Wien, am 5.5. (OTS) – Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat im
Rahmen eines Citizen-
Science-Ansatzes Leitungswasserproben aus ganz Österreich auf die
Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) untersuchen lassen.
Das Ergebnis : 54 von 55 untersuchten Proben enthalten TFA. Die
Proben wurden insgesamt 44 Wasserversorgungsanlagen zugeordnet, die
zusammen rund 3,9 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen. Die
gemessenen Konzentrationen reichen von 0,05 bis 4,6 µg/l. Alle
untersuchten Proben liegen zudem über dem aus dem Pestizidrecht
abgeleiteten Vorsorgeschwellenwert von 0,1 µg/l für relevante
Metaboliten im Grundwasser.
„Die Trinkwasseranalysen zeigen deutlich: Mit TFA hat sich eine
Ewigkeitschemikalie im Wasserkreislauf festgesetzt. Die
Konzentrationen, die wir gefunden haben, stellen alles in den
Schatten, was behördliche Trinkwasseruntersuchungen bisher an Pestzid
– oder PFAS-Belastungen gezeigt haben. Das ist aus
Vorsorgeperspektive ein klares Warnsignal“, sagt Helmut Burtscher-
Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000.
Die Ergebnisse im Überblick
Ein europaweit harmonisierter Trinkwassergrenzwert für TFA
existiert derzeit nicht. Der in den Niederlanden und
Belgien/Wallonien geltende Vorsorgeleitwert von 2,2 µg/l – der
derzeit niedrigste Trinkwasserleitwert für TFA – wurde in drei Fällen
überschritten. Der deutlich höhere deutsche Leitwert von 60 µg/l wird
hingegen von keiner Probe erreicht.
Auffällig sind regionale Unterschiede: Höhere Belastungen wurden
vor allem in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark
gemessen. Die niedrigsten Werte finden sich in Tirol, Vorarlberg,
Salzburg und Kärnten sowie im Wiener Hochquellwasser. Auch im
Burgenland zeigen die untersuchten Stichproben vergleichsweise
moderate TFA-Belastungen. Burtscher-Schaden: “Die Daten zeigen trotz
begrenzter Stichprobengröße ein konsistentes Muster: Regionen mit
intensiver landwirtschaftlicher Nutzung weisen tendenziell höhere
Konzentrationen auf als alpine Regionen.”
Keine akute Gesundheitsgefahr, aber Vorsorge notwendig
TFA ist ein extrem langlebiges Abbauprodukt von PFAS-Pestiziden
und fluorierten Gasen. Die Substanz ist in der Umwelt sehr stabil,
weltweit verbreitet und lässt sich aus dem Trinkwasser technisch kaum
entfernen. Auch wenn Trinkwasser nicht die wichtigste Aufnahmequelle
für TFA ist, trägt es zur Gesamtbelastung bei.
Umweltmediziner Hans Peter-Hutter: „Nach derzeitigem
Kenntnisstand stellen die gemessenen TFA-Konzentrationen im
Trinkwasser kein unmittelbares Gesundheitsrisiko dar. Aufgrund der
extremen Persistenz und der zunehmenden Belastung ist Vorsorge jedoch
entscheidend – und das heißt, die Einträge dieser Stoffe rasch zu
reduzieren. TFA wird als reproduktionstoxisch bewertet; zudem gibt es
Hinweise auf hormonelle und immunologische Wirkungen. Da die
Umweltbelastung seit Jahren zunimmt – vor allem durch PFAS-Pestizide
und fluorierte Gase –, ist ohne Gegenmaßnahmen mit einem weiteren
Anstieg zu rechnen. Aus ärztlicher Sicht gilt es, das zu verhindern.“
Wasserverbände in Europa fordern Ausstieg aus TFA-
Vorläufersubstanzen
Zahlreiche europäische Wasserverbände sprechen sich bereits klar
für ein konsequentes Vorgehen aus. Der europäische Dachverband EurEau
fordert Verboten für PFAS-Pestizide, F-Gase und andere TFA-
Vorläufersubstanzen. Auch nationale Verbände wie DANVA (Dänemark),
Vewin (Niederlande) oder die deutsche Allianz der öffentlichen
Wasserwirtschaft drängen auf einen Ausstieg aus PFAS-Pestiziden und
eine rasche Umsetzung des europäischen PFAS-Beschränkungsvorschlags.
Gemeinsame Forderung: Einträge stoppen, Grenzwerte festlegen
GLOBAL 2000 und die Ärzt:innen für eine gesunde Umwelt fordern
von Umweltminister Totschnig, rasch Maßnahmen zur Eindämmung von TFA
und zum Schutz der Wasserressourcen in Österreich zu ergreifen und
sich auch auf europäischer Ebene entsprechend einzubringen:
– Ausstieg aus fluorierten Gasen, PFAS-Pestiziden und vergleichbaren
TFA-Vorläufersubstanze
– rasche Festlegung eines europaweit harmonisierten,
vorsorgeorientierten Grenzwerts für TFA im Trinkwasser
– verpflichtendes Monitoring sowie transparente Veröffentlichung der
Messdaten
– keine Abschwächung bestehender Schutzstandards im Bereich Pestizide
„TFA verschwindet nicht. Wenn wir die Einträge nicht stoppen,
wird die Belastung weiter steigen – im Wasser, in Lebensmitteln und
letztlich im Menschen“, so Burtscher-Schaden abschließend.
Weitere Details zur Methodik und zu den Einzelergebnissen finden
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