KHM: Antike Frauenporträts im Fokus internationaler Forschung

Wien (OTS) – Internationales Netzwerk an Wissenschaftler*innen rollt
Bedeutung und
Geschichte der Porträtplastik von Frauen in der Antike auf.
Ungleichgewicht in der Forschung im Vergleich zu Männerporträts soll
ausgeglichen werden.

Von 19. bis 22. Mai werden rund 60 interdisziplinäre Expert*innen
aus den Bereichen Archäologie, Kunstgeschichte, Philologie,
Konservierung und Restaurierung, Materialanalyse sowie Digital
Humanities die Bedeutung und Geschichte der Porträtplastik von Frauen
in der Antike aufrollen – lange ein Randthema in der Forschung.
Wissenschaftler*innen aus ganz Europa analysierten
Materialzusammensetzungen, Fertigungstechniken und -schritte der
weiblichen Bildnisse. Eingriffe und Veränderungen an den Objekten
wurden auf umfassende Weise untersucht und dokumentiert um Original
und Ergänzungen zu unterscheiden.In vielen Fällen reichen diese bis
ins 16. Jahrhundert zurück und zeigen, was man damals von antiken
Skulpturen erwartete und wie man Kunstwerke dem eigenen Zeitgeschmack
und Verwendungszweck unterwarf. Sie erzählen dabei von ihrer
Erscheinung und welch wichtige Rolle ein oft unterschätztes Detail
spielt: die Frisur. An dieser lassen sich nämlich zentrale Fragen der
Porträtforschung erschließen – von der Datierung bis zur Identität
der Dargestellten.

Eines der wichtigsten Ziele des Symposiums, dessen Schwerpunkt
auf archäometrischen sowie konservatorisch-restauratorischen Analysen
und auf der Erforschung des Potenzials digitaler Technologien für die
Rekonstruktion liegt, ist es, zu einem reichhaltigeren und
differenzierteren Verständnis der Rolle der Frauenporträtkunst in der
griechisch-römischen Bildhauerei beizutragen.

Ich freue mich sehr, dass so viele Wissenschaftler*innen unserer
Einladung gefolgt sind. Das Kunsthistorische Museum zählt zu den
weltweit führenden Kompetenzzentren für museumsrelevante
Forschungsfelder. Als Mitveranstalter und Austragungsort dieses
Symposiums führt das Kunsthistorische Museum seine lange Tradition
als impulsgebende Institution für Geisteswissenschaftliche
Grundlagenforschung fort , so Generaldirektor Jonathan Fine.

Zwtl.: Internationale Zusammenarbeit und erste Ergebnisse

Ausgangspunkt für das Zusammentreffen der Wissenschaftler*innen
ist ein internationales Netzwerk, das sich der antiken weiblichen
Porträtplastik und dem seit langem bestehenden Ungleichgewicht in der
Forschung im Vergleich zu Männerporträts widmet, an dem auch das KHM
beteiligt ist. Es untersucht nicht nur Typologie und Ikonografie
dieser Werke, sondern auch ihre gesellschaftliche Rolle, symbolische
Bedeutung sowie ihre wechselvolle Rezeption von der Antike bis in der
Neuzeit.

In der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums befinden
sich insgesamt rund 250 römische Marmorbildnisse, bei 63 Objekten
handelt es sich um weibliche Porträts, die unter Leitung der
Kuratorin Manuela Laubenberger in einem Forschungsprojekt untersucht
werden.

Überraschend hat sich gezeigt, dass viele Bildnisse bereits in
der Antike umgearbeitet oder in der Renaissance restauriert oder
ergänzt wurden, teilweise so geschickt, dass die Eingriffe lange
unbemerkt blieben, so Kuratorin Manuela Laubenberger. Köpfe erhielten
neue Frisuren, angepasst an wechselnde Moden oder aus pragmatischen
Gründen wie Materialknappheit. Aus namenlosen, geschichtslosen oder
verunreinigten Porträts konnte unser Projektteam eine Reihe von
Bildnissen herauskristallisieren, die viel über ihr Schicksal
verraten haben – von der Art der Aufstellung in der Antike über die
Zerstörung bis zur nachantiken Restaurierungsgeschichte. Dabei
stellte sich die Arbeit mit Restaurator*innen und Spezialistinnen auf
dem Gebiet der Marmoranalyse als überaus hilfreich heraus.

Zwtl.: Forschung vermitteln – Sonderpräsentation in der
Antikensammlung

Ein erster Teil der Ergebnisse der Forschungstätigkeit ist für
das Publikum derzeit in der achten Ausgabe der Reihe „Vitrine Extra“
in der Antikensammlung des KHM zu sehen. Unter dem Titel My Story –
Antike Frauenporträts und ihr Nachleben erzählen mehrere
Frauenporträts ihre eigene, ganz persönliche Geschichte und eröffnen
Besucher*innen einen unmittelbaren wie überraschenden Zugang zur
aktuellen Forschung an römischen Porträts.

Forschung im Museum ist das Gegenteil von Wissenschaft im
Elfenbeinturm: Sie geschieht mitten in der Gesellschaft und erreicht
ein großes Publikum, so Generaldirektor Jonathan Fine.

Internationales Symposium
ANTIQVAE FEMINAE
Ancient Female Sculptural Portraits and their Afterlife – Studies,
Analyses and Digital Reconstructions
19. bis 22. Mai 2026, Forum Weltmuseum Wien
KHM-Museumsverband
Programm: https://www.antiquaefeminae.com/international-symposium

Ausstellung
My Story – Antike Frauenporträts und ihr Nachleben
Kunsthistorisches Museum, Antikensammlung
Bis 20. September 2026
Website: https://www.khm.at/ausstellungen/my-story-antike-
frauenportraets-und-ihr-nachleben
Presseunterlagen: https://www.khm.at/museum/presse/my-story-antike-
frauenportraets-und-ihr-nachleben