Wien (OTS) – Die Gastronomie-Branche klagt seit Jahren über
Fachkräftemangel. Aber
auf die Personalpolitik der Masse der Betriebe hat das wenig
Einfluss, wie sich in der AK Beratungspraxis an diesem und vielen
ähnlichen Fällen zeigt: Eine Köchin wurde gekündigt, weil sie
angeblich „zu wenig flexibel“ bei der Dienstplaneinteilung gewesen
sei. Ludwig Dvořàk, Bereichsleiter der arbeitsrechtlichen Beratung in
der Wiener Arbeiterkammer kritisiert: „Mit dieser Hire-and-fire-
Personalpolitik wird die Gastro den Fachkräftemangel nicht in den
Griff bekommen. Stattdessen muss die Branche faire Arbeitsbedingungen
und Löhne bieten.“
Die Köchin arbeitete insgesamt zehn Monate lang bei dem
Arbeitgeber. Erst wurde sie nur für 20 Wochenstunden angemeldet und
bekam dafür 955 Euro brutto pro Monat. Der Arbeitgeber war sichtlich
zufrieden mit der Arbeitsleistung der Arbeitnehmerin. Denn nach drei
Monaten vereinbarten beide eine Aufstockung auf Vollzeit. Dafür bekam
die Arbeitnehmerin nunmehr 1.950 Euro brutto im Monat.
„Doch obwohl die Arbeitnehmerin mehr geleistet hat, hat der
Arbeitgeber sie nach sechs Monaten zu einer einvernehmlichen
Auflösung des Arbeitsverhältnisses gedrängt“, so Dvořàk. Die
Arbeitnehmerin weigerte sich, das Schreiben zu unterzeichnen. Da
behauptete der Arbeitgeber auf einmal, die Köchin sei „zu wenig
flexibel“ bei Dienstplanänderungen gewesen – und sprach eine
„Kündigung mit sofortiger Wirkung“ aus.
Die Frau holte sich Hilfe bei der Arbeiterkammer und klagte ihren
offenen Lohn, Sonderzahlungen, Kündigungsentschädigung und
Urlaubsersatzleistung ein. Das Arbeits- und Sozialgericht gab der
Frau Recht: Sie bekam insgesamt 8.900 Euro brutto zugesprochen. Nach
ersten Teilzahlungen unterstützt die AK Wien derzeit noch dabei, dass
die Arbeitnehmerin den noch offenen Restbetrag bekommt.
Dvořàk: „Eine Kündigung mit sofortiger Wirkung kann nur in
beiderseitigem Einvernehmen vereinbart werden. Bei einer normalen
Kündigung durch den Arbeitgeber gibt es immer eine Kündigungsfrist,
während der der Lohn weitergezahlt werden muss. Insgesamt erleben wir
solche Fälle in der Gastronomie leider oft: Unplanbare Arbeitszeiten
und hire-and-fire. So wird das nichts mit den Fachkräften in der
Gastro.“