Bauernhof des Jahres 2026: „Unser Strom kommt fast nur vom Dach“

Graz (OTS) – Bauernhof des Jahres 2026: Unser Strom kommt fast nur
vom Dach –
daher haben unsere Biohendl auch kaum Stress. Der beliebte Titel
„Bauernhof des Jahres“, den die Landwirtschaftskammer Steiermark
jährlich vergibt, geht 2026 an Erhard, Eva, Sabrina und Julia Greinix
aus Edelschrott. Als Land- und Forstwirt hat Erhard Greinix schon
zahlreiche Höhen und Tiefen durchgemacht. Eine der größten
Tiefschläge war, als der Sturm Paula vor 20 Jahren fast seine
gesamten Waldflächen zunichtemachte. Doch der ambitionierte Landwirt
und Agrardienstleister, der mit Ballenpresse und Co. anderen
Landwirten Arbeiten abnimmt, gab nicht auf. 2017 investierte er
kräftig in einen Biomasthendl-Stall, 2021 nochmals in einen
sogenannten Voraufzuchtstall, in dem Greinix die Küken bis zu ihrem
29. Lebenstag aufzieht bis sie schließlich in seinen Biomasthendl-
Stall einziehen. 9.600 Biomasthühner betreut Erhard Greinix, die
einen Wintergarten sowie einen freien Auslauf auf die Hühnerweide
haben. Dass die Biomasthühner kaum Stress haben werden, hängt mit der
Leidenschaft von Erhard Greinix zur Photovoltaik zusammen. Doch wie?

Umweltfreundlich: 96 Prozent des Stroms kommt vom Dach. Auf den
Dächern seiner Wirtschaftsgebäude hat Erhard Greinix bereits 2011 die
ersten Photovoltaik-Module zur Herstellung von Sonnenstrom
installiert und diese kontinuierlich erweitert. Er begann mit einer
Leistung von 20 kWp und baute diese auf heute 60 kWp aus . „Damit
kann ich 96 Prozent des gesamten Stromverbrauchs für die
Landwirtschaft und die beiden Wohneinheiten versorgen“ , freut sich
Greinix und spart sich damit sehr, sehr hohe Stromrechnungen. Denn
der Stromverbrauch für das computergesteuerte Stallmanagementsystem
wie die Steuerung der Fütterung, Lüftung und Ventilatoren, der
Lufttemperatur, der Heizung, der Luftfeuchtigkeit und des Lichtes ist
enorm. Errichtet hat er die Photovoltaik-Anlagen, um
energieunabhängiger zu werden, Umwelt sowie Klima zu schonen und vor
allem für das Tierwohl. Greinix : „Ich schütze meine Biomasthühner
vor einem Black-out durch eigenen Strom und mit einem System aus
Notstromaggregaten und Stromspeichern, die einen Stromausfall in den
Ställen absolut verhindern.“ Erhard Greinix, für den als Landwirt
„das Rechnen“ zu einen der wichtigsten Kompetenzen zählt, wird in
absehbarer Zeit seinen Betrieb an Tochter Sabrina übergeben, die an
der Karl-Franzens-Universität Graz Umweltsystemwissenschaften mit
Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre studiert hat.

Platz 2 für David und Bernadette Hausleitner aus Markt
Hartmannsdorf: Farina-Vulkanlandweizen für die Brotherstellung,
Vulkanlandschweine und Strom vom Dach. David Hausleitner zeigt
kompromisslos, wieviel Qualität in Regionalität steckt – er setzt auf
Farina-Vulkanlandweizen und Vulkanlandschweine. Er begründet: „Unsere
Chance liegt in der Regionalität, nicht jedoch in der Produktion für
den Weltmarkt.“ Seit zwölf Jahren wächst auf seinen Feldern Farina-
Vulkanlandweizen, der für die Brotherstellung prioritär verwendet
wird. „Die Qualitätsanforderungen für den Farina-Vulkanlandweizen
sind sehr hoch, daher sind perfekte Pflegearbeiten das Um und Auf“,
sagt der engagierte Landwirt, der einer der 35
Vulkanlandweizenproduzenten ist. Bei diesem Premium-Brotgetreide
kommt es vor allem auf den Proteingehalt, die Klebeeigenschaften, das
Hektolitergewicht, die Lagerfähigkeit und die Feuchtigkeit an.
Hausleitner , der mit einer Ernte von 100 Tonnen einer der größten
Farina-Vulkanlandweizenproduzenten ist, betont: „Es werden ständig
Proben gezogen, um diese Eigenschaften zu überprüfen.“ Der
landwirtschaftliche Facharbeiter ist auch begeisterter Schweinehalter
und setzt auf Vulkanlandschweine. Warum? „Weil Regionalität durch die
Marke Vulkanlandschwein garantiert ist“ , unterstreicht David
Hausleitner . Er begründet: „Vulkanlandschweine sind im Umkreis von
30 Kilometern geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet, die
Transportwege sind kurz und der C0 2 -Fußabdruck ist klein.“ Mit dem
Erst- und Drittplatzierten verbindet Hausleitner die Herstellung von
Sonnenstrom am Dach. Hausleitner : „Mit der 50 KWp Photovoltaikanlage
samt Speicher, die seit Februar installiert sind, wird etwa
dreiviertel des jährlichen Stromverbrauchs für Fütterungstechnik,
Lüftung, Silotechnik, Heizung und das Privathaus erzeugt.“

Platz 3: Kerstin und Karl Klug aus Mooskirchen – besonderer
Tierwohlstall, Hofmolkerei und Sonnenstrom vom Dach. Kerstin Klug
beherrscht das Handwerk des Käsens – 13 verschiedene Sorten hat sie
im Angebot: vom „Gießenberg-Käse“, mit dem sie 2025 den ersten
Landessieg holte, über den „Jungen Mooskirchner“ und „Weststeirer“
bis hin zum Weichkäse „Der Karl“, benannt nach ihrem Ehemann, von dem
sie auch das Käsen lernte. Im August bringt Kerstin Klug eine neue
Käsesorte auf den Markt: Wolfis Pfefferbiss, der vier Monate reift.
50.000 bis 70.000 Liter Milch verarbeitet Kerstin Klug pro Jahr, die
das Käsen zu ihrem Hauptberuf machte. Die strikte Arbeitsteilung am
Hof macht es, dass Karl Klug vorwiegend für die Stall- und
Außenarbeiten verantwortlich ist. Hier gab es 2020 einen großen
Wachstumsschub. Karl Klug: „Wir haben einen besonderen Tierwohlstall
gebaut, bei dem die Tiere das Gefühl haben mitten in einer Wiese zu
liegen. Sie haben sehr viel Licht, Luft, Sonne sowie getrennte Fress-
und Liegeplätze. Mehr kann man für die Tiere nicht mehr tun.“ Gebaut
wurde dieser Stall nach wissenschaftlichen Erkenntnissen der
Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein. Ausgerichtet ist dieser
Tierwohlstall für 60 Milchkühe und deren Nachzucht, in Summe 120
Rinder. Seit einem halben Jahr ist auch ein Melkroboter in Betrieb,
der Arbeitserleichterung schafft und die Tiergesundheit und Tierwohl
fördert. Und 2027 wird um einen Trockensteherbereich erweitert.
Erneuerbare Energie ist bei Familie Klug ebenfalls großgeschrieben.
Der Sonnenstrom kommt vom Dach und von PV-Freiflächen, der über eine
besondere Form einer Energiegemeinschaft geliefert wird. Die Wärme
wird von Hackschnitzeln aus dem eigenen Wald hergestellt. Zwischen 80
und 90 Prozent des Strom- und Wärmebedarfs wird durch erneuerbare
Energie gedeckt.

Zahlen und Fakten. Zwischen 16. März und 16. April fand die Wahl
zum Bauernhof des Jahres 2026 statt. Insgesamt wurden 15.507 Stimmen
abgegeben, davon 5.514 Unterschriften-Stimmen und 9.993 Online-
Stimmen. Familie Greinix holten sich 4.768 Stimmen. 3.207 Stimmen
bekam der Zweitplatzierte David Hausleitner. Familie Klug erzielte
insgesamt 2.910 Stimmen. Der Wettbewerb „Bauernhof des Jahres“ wird
als Publikumsvoting geführt. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb von
der Landwirtschaftskammer Steiermark und der Fachzeitung
Landwirtschaftliche Mitteilungen. Insgesamt stellten sich 22 land-
und forstwirtschaftliche Betriebe diesem Bewerb.