasserversorgung, die Lebensmittelproduktion und
Ökosysteme.
Umweltminister Norbert Totschnig : „Die neuen Zwischenergebnisse
bestätigen, was wir bereits klar beobachten: Der Klimawandel
verändert den Wasserhaushalt in Österreich. Um diesen
Herausforderungen wirksam zu begegnen, müssen wir Entwicklungen
frühzeitig erkennen und unser Handeln auf eine solide
wissenschaftliche Grundlage stellen. Die Ergebnisse der Studie bilden
die Basis für den nächsten nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan
und die nationale Wasserstrategie. Damit schaffen wir die Grundlage
für ein klimaangepasstes Wassermanagement in der
Trinkwasserversorgung, der Lebensmittelproduktion sowie unserer
Ökosysteme“.
Stärkere Verdunstung
Ein zentraler Befund der aktuellen Zwischenergebnisse betrifft die
Verdunstung. Sie ist in Österreich zwischen 1980 und 2010 markant
gestiegen und liegt seither auf einem sehr hohen Niveau. Die
Messdaten zeigen, dass die jährliche Verdunstung in Österreich in
diesem Zeitraum um rund 80 Millimeter gestiegen ist. Das entspricht
80 Litern Wasser pro Quadratmeter und Jahr, die zusätzlich zur
bisherigen Verdunstung in die Atmosphäre entwichen sind – eine
Zunahme von rund 17 Prozent.
Auch nach 2010 ist die Verdunstung weiter gestiegen, allerdings
weniger als zuvor. Für den Zeitraum 2010 bis 2025 zeigen die Daten
eine weitere Zunahme von rund drei bis fünf Prozent. Die zusätzlich
verdunstete Wassermenge bleibt damit auf hohem Niveau und steigt
zusätzlich leicht an .
„Dass die Verdunstung heute weniger stark zunimmt als in den
Jahrzehnten davor, ist keine Entwarnung. Es bedeutet nicht, dass sich
die Lage entspannt oder weniger Wasser in die Atmosphäre abgegeben
wird. Ein wesentlicher Grund ist vielmehr, dass die Böden zunehmend
trockener sind und dadurch weniger Wasser zur Verfügung steht, das
zusätzlich verdunsten kann. Verstärkt wird dieser Effekt durch
rückläufige Sommerniederschläge“, erklärt Dr. Klaus Haslinger ,
Hydroklimatologe bei GeoSphere Austria. Er ist gemeinsam mit Prof.
Günter Blöschl (TU Wien) für die wissenschaftliche Leitung von
„Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“
verantwortlich. Die umfassende Wasserstudie wird derzeit im Auftrag
des BMLUK durchgeführt.
Markanter Rückgang des Grundwasserstands
Neben der Verdunstung zeigen die aktuellen Zwischenergebnisse der
Studie auch Veränderungen bei den Grundwasserständen. Die Messdaten
belegen in den vergangenen zehn Jahren eine Abnahme der
Grundwasserstände. Im Mittel sanken diese um 30 bis 50 cm. Regional
variieren die Veränderungen der Grundwasserstände – auf das gesamte
Bundesgebiet umgelegt bedeutet dies jedoch eine markante
Trendänderung im österreichischen Wasserhaushalt.
Diese Abnahme steht einerseits im Zusammenhang mit der erhöhten
Verdunstung, andererseits mit geringeren Niederschlagsmengen im
Sommer. Betroffen von den sinkenden Grundwasserständen ist
grundsätzlich ganz Österreich – besonders deutlich zeigt sich der
Rückgang derzeit in Salzburg, Oberösterreich und Teilen des östlichen
Kärntens. Auch die Niederwassermessungen, also die
Wasserstandsmessungen von Flüssen bei niedrigem Wasserstand, passen
zu diesem Bild: In den vergangenen fünf bis zehn Jahren zeigten diese
im Mittel ebenfalls eine deutliche Abnahme der Wassermenge.
Für die kommenden Jahrzehnte ist insgesamt mit tendenziell niedrigen
Grundwasserständen zu rechnen. Die im Rahmen der Studie bereits im
Jänner präsentierten Projektionen der Niederschlagsmuster stützen
diese Einordnung: Sie zeigen, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts
insbesondere im Sommer mit rückläufigen Niederschlagsmengen zu
rechnen ist.
Unterstützung für die Land- und Forstwirtschaft
Die Veränderungen im Wasserhaushalt haben auch Auswirkungen auf die
heimische Land- und Forstwirtschaft. Derzeit wird in Österreich nur
ein niedriger Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen
bewässert. Mit zunehmenden Trockenperioden wird der
Bewässerungsbedarf in einzelnen Regionen und bei ausgewählten
Kulturen jedoch steigen. Das BMLUK unterstützt daher einerseits
gezielt Investitionen in effiziente Bewässerungssysteme und fördert
andererseits Bewirtschaftungsformen wie z.B. Begrünungen, die den
Wasserrückhalt fördern. Gleichzeitig wird in Forschung und Zucht
trockenheits- und hitzetoleranter Sorten im Acker-, Obst- und
Gemüsebau sowie dem Grünland investiert, um die Landwirtschaft
bestmöglich an den Klimawandel anzupassen.
Bundesminister Norbert Totschnig: „Österreich ist ein wasserreiches
Land und unser Auftrag ist, diese wertvolle Ressource auch für
kommende Generationen zu sichern. Deshalb investieren wir heute in
Vorsorge, Infrastruktur, Forschung und Versorgungssicherheit. Mit dem
Trinkwasser-Sicherungsplan und einer vorausschauenden Wasserpolitik
schaffen wir die Grundlage dafür, dass Trinkwasser auch in Zukunft in
ausreichender Menge und bester Qualität verfügbar bleibt. Ein
besonderes Augenmerk legen wir auf die Klimawandelanpassung in der
Lebensmittelproduktion, einerseits durch effiziente
Bewässerungsmaßnahmen in der Landwirtschaft und andererseits durch
nachhaltige Bewirtschaftungsformen.“
Österreichs langjährige Datenbasis stärkt die Studie
Eine besondere Stärke der Studie „Wasser im Klimawandel“ ist die hohe
Qualität der zugrunde liegenden Daten, die im internationalen
Vergleich außergewöhnlich ist. Österreich verfügt über besonders
lange und dichte Messreihen zum Wasserhaushalt; der Hydrographische
Dienst wurde bereits 1893 gegründet. Dadurch kann das Forschungsteam
Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte fundiert einordnen und eine
belastbare Grundlage für künftige Projektionen und
Anpassungsmaßnahmen schaffen.
Hinweis: „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“
untersucht die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen
Wasserhaushalt. Im Fokus stehen unter anderem Niederschlag,
Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und
Niederwasser. Die Studie entsteht im Auftrag des Bundesministeriums
für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und
Wasserwirtschaft sowie den Bundesländern. Sie wird durchgeführt von
führenden österreichischen Forschungsinstitutionen: Der TU Wien, der
GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien. Die nun
präsentierten Zwischenergebnisse sind Teil einer umfassenden Analyse
und dienen als wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung
der österreichischen Wasserpolitik. Der finale Bericht erscheint Ende
2026 und wird detaillierte Prognosen für Österreich bis 2100
enthalten.
Weiterführende Informationen finden Sie auf wasseraktiv.at/wasser-im-
klimawandel
Fotos:
https://www.bmluk.gv.at/fotoservice/Pressekonferenzen—
Fototermine/2026/Pressekonferenz-Wasser-im-Klimawandel.html